Ukraine-Krieg

Himars-Raketen: Russische Depots werden zu leichten Zielen

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Angriff auf Wohnhaus in der Ukraine: "Wir werden die Täter finden"

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Nach dem russischen Raketenangriff auf ein Wohngebäude im ostukrainischen Tschassiw Jar mit mindestens 15 Todesopfern suchen Rettungskräfte weiter nach Verschütteten. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, die Verantwortlichen würden gefunden und zur Rechenschaft gezogen.

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Berlin.  Mehrere Munitionslager wurden bereits zerstört: Ein US-Raketensystem hilft der Ukraine – und sogt für nervöse russische Militärblogger.

Den ukrainischen Streitkräften ist es in den vergangenen Wochen immer wieder gelungen, russische Ziele anzugreifen und zu zerstören, teils kilometerweit hinter der Frontlinie: Präzisionsschläge auf Munitionslager und Kommandoposten in den von Russland besetzten Gebieten. Das Portal „Kyiv Independent“ berichtet von 20 getroffenen oder vollständig ausgeschalteten russischen Depots.

Die Distanzangriffe lassen auf Erfolge der Waffenlieferungen aus dem Westen im Ukraine-Krieg schließen. Besonders die Himars-Mehrfachraketenwerfer, die seit Ende Juni aus den USA geliefert werden, scheinen Wirkung zu zeigen.

Himars – das steht für High Mobility Artillery Rocket System. Bisher haben die Amerikaner acht Raketenwerfer von dem Typ an die Ukraine geliefert. Die auf gepanzerten Lastwagen montierten hochmodernen Waffensysteme werden von einer dreiköpfigen Mannschaft bedient und können mehrere präzisionsgelenkte Raketen gleichzeitig abfeuern, die auf 85 Kilometer Entfernung mit einer Genauigkeit von wenigen Metern ihr Ziel finden. Während des Fluges empfangen die 227-Millimeter-Raketen GPS-Daten und können ihre Flugbahn berichtigen.

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Himars-Raketen: Beunruhigte russische Militärblogger

Die Raketenwerfer erlauben der ukrainischen Armee aus größerer Entfernung Angriffe auf die russische Armee, ohne selbst in Reichweite des Gegners zu geraten. Noch vor kurzem waren weit entfernte Ziele für das ukrainische Militär unerreichbar.

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Die empfindlichen Schläge gegen Munitionsdepots und Kommandozentren sorgen für nervöse Posts unter russischen Militärbloggern, die keine Idee für eine erfolgreiche Verteidigung gegen das hocheffektive US-Raketensystem haben.

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„In den letzten fünf bis sieben Tagen wurden mehr als zehn große Artillerie- und andere Munitionsdepots, etwa ein Dutzend Kommandostellen getroffen, sowie mehrere Öldepots“, schreibt der ehemalige prorussische Separatistenführer Igor Girkin auf seinem Telegramm-Account. Dabei habe es große Verluste an Menschen und Material gegeben.

„Ich schreibe dies nicht, um das ukrainische Volk über den Erfolg seiner Angriffe zu informieren – sie wissen das besser als ich“, so Girkin weiter und fragt: „Wann wird Russland den Kampf mit voller Kraft aufnehmen? Wann werden sie das Transportsystem der sogenannten ‚Ukraine ‘ vernichten?“

Himars-Raketen: Systeme verschaffen Ukraine einen Vorteil

In einem Telegramm-Beitrag des russischen Militärblogs „Voennyi Osvedomitel“ heißt es etwas nüchterner formuliert: Die Himars seien eine echte Bedrohung für die russischen Soldaten. Die Raketenwerfer aus den USA hätten das Potenzial, die russische Logistik empfindlich zu stören.

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Auf Twitter finden sich zudem mehrere Videos von mächtigen Explosionen und großen Bränden, verursacht durch die in den Neunzigerjahren für das US-Militär entwickelten Himars-Raketen. Eines davon kommentierte der Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehruniversität München trocken: „Da sag mal jemand, dass Waffenlieferungen nix bewirken.“

Die wenigen Raketenwerfer sind ein wertvolles Mittel für die Ukraine. Zwar verfügt Russland über große Vorräte an Artilleriemunition. Doch sollte es den ukrainischen Streitkräften gelingen, weitere Logistik – etwa Munitionslager, Kommandozentren und Treibstoffdepots – auszuschalten, könnte das russische Militär beim Nachschub von Granaten und Geschosse für ihre Artillerie erhebliche Probleme bekommen.

Hochwirksames Raketensystem: USA kündigen neue Lieferung an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich aufgrund der westlichen Waffenhilfe optimistisch über den weiteren Verlauf des Krieges. „Die Okkupanten haben bereits sehr gut zu spüren bekommen, was moderne Artillerie ist, und sie werden nirgendwo mehr auf unserem Boden, den sie besetzt haben, ein sicheres Hinterland haben“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache am Dienstag.

Derweil kann sich sein Land auf zusätzliche Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars einstellen. Vorige Woche kündigte die US-Regierung die Lieferung von vier weiteren Himars-Systemen an – die Ukraine ist dann im Besitz über zwölf der jeweils fünf Millionen US-Dollar teuren Systeme.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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