Volksbank-Filiale in Ehra wird Ende 2020 dicht gemacht

Ehra-Lessien.  Auch der Geldautomat wird abgeschafft. Der Standort rechnet sich nicht mehr und Kunden nutzen zunehmend das Internet statt den Schalter.

Die Volksbank-Filiale in der Lupinenstraße im Ortsteil Ehra wird zum 31. Dezember 2020 für immer geschlossen. Auch der Geldautomat wird abgeschafft.

Die Volksbank-Filiale in der Lupinenstraße im Ortsteil Ehra wird zum 31. Dezember 2020 für immer geschlossen. Auch der Geldautomat wird abgeschafft.

Foto: Daniela König

Paukenschlag für Ehra-Lessien: Die Volksbank in der Lupinenstraße im Ortsteil Ehra wird zum 31. Dezember dieses Jahres definitiv schließen. Anlässlich dieser schlechten Nachricht war Markus Creydt, Vorstand der Volksbank eG Südheide - Isenhagener Land - Altmark, zur Ratssitzung am Mittwoch eingeladen worden, um die Gründe dafür zu erklären. Und die missfielen einigen Ratsmitgliedern und Bürgern merklich.

Weniger als 5 Prozent aller Transaktionen erfolgen in Geschäftsstelle

Creydt führte als Hauptgründe die mangelnde Wirtschaftlichkeit und das veränderte Nutzungsverhalten der Bankkunden an. Der Standort rechne sich nicht mehr. Zudem nutzten immer mehr Bürger digitale Kanäle, um ihre Geschäfte zu erledigen, anstatt in die Filiale zu gehen. Auch Videoberatungen seien mehr und mehr gefragt – nicht zuletzt gepusht durch Corona und den zeitweisen Shutdown. „Unter fünf Prozent aller Transaktionen erfolgen nur noch in den Geschäftsstellen. Das ist ein Wert, vor dem man die Augen nicht verschließen kann“, unterfütterte Creydt die Tendenz zum Online-Banking mit Zahlen. Die Geldautomaten seien während der Corona-Zeit bis zu 25 Prozent weniger genutzt worden – Kartenzahlung war in den meisten Geschäften angesagt.

Die Frage, ob wenigstens der 2014 aufgestellte Automat zum Abheben von Bargeld erhalten bleiben könne, verneinte der Volksbank-Vorstand. In all den sechs Jahren zeigte sich: die rege Frequenz, die man sich erhofft hatte, blieb aus. „Wir sind mit der Nutzung nicht zufrieden.“ Darin werde aus diesem Grund nicht weiter investiert. Wer Geld abheben müsse, könne ins Kompetenz-Center nach Brome fahren oder den Automaten in Grußendorf bei Norma nutzen. Dort stehen ebenfalls Veränderungen an: Der Schalter wird abgeschafft, nur noch der Selbstbedienungsbereich bleibt. Zwar sei dadurch kein festes Personal mehr vor Ort, die Räume der Immobilie werden aber weiterhin für persönliche Beratungstermine nach Vereinbarung genutzt, erklärt Creydt.

Kritik aus dem Ratsrund: ältere Bürger werden abgehängt

Die Filialmitarbeiter blieben telefonisch weiterhin erreichbar, erledigten alles, was sie sonst vor Ort getan hätten: Überweisungen – auch ins Ausland, Karten bestellen oder sperren & Co. Telefonbanking statt Online-Banking.

Axel Jordan (CDU) hatte Bauchschmerzen mit diesem neuen Konzept und beklagte, dass gerade die Älteren abgehängt würden. „Sie kommen nicht mehr an ihr Geld dran, müssen mobil werden oder sich fahren lassen“, sagte Jordan mit Blick auf die übrig bleibenden Alternativen in Grußendorf oder Brome. Auch Ralf Großmann (SPD) zeigte auf, dass der Wegfall des Geldautomaten im ländlichen Bereich für Probleme sorgen werde und es gerade für Senioren wichtig sei, von Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen statt über Telefon.

Gespräche mit Gewerbetreibenden über Lösung zum Geldabheben

Creydt entgegnete, dass Mitarbeiter benötigtes Geld auch zu den Kunden nach Hause bringen würden. Wer einen persönlichen Beratungstermin brauche, bekomme ihn auch. Zudem sei die Volksbank in Gesprächen mit Gewerbetreibenden, um eine Lösung zu finden, wie Kunden noch an Bargeld kommen können. „Wir hoffe sehr, dass das in Ehra-Lessien möglich wird“, sagte Bürgermeister Jörg Böse (CDU). Ein Bürger regte an, an der Tankstelle eine Möglichkeit zu schaffen. „Tanken muss jeder!“

Auch Dirk Fricke (CDU) machte seinem Ärger Luft, kritisierte unter anderem die Kundenkommunikation und fehlende Transparenz. So habe in einem Schreiben nur gestanden, dass Kunden aus Ehra-Lessien künftig in der Geschäftsstelle Grußendorf beraten werden. Dass die Filiale in Ehra schließen muss, nicht. „Das wäre ein Satz und die Wahrheit gewesen! Das finde ich unredlich!“

Auf die Frage eines Bürgers, wo Vereine künftig Geld herbekommen können, verwies Creydt auf das Kompetenz-Center in Brome.

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