Schrott-Fahrräder am Hauptbahnhof sollen weg

Braunschweig  Vieler Pendler schimpfen über die „Fahrradleichen“, die dort monatelang Stellplätze blockieren. Bahn und Stadt versprechen Abhilfe.

Ein Leser kritisiert auf unserem Internetportal Alarm38:

Rund um den Hauptbahnhof stehen jede Menge Schrottfahrräder und blockieren die Ständer. Es wachsen bereits Bäume und der Dreck sammelt sich. Es wird Zeit, dass sich der Zustand an diesem Schandfleck ändert.

Mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof und dann ab in den Zug? Wer kann, vermeidet das, denn es mangelt an Ständern. Umso ärgerlicher ist es, dass etliche Stellplätze mit Fahrrädern belegt sind, die von ihren Besitzern offensichtlich aufgegeben und einfach zurückgelassen wurden.

Der Frust über die „Fahrrad-Leichen“ ist groß. Einige scheinen seit Jahren vor sich hin zu gammeln, mit zerschlissenem Sattel, platten Reifen, teilweise zerlegt. Zwischendrin jede Menge Müll und sprießende Bäumchen.

Kritik: „Die Situation ist für viele Pendler unerträglich“

Auf unserem Internetportal Alarm38 äußern mehrere Leser ihren Unmut. Einer schreibt zum Beispiel: „Die Situation ist für mich wie für viele Pendler, die jeden Tag am Hauptbahnhof einen Fahrradparkplatz suchen, unerträglich. Der Schrott, der gefühlt mehr als ein Drittel der Fahrradständer blockiert, ist für Braunschweig ein Armutszeugnis. Was sollen Besucher denken, die aus dem Bahnhofsgebäude auf den Vorplatz gehen? Überall liegen ganze Haufen von Schrotträdern herum. Die Laufwege werden blockiert.“

Einige Schrotträder sind mit Banderolen gekennzeichnet. Darauf steht, dass die Räder am 29. April 2017 erfasst wurden und am 29. Mai 2017 entfernt werden – was offensichtlich nicht geschehen ist. Ein Umstand, der viele ärgert: „Die Räder werden so lange stehengelassen, bis die Banderolen abgerissen oder durch Witterungseinflüsse nicht mehr dran sind“, heißt es bei Alarm38. „Man hat das Gefühl, dass die Stadt die Verantwortung auf die Bahn schiebt und umgekehrt. Fühlbar passiert nichts!“

Die Deutsche Bahn hingegen versichert auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Schrotträder entfernt werden sollen – und zwar am 25. Juli. „Wir führen dort in der Regel zweimal jährlich eine Reinigung und Entfernung der Fahrradleichen durch“, sagt Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Wann die letzte Aktion stattgefunden hat, und warum die gekennzeichneten Räder nicht wie angekündigt am 29. Mai entfernt wurden, konnte er am Montag kurzfristig nicht sagen, kündigte eine Antwort aber für Dienstag an.

Die Stadt hat ein Gutachten in Auftrag gegeben

Die Stadt beteiligt sich finanziell an den Aufräum-Aktionen. Wie Stadtsprecher Rainer Keunecke erläutert, zahlt die Verwaltung freiwillig 50 Prozent der Kosten für die Beseitigung zurückgelassener und nicht mehr gebrauchsfähiger Fahrräder im Bereich des Bahnhofvorplatzes. „Der städtische Anteil an den Gesamtkosten belief sich 2016 auf knapp 1700 Euro und 2015 auf etwas mehr als 3000 Euro.“

Aber was lässt sich tun, um dort grundsätzlich für mehr Ordnung zu sorgen? Keunecke zufolge hat die Stadt mit Blick auf die abgestellten Fahrräder ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Lösungen aufzeigen soll. Es werde in einer der nächsten Sitzungen des Planungs- und Umweltausschusses vorgestellt.

Der Mangel an Fahrradständern könnte auch gelindert werden, wenn es am Fernbus-Bahnhof vorangeht. Die Stadt will einen Neubau mit Parkhaus, WC-Anlage, Kiosk und Wartebereich errichten – auch Fahrrad-Stellplätze sind vorgesehen. Die Entwürfe liegen der Bahn als Grundstückseigentümerin seit etlichen Monaten vor. Doch nach wie vor ziehen sich die Verhandlungen in die Länge.

Die Stadt hatte deshalb schon im Winter angekündigt, vorübergehend eine kleine Lösung umzusetzen. Dafür gibt es auch grünes Licht von der Bahn. Stadtsprecher Keunecke zufolge laufen die Planungen dafür noch. „Die Inbetriebnahme von Aufenthaltsraum und Toilettenanlage wird nach wie vor für den Herbst dieses Jahres anvisiert“, sagt er. Für den Bau einer Fahrrad-Abstellanlage erhält die Stadt voraussichtlich Fördergeld. Daher müsse der Bautermin noch mit den Zuwendungsgebern abgestimmt werden. Eine leichte Entspannung für Radfahrer ist somit wohl in Sichtweite.

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