Jedes dritte Kind kann nicht schwimmen

Experte: Studie ist dramatisch – Kritik am Spaßbad

BRAUNSCHWEIG. In tiefen Seen und Schwimmbädern sind sie oft hilflos, immer häufiger geraten sie sogar in Lebensgefahr: Jedes dritte Kind im schulpflichtigen Alter zwischen 6 und 18 Jahren kann nicht schwimmen.

"Die Entwicklung ist dramatisch", sagt Helmut Fichtner. Er ist Vorsitzender im Landesverband Braunschweig der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Fichtner sieht in einer aktuellen DLRG-Studie zur "Schwimmfähigkeit der Bevölkerung" einen Zusammenhang zur steigenden Zahl der Ertrunkenen. 644 Menschen ertranken 2003 in Deutschland, fünf Jahre zuvor waren es noch 477.

Fichtner macht unter anderem die zunehmende Schließung von Bädern auch in unserer Region für die Nichtschwimmer-Quote verantwortlich: "Vereine schlagen sich regelrecht um die Zeiten für ein Bad."

Den in Erwägung gezogenen Bau eines Spaßbads in Braunschweig betrachtet er kritisch. Bäder in Querum, Wenden oder Gliesmarode würden im Gegenzug gestrichen. "In einem Spaßbad gibt es zwar eine Rutsche, aber immer weniger Raum für Schwimm-Unterricht. Der Trend in Braunschweig wird sich noch verschärfen", vermutet Fichtner.

Die Stadt weist den Vorwurf zurück: "Wenn das Spaßbad kommen würde, wäre der Platz für Schwimm-Unterricht mehr als kompensiert", meint Sprecher Jürgen Sperber.

Eine weitere Ursache der Zahlen sieht Fichtner in einem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums. Lehrer dürfen sich beim Schwimm-Unterricht nicht mehr von einem Kollegen begleiten lassen. "Das Risiko für den Lehrer wird immer größer", warnt Fichtner.

Georg Weßling, Sprecher des Kultusministeriums, sagt: "Es gibt verbindliche Schwimmzeiten in der Stundentafel. Doch ein zweiter Lehrer fehlt für anderen Unterricht. Eine zusätzliche Aufsicht muss vor allem schwimmen können, aber nicht unbedingt den Satz des Pythagoras beherrschen."hintergrund

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder