Flüchtlinge demonstrieren für Erhalt der Heimleitung – vergeblich

Lessien.  Der Landkreis entschied sich für einen neuen Betreiber des Camps in Lessien, der wiederum neues Personal einsetzt. Flüchtlinge protestierten dagegen.

Das Camp Lessien: ab 1. Oktober übernimmt die Fair Facility GmbH den Betrieb.

Das Camp Lessien: ab 1. Oktober übernimmt die Fair Facility GmbH den Betrieb.

Foto: Daniela König / Archiv

Mit dem neuen Betreiber endet für Agnes Liebmann am Donnerstag, 1. Oktober, zwangsläufig ihre Zeit als Leiterin der Flüchtlingsunterkunft in Lessien. Eine Nachricht, die rund 30 Bewohner vergangene Woche in Aufruhr versetzte – und auf die sie am Freitag mit einer Demonstration vor dem Zufahrtstor der Unterkunft reagierten. Sie wehren sich dagegen, dass der neue Betreiber, die Fair Facility GmbH, eine neue Heimleitung einsetzt, sie wollten Liebmann nach all den Jahren nicht gehen lassen.

Bisheriger Betreiber konnte sich im Auswahlverfahren gegen Konkurrenz nicht durchsetzen

Zum Hintergrund: Weil der Vertrag mit dem jetzigen Betreiber, der Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft, regulär zum 30. September endete, schrieb der Kreis die Betreuung der Asylbewerberinnen und Asylbewerber europaweit neu aus. Die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft wollte auch ab 1. Oktober in Lessien weiter zuständig sein, bewarb sich also auf die Ausschreibung – konnte sich laut Erstem Kreisrat Thomas Walter aber nicht durchsetzen. Die Wahl fiel stattdessen auf die Fair Facility GmbH mit Sitz in Isernhagen bei Hannover, die seit 1990 den Betrieb und die Betreuung sozialer Einrichtungen sicherstellt.

Die Firma hatte sich im Rahmen der Ausschreibung laut Walter mit einem entsprechenden Konzept beworben, anhand dessen eine Personalauswahl getroffen und das Personal ausgewählt wurden. Kürzlich habe es Bewerbungsgespräche zwischen dem neuen Betreiber und dem bisherigen Personal gegeben. Ex-Heimleiterin Agnes Liebmann habe an diesen Auswahlgesprächen teilgenommen. „Auf die Personalentscheidungen hat der Landkreis Gifhorn keinen Einfluss, diese trifft der Betreiber“, betont der Erste Kreisrat. Und stellt klar: „Das einzusetzende Team wird über alle geforderten Qualifikationen verfügen. Der Vertrag läuft für ein Jahr.

Am Freitag seien Mitarbeiter des Landkreises auf dem Gelände gewesen, „um vor Ort die Situation zu klären und zu beruhigen“.

Jenny Reissig, die sich wie kaum ein anderer für Flüchtlinge in der Gemeinde Ehra-Lessien einsetzt, hat von der Demo auch nur aus der Presse erfahren, könne die Situation vor Ort nicht einschätzen. Dennoch sagt sie: „Ich halte so eine Aktion für nicht zielführend. Es handelt sich eben um ein offizielles Ausschreibungsverfahren.“

Auch für Betrieb des Bromer Pastor-Bammel-Hauses wird es neue Bewerbungsrunde geben

Demo hin oder her: Die Wahl ist getroffen, für das Unternehmen aus Zeithain in Sachsen ist Schluss – nach Jahren der Zusammenarbeit, die in Brome begann. Denn als der Kreis 2017 dem damaligen Betreiber Protector Security, der für das Bromer Pastor-Bammel-Haus zuständig war, wegen Fehlverhaltens vorzeitig kündigte, holte die Verwaltung die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft in den Landkreis. Als das 2015 in einem Kraftakt gegründete Camp in Lessien, das wegen drastisch sinkender Flüchtlingszuweisungen zwischenzeitlich stillgelegt wurde, wieder reaktiviert wurde, brauchte es einen Betreiber. Die Wahl fiel auf die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft, die damit fortan beide Standorte Lessien und Brome verantwortete. Aus der anfänglichen Interimslösung 2017 wurde in Lessien eine dauerhafte Betriebsvereinbarung, die später vertraglich verlängert wurde – und am 30. September nun endete.

In Lessien startet nun eine neue Zeit unter neuer Führung. Für das Pastor-Bammel-Haus in Brome bleibt die Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft noch bis zum 31. Januar 2021 zuständig, sagt Walter. Solange läuft der Vertrag. Für die Folgezeit wird auch dann der Betrieb der Flüchtlingsunterkunft europaweit neu ausgeschrieben, im Oktober ist eine Veröffentlichung laut Walter geplant. Auch hier könnte sich der jetzige Betreiber neu bewerben. Doch wer auch immer es wird – über die Besetzung der Heimleitung bestimmt der Betreiber, nicht der Landkreis, wiederholt Walter.

Lesen Sie hier, wie die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Betreiber in Brome begann

Lesen Sie hier, wie die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Betreiber in Lessien begann

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