Kreis appelliert: Maske in gesamter Fußgängerzone bei 35er-Wert

Gifhorn.  Ab Inzidenzwert von 50 wird Mund-Nasen-Bedeckung zur Pflicht. Gastronomen schildern, wie sie mit einer Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr umgehen würden.

In der Fußgängerzone könnt bei steigender Infektionszahl das Tragen einer Maske bald Alltag werden.

In der Fußgängerzone könnt bei steigender Infektionszahl das Tragen einer Maske bald Alltag werden.

Foto: Reiner Silberstein / Archiv

Für den Fall, dass die Zahl der Corona-Infektionen den kritischen Inzidenzwert von 35 demnächst überschreitet, verschärft der Landkreis Gifhorn die Sicherheitsmaßnahmen und erließ noch am Montag eine Allgemeinverfügung zur Beschränkung der sozialen Kontakte. Darin riet der Kreis noch dringend dazu, eine Mund-Nasen-Bedeckung auch unter freiem Himmel in der Fußgängerzone zu tragen – und zwar zunächst im nördlichen Teil vom Marktplatz bis zum Steinweg 23.

Das korrigiert der Landkreis am Dienstag und legt in seiner überarbeiteten Allgemeinverfügung, die ab dem heutigen Mittwoch in Kraft tritt, nach: Liegt der Inzidenzwert bei 35 und höher, sollte in der gesamten Fußgängerzone des Gifhorner Innenstadtbereichs, also vom Marktplatz bis zum Schillerplatz, jeder eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Das gilt auch auf Parkplätzen des Einzelhandels. Übersteigt der Wert die 50er-Marke, wird das Tragen der Maske laut Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen zur Pflicht. Am Dienstag lag der Wert in Gifhorn noch bei 33,4 – niedriger als am Montag.

Die Gifhorner City-Gemeinschaft (CGG) wird am Freitag mit der Stadt Gifhorn beraten, ob der Verkaufsoffene Sonntag am 8. November stattfindet. Nach aktuellem Stand sei das so geplant, sagte CGG-Vorsitzender Udo von Ey am Dienstag. Für den lokalen Handel sei dieser zusätzliche Tag wichtig. Er trage auch dazu bei, die Kundenströme zu entzerren. „Die Kunden kommen gezielt, die Kunden kaufen gezielt“, so von Ey. Das Unterhaltungsprogramm sei bewusst reduziert worden, es gebe lediglich Zelte, in denen Kinder Laternen basteln könnten – alles unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Zur möglichen Maskenpflicht in der Fußgängerzone sagte der CGG-Vorsitzende: „Es ist wichtig und sinnvoll, sich an die Regeln zu halten.“ Lieber nicht denken möchte er indes an einen zweiten Lockdown.

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Und die Gastronomiebetriebe der Stadt? Ihnen droht ab einem Inzidenzwert von 35 eine Sperrzeit von 23 bis 6 Uhr. Was würde das für Gifhorns Gastronomen bedeuten? Für Nicole Rudbach, die die Brasserie Alte Ziege betreibt, in der auch Konzerte stattfinden, würde das keine dramatische Wende nehmen. An Live-Unterhaltung möchte sie auch weiterhin festhalten. „Kunst und Kultur muss leben.“ Im Falle einer Sperrstunde würde sie die Konzerte zeitlich vorverlegen. Statt um Mitternacht würden die Lichter dann eine Stunde früher ausgehen. Abseits einer Sperrstunde betont Rudbach, dass die Verordnungen, die ab einem Inzidenzwert von 35 greifen, ohnehin seit Sommer im Hygienekonzept der Alten Ziege greifen. „Ich verbiete das Thekengeschäft, es wird am Tisch bedient.“ Tische hätten zwei bis vier Meter Abstand zueinander, fast täglich würden Möbel gerückt. Finanziell gesehen ist Rudbach überzeugt, das Lokal gut durch die Krise geführt zu haben, aber „man muss natürlich mit spitzem Bleistift rechnen.“ Das Catering-Geschäft soll ausgebaut werden – für den Fall eines zweiten Lockdowns.

Jörg Zentgraf, der zusammen mit seiner Schwester Silke Hasenauer das Schlossrestaurant Zentgraf betreibt, spricht von einer „verdammt harten Zeit.“ Weil sein Restaurant ohnehin um 23 Uhr schließt, beträfe ihn eine Sperrstunde zwar nicht. Doch die Befürchtung, dass noch weniger Gäste als jetzt kommen, ist da. „Wir sind eine gebeutelte Branche. Es wird nichts mehr so sein, wie es vorher war.“ Sein Team arbeite sowohl im Service als auch in der Küche konsequent mit Maske.

Corona in Gifhorn- Alle Fakten auf einen Blick

Auf die Leistung seiner Mitarbeiter und die Loyalität seiner Gäste sei er extrem stolz. Die Krise habe große Einbußen für das Schlossrestaurant mit sich gebracht, sein eigenes Gehalt und das seiner Schwester hat er deutlich gekürzt. Wird er die Krise dennoch packen? „Wir werden es schaffen. Dass wird das müssen, darüber gab es nie eine Diskussion. Wir haben eine Verantwortung unserem Personal gegenüber.“ Problematisch sei, dass Gastronomen nicht mehr langfristig planen können, Gäste reservierten nur noch heute für morgen.

Armin Schega-Emmerich, 1. Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes, sieht für den Restaurantbetrieb durch eine Sperrstunde eher keine große Gefahr, für Bars, Kneipen und Diskotheken würde sie jedoch extreme Folgen bedeuten. Vielmehr fürchtet Schega-Emmerich aber einen erneuten Lockdown. „Das wäre sehr besorgniserregend.“ Die Stimmung in der Branche sei schlechter geworden. Eins von drei Standbeinen seines eigenen Betriebs, das Deutsche Haus in Gifhorn, sei komplett weggebrochen, Feierlichkeiten in der Scheune gibt es nicht mehr. Das à-la-Carte-Geschäft hingegen laufe soweit ganz gut, auch das Hotel sei noch erstaunlich gut belegt.

Lesen Sie hier weitere Details zu Kontaktbeschränkungen

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder