Die Gemeinde Wahrenholz heizt klimafreundlich mit Eis

Wahrenholz.  Heizen mit Eis? Die Gemeinde Wahrenholz zeigt, wie es funktioniert und spart bei Heizung und Warmwasser 80 Prozent Kohlendioxid.

Freuen sich über eine öffentliche Förderung in Höhe von 200.000 Euro für das ökologische Heizungskonzept des Eisspeichers (von links): stellvertretender Bürgermeister Ernst Pape, der Wahrenholzer Bürgermeister Herbert Pieper, Lotta Hagelmann, Klimaschutzmanagement Regionalverband,  Landtagsabgeordneter Tobias Heilmann, Verbandsvorsitzender Detlef Tanke, Patrick Nestler und Diplomingenieur Martin Ehmen, dessen Planungsbüro für innovative Haustechnik das Vorhaben umsetzt. 

Freuen sich über eine öffentliche Förderung in Höhe von 200.000 Euro für das ökologische Heizungskonzept des Eisspeichers (von links): stellvertretender Bürgermeister Ernst Pape, der Wahrenholzer Bürgermeister Herbert Pieper, Lotta Hagelmann, Klimaschutzmanagement Regionalverband,  Landtagsabgeordneter Tobias Heilmann, Verbandsvorsitzender Detlef Tanke, Patrick Nestler und Diplomingenieur Martin Ehmen, dessen Planungsbüro für innovative Haustechnik das Vorhaben umsetzt. 

Foto: Dirk Kühn

Ein Eisspeicher ist nichts für Schleckermäuler. Im Rohbau sieht er eher aus wie ein großer Güllebehälter aus Beton. Doch in Kürze steht die Zisterne in der Wahrenholzer Ortsmitte für 250.000 Liter Wasser zur Verfügung – und ist damit die Basis für ein beispielhaftes Klimaschutz-Projekt weit über die Grenzen des Landkreises Gifhorn hinaus. Denn der Eisspeicher wird künftig zur Wärmegewinnung genutzt, dient der Versorgung der Wohnungen, die zum Projekt „Ein Leben lang in Wahrenholz“ gehören. Im Vergleich zur herkömmlichen Heizung mit Öl oder Gas lassen sich mit der innovativen Technik mehr als 80 Prozent Kohlendioxid sparen.

Regionalverband fördert „Ökologisches Heizkonzept neue Dorfmitte“

Rechtzeitig bevor die Zisterne im Zentrum des Dorfes wieder unter der Erde verschwindet und im Untergrund arbeitet, trafen sich Detlef Tanke, Vorsitzender der Verbandsversammlung des Regionalverbands, die Klimaschutzmanager Lotta Hagelmann und Patrick Nestler mit dem Wahrenholzer Bürgermeister Herbert Pieper und seinem Stellvertreter Ernst Pape. Mit dabei war auch der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias Heilmann. Martin Ehmen, dessen Planungsbüro für innovative Haustechnik das Vorhaben umsetzt, informierte über den Baufortschritt.

Der Regionalverband Großraum Braunschweig unterstützt das Projekt aus Mitteln des Masterplans „100% Klimaschutz“ mit 200.000 Euro. Die Gemeinde Wahrenholz hat sich mit ihrem „Ökologischen Heizkonzept neue Dorfmitte“ in einem zweistufigen Wettbewerb gegen eine Vielzahl von Bewerbern durchgesetzt – sehr zur Freude von Pieper und Pape. Der Bürgermeister beziffert die Gesamtkosten auf rund 600.000 Euro. Der Probebetrieb ist im Dezember geplant, bis Jahresende soll die Eisspeicher-Anlage fertig sein.

„Für die Gemeinde ist es ein entscheidender Schritt für eine nachhaltige und ökologische Gestaltung unseres Dorfes“, so Pieper. Er dankte dem Regionalverband für die fachliche Begleitung beim Förderantrag. Verbandsversammlungsvorsitzender Detlef Tanke sprach von einem „Musterbeispiel an nachhaltiger Umwelttechnik und einem Modellprojekt für die gesamte Region“. Zwar gehöre der Klimaschutz nicht zu den Kernaufgaben des Regionalverbandes, aber gerade in einer Industrieregion sei es wichtig, das Thema positiv zu begleiten, die Chancen zu nutzen und Klimaschutz nicht als Belastung zu empfinden.

Heizen mit Eis? So funktioniert die Wärmegewinnung aus einem Eisspeicher: Ein Eisspeicher nutzt die sogenannte Kristallisationswärme. Im Innern der Zisterne befinden sich große Spiralen aus Leitungen, in denen eine frostsichere Flüssigkeit zirkuliert. Diese Spiralen teilen sich in einen Entzugswärmetauscher und einen Regenerationswärmetauscher. Während des Betriebs entzieht der erste Wärmetauscher dem flüssigen Wasser Energie und leitet sie weiter an die eigentliche Wärmepumpe. Dort findet ein Verdichtungsprozess statt, bei dem Kältemittel zunächst verdampft und anschließend komprimiert wird. Die dabei entstehende Wärme lässt sich zur Warmwasseraufbereitung und für die Heizung nutzen.

Indem das Wasser seine Wärme an den Entzugswärmetauscher abgibt, sinkt seine Temperatur und es gefriert allmählich. Der Regenerationswärmetauscher führt der Zisterne Wärme aus Umweltenergien zu (Erdwärme, Sonne) und lässt es tauen.

Fehlt eigentlich nur noch ein Eiscafé in der Dorfmitte

Zurück zur Wahrenholzer Mitte: Die ersten Seniorenwohnungen sind fertig, eine Ärztin hat sich niedergelassen und derzeit wird die alte Schmiede ausgebaut. Alles auf einem guten Weg beim Projekt „Ein Leben lang in Wahrenholz“ – fehlt eigentlich nur noch ein Eiscafé...

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