Gifhorns Musikzüge wollen wieder proben

Gifhorn.  Kreisstabführer Bernd Wilmer ruft nach Wiedereinstiegs-Perspektiven. Er setzt auf ein Benefizkonzert im November.

Wann ist gemeinsames Proben der kreisweit 550 Mitglieder von Musikzügen wieder möglich, fragt sich Kreisstabführer Bernd Wilmer (zweiter von links).

Wann ist gemeinsames Proben der kreisweit 550 Mitglieder von Musikzügen wieder möglich, fragt sich Kreisstabführer Bernd Wilmer (zweiter von links).

Foto: Stefan Lohmann

„Musik liegt in der Luft“ ist so ein geflügeltes Wort. In den 1990er Jahren moderierte Dieter Thomas Heck große Wochenend-Wunschkonzerte unter diesem Motto. Lange her. Heutzutage gilt für die Musiker um Gifhorns Kreisstabführer Bernd Wilmer: Musik hängt in der Luft. Als eine der letzten Sparten haben die Spielmannszüge und Feuerwehrmusiker noch keinerlei Wiedereinstiegsperspektive. Seine Wilmers Forderung an Politik und Öffentlichkeit lautet: „Wir müssen jetzt darüber sprechen, wie wir für uns Möglichkeiten schaffen können.“

Das realistische Ziel für die 550 Mitglieder der 17 Musikzüge im Landkreis sind ein Kreisprobentag am 31. Oktober und ein Benefizkonzert am 21. November – live! „Deutschland ist bekannt für seine musikalischen Gemeinschaften. Da müssen wir langsam wieder hin“, betont Wilmer.

In einem Schreiben an die ehrenamtlichen Musiker dankt der Musik-Manager für Geduld, Disziplin und Zurückhaltung: „Die gute Außendarstellung unseres Fachbereiches hat mich sehr gefreut.“ Für umso berechtigter hält Wilmer die Forderung nach einer realistischen Einschätzung des Risikos: Der Bund Deutscher Blasmusikverbände und die Bundesvereinigung Deutscher Musikerverbände haben sich mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin darüber verständigt, in Konzertsälen und Proberäumen weitere Messungen mit Bläserensembles durchzuführen.

Die Empfehlungen der Berliner Charité zu Orchesteraufstellung und Hygieneregeln während der Corona-Epidemie kann Wilmer nachvollziehen, hält vieles für umsetzbar, sieht aber auch finanzielle Probleme etwa mit Kosten für Plexiglas-Schutzscheiben zwischen den Orchesterreihen. „Geld für Instrumente benötigen wir ja weiterhin auch.“

Nicht abfinden will sich Wilmer damit, „dass man gar nichts hört“. Das Feuerwehr-Löschwesen dürfe langsam wieder zum Übungsbetrieb zurückkehren, „die Musik ist außen vor“. Doch die Musiker hätten mit Video- und Internet-Aktionen nicht nur bewiesen, „dass sie wieder nach vorn wollen“. Routiniers wie Einsteiger gleichermaßen benötigten auch wieder Proben in Einzel- und Gruppenunterricht. „Wir haben auch Bildtelefonie über das Internet genutzt, aber die Technik schluckt Frequenzen. Persönlich geht das besser“, argumentiert Wilmer.

Diese Feinheiten sind aber nur das eine Problem fehlender Proben. „Vor allem fehlt uns die Gemeinschaft“, bedauert Wilmer. „Musikzüge sind auch eine Familie für sich.“ Am schlimmsten wäre es aus seiner Sicht, wenn die Corona-Krise die Nachwuchsarbeit zerstöre: „Ich habe Angst, dass unsere Jugendlichen die Lust verlieren.“

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