So soll mit Wasserstoff der CO2-Ausstoß verringert werden

Berlin.  Zwei Unternehmen wollen in Deutschland ein Pilotprojekt zur Wasserstoffumwandlung aus Erdgas starten. Wie sauber ist das Vorhaben?

Bei der Umwandlung von Wasserstoff fällt CO2 an. Das müsste per Schiff über den Rhein nach Rotterdam gebracht werden. Von dort aus ginge es weiter nach Norwegen.

Bei der Umwandlung von Wasserstoff fällt CO2 an. Das müsste per Schiff über den Rhein nach Rotterdam gebracht werden. Von dort aus ginge es weiter nach Norwegen.

Foto: Jochen Tack / imago/Jochen Tack

Wenn die geplante CO2-Bepreisung im Klimapaket der Bundesregierung kommt, könnte es für die Industrie in Zukunft teuer werden, wenn sie für jede Tonne Kohlenstoffdioxid-Emission bezahlen muss. Die Umstellung auf emissionsfreie Produktionsweisen wird daher zunehmend interessanter für Unternehmen.

Doch wie lässt sich Kohlenstoffdioxid in Zukunft vermeiden? Der Essener Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE), ehemals E.ON Ruhrgas, ist überzeugt, dass der Einsatz von Wasserstoff eine Möglichkeit sein wird, um saubere Energie zu produzieren.

Gemeinsam mit dem norwegischen Öl- und Gaskonzern Equinor ASA stellte OGE am Dienstag in Berlin eine Machbarkeitsstudie vor. Unter dem Namen „H2morrow“ wollen die beiden Unternehmen bis 2030 ein Pilotprojekt realisieren, mit dem Industrie und Endkunden in Deutschland mit jährlich 8,6 Terrawattstunden Wasserstoff versorgt werden könnten.

Wasserstoff: Projekt zunächst nur in Nordrhein-Westfalen

Bevor Wasserstoff deutschlandweit als Energiequelle in Betracht käme, soll das Pilotprojekt zunächst in Nordrhein-Westfalen beginnen. Von dort aus soll langfristig der deutsche und europäische Markt ins Visier genommen werden, hofft Jörg Bergmann, Sprecher der OGE-Geschäftsführung: „Die Rhein-Ruhr-Region könnte in der Wasserstoffversorgung zum Nukleus für Deutschland und Europa werden.“

Laut der vorgestellten Machbarkeitsstudie ließen sich mit der Nutzung von Wasserstoff jährlich 1,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, der CO2-Fußabdruck würde um 95 Prozent reduziert werden.

CO2 müsste wieder per Schiff zurück nach Norwegen

Bei dem Projekt soll sogenannter blauer Wasserstoff gefördert werden, also Wasserstoff, der aus Erdgas entsteht. Technisch ist die Herstellung simpel. Erdgas wird mit Wasserdampf und reinem Sauerstoff unter hohem Druck zusammengeführt, das ist eine sogenannte autotherme Reformierung. Dabei entstehen Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid.

Trotzdem gibt es zwei Probleme: Zum einen ist Deutschland weitestgehend auf Erdgas-Importe angewiesen, zum anderen muss das erzeugte CO2 wieder entsorgt werden. Das macht das Verfahren komplizierter:

Equinor müsste das Erdgas von Norwegen aus nach Nordrhein-Westfalen liefern, das hier zu Wasserstoff umgewandelt würde. Denn Wasserstoffleitungen zwischen Norwegen und Deutschland bestehen nicht. Das bei der Umwandlung anfallende Kohlendioxid wiederum würde über den Rhein nach Rotterdam und von dort per Schiff wieder zurück nach Norwegen verschifft werden.

Dort angekommen muss es gepresst und zwischengelagert werden, ehe es in über 2000 Metern unter dem Meeresboden eingelagert wird. Dort würde das CO2 langfristig versteinern. „Das ist dasselbe Konzept wie beim Öl und Gas, nur eben andersherum“, erklärt Steinar Eikaas, Vice President Low Carbon Solutions von Equinor den Einlagerungsprozess.

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Wasserstoff soll zwischen 50 und 80 Euro pro Megawattstunde kosten

Da Schiffe aber bisher meist noch nicht emissionsfrei sind, müssten auch diese Belastungen in die Berechnung der Kohlenstoffdioxidreduktion miteinbezogen werden. Pro Woche würden laut der Machbarkeitsstudie rund neun Binnenschiffe den Rhein entlang nach Rotterdam schippern, von dort aus würde rund alle sechs Tage ein Tanker beladen mit CO2 gen Norwegen in See stechen.

Zusammen würden damit allein für die Tonne CO2 Kosten in Höhe von 50 bis 70 Euro fällig. Der gewonnene Wasserstoff soll zwischen 50 und 80 Euro pro Megawattstunde kosten.

Um den Wasserstoff in NRW zu verteilen, könnte teils auf bestehende Gasleitungen zurückgegriffen werden. Zwar müssten einzelne Bauteile ausgetauscht werden, insgesamt sei der Umbau aber deutlich günstiger als ein Neubau von Pipelines.

Einen prominenten Unterstützer wissen OGE und Equinor ebenfalls bereits an ihrer Seite: Thyssenkrupp Steel Europe möchte Wege prüfen, um eine ausreichende Wasserstoffversorgung für die Umstellung der Stahlproduktion sicherzustellen.

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