Meinersener Ratsherr verlässt AfD wegen „Flügels“

Meinersen.  Ex-Bundestagskandidat Reinecke stört sich an der ultrarechten Gruppierung. Für Konservative sei kein Platz mehr.

Samtgemeinderatsherr Hans-Heinrich Reinecke ist aus der AfD ausgetreten. Er bleibt als Parteiloser im Meinersener Samtgemeinderat.

Samtgemeinderatsherr Hans-Heinrich Reinecke ist aus der AfD ausgetreten. Er bleibt als Parteiloser im Meinersener Samtgemeinderat.

Foto: privat

Einen Tag vor dem Landesparteitag der AfD Niedersachsen in Braunschweig gibt es für die Partei schlechte Nachrichten aus dem Kreisverband Gifhorn. Der Meinersener Samtgemeinde-Ratsherr Hans-Heinrich Reinecke (56) aus Hillerse hat die AfD verlassen. Meinersens Samtgemeindebürgermeister Eckhard Montzka gab am Donnerstag im Plenum bekannt, Reinecke werde sein Mandat als Parteiloser weiterführen.

Der Ingenieur hatte 2017 als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Gifhorn-Peine für den Bundestag kandidiert, dann aber seine Bewerbung wegen unterschiedlicher Auffassungen vor allem in energiepolitische Fragen zurückgezogen. Seinen Parteiaustritt mit Ablauf Juli begründete Reinecke mit mangelnder Distanzierung der Partei von der rechtslastigen Gruppierung „Der Flügel“ mit den umstrittenen Köpfen Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Ihm als Konservativen fehle die Unterstützung für den gemäßigten Vorsitzenden Jörg Meuthen: „Die ganze Entwicklung gefällt mir nicht.“

Meinersen will familienfreundlich bleiben.

Der Samtgemeinderat hielt mit mehreren Beschlüssen die Kinderbetreuung auf Kurs. So übernimmt die Samtgemeinde Elternbeiträge für ausgefallene Krippenzeiten in den Corona-Krisenmonaten sowie Zusatzkosten für Notbetreuungen. Nach einem dringenden Appell einer Leiferder Mutter, für deren zwei Kinder Betreuungskosten von mehr als 1000 Euro ohne Gegenleistung angefallen waren, sagte Bürgermeister Montzka: „Wir geben keine juristische Antwort, dass eigentlich genau das im Vertrag steht, sondern eine familienfreundliche. Wir erstatten.“

Der Bau des dringend erwarteten dritten Kindergartens in Leiferde schreitet voran. Die jüngsten Ausschreibungen für die verbliebenen Gewerke ergaben erfreulich günstige Angebotspreise. Das Projekt bleibe ebenso wie der Bauhof im Kostenrahmen, freute sich Montzka. Der Kindergarten Leiferde solle nach zwischenzeitlichen Verzögerungen bei der Suche nach einem Fensterbauer im Frühjahr fertig werden. Sicherheitshalber verlängerte die Samtgemeinde die Miete der Übergangsräume im Dorfgemeinschaftshaus Dalldorf bis Ende 2021. Über die überbordenden Betreuungskosten verhandelt Montzka derweil unterstützt von zwei Bürgermeisterkollegen mit dem Kreis. Ziel ist, die 2020 erhöhte Finanzierung zu verstetigen – und zu verdoppeln: Allein für Meinersen dann auf eine Million statt jetzt 560.000 Euro.

Bei der Dorferneuerung blickt Meinersen über die Kreisgrenzen.

Einstimmig begrüßte der Rat den Vorschlag der Müdener CDU-Fraktion, über ein Klimaschutzkonzept für die Samtgemeinde nachzudenken. Dazu passt die Info, dass Meinersen Ökostrom einspeist als dort überhaupt an Elektrizität verbraucht wird. Die Stromproduktion von 56.112 Megawattstunden entspricht 113,6 Prozent des Bedarfs. Die Energie stammt aus 401 Photovoltaikanlagen, zwei Wasserkraftwerken und 15 Biogasanlagen.

Ein weiterer Zukunftsaspekt betrifft die Dorferneuerung. Zusammen mit der Samtgemeinde Lachendorf, der Gemeinde Eschede und der Stadt Celle will Meinersen eine europäische Leader-Region bilden. Der Kick: Als interkommunale und sogar kreisübergreifende Kooperation erhalten die Projektpartner für ihre Vorhaben noch einmal zehn Prozent Förderung extra.

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