Bakteriologe: Ein Corona-Test nach Rückkehr gibt keine Sicherheit

Göttingen.  Der statistische Richtwert im Kreis Göttingen ist leicht angestiegen – das kann mit Reisen in Verbindung gebracht werden, sagt Prof. Helmut Eiffert.

Am Flughafen München hängt ein Schild mit der Aufschrift „Kostenloser Corona-Test“.

Am Flughafen München hängt ein Schild mit der Aufschrift „Kostenloser Corona-Test“.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Der Trend ist für das Robert-Koch-Institut (RKI) besorgniserregend: Die Zahl der Covid-19-Infektionen steigt wieder. Im Landkreis Göttingen sind die Fallzahlen, nach Infektionen im Juni und Juli in Göttinger Wohnblöcken und im Grenzdurchgangslager Friedland, gesunken – und doch im Trend mit leicht steigender Tendenz. So hat der Göttinger Bakteriologe Prof. Helmut Eiffert festgestellt: In den vergangenen Wochen lag der Wert der positiv auf Covid-19 getesteten Personen bei 0,6 Prozent, inzwischen bei 0,8 Prozent. Eine leichte Steigerung, die mit Reisen in Verbindung gebracht werden kann, so Eiffert. Die Details im Folgenden.

Das für Krankheitsüberwachung und -prävention in Deutschland zuständige RKI gab am Mittwoch eine Statistik bekannt, die die von Ende Juni bis Ende Juli erfassten Neuinfektionen und ihre Ursachen benennt. Von den eingeschleppten Infektionen stammen danach mehr als die Hälfte aus Südosteuropa.

Zeitlich begrenztes Testergebnis

Vermehrt Reiserückkehrer unter den positiv getesteten Personen stellt auch Eiffert fest. Der für die Firma Amedes tätige Arzt erklärt, dass Patienten, die im Ausland waren, oftmals auch ihren Lebenspartner oder ihre Kinder anstecken. Bei den ihm vorliegenden Proben, die aus dem Raum Göttingen und weiteren Regionen stammen, konnte er feststellen, dass die meisten der mit Covid-19 infizierten Patienten in Serbien oder Kroatien gewesen waren.

Auch Menschen, die verreisen wollen, lassen sich testen: „Wir haben hier diverse Anfragen von Leuten, die verreisen wollen und ein Attest benötigen.“ Doch dessen Haltbarkeit oder Testgültigkeit habe nur eine Zeit von 48 bis 72 Stunden. Und die neue Regelung, dass Flugreisende bei der Rückkehr noch am Flughafen getestet werden, sieht Eiffert „infektiologisch kritisch“, weil eine Infektion auch Tage nach dem Test noch ausbrechen könne. Insofern sollte mehrmals getestet werden und nicht ein negativer Test gleich nach Rückkehr dazu führen, sich in Sicherheit zu wähnen.

Problem erfolgreicher Prophylaxe

Derzeit führen die Urlaubsrückkehrer zu einem erhöhten Risiko ebenso wie die festzustellende nachlassende Disziplin beim Einhalten von Mindestabständen oder der Maskenpflicht. Aber es bleibe keine andere Möglichkeit, als auf Isolation, Dokumentation, Maskenpflicht und Mindestabstand zu setzen, appelliert Eiffert und erklärt, „eine erfolgreiche Prophylaxe führt immer auch zu dem Problem, dass, wenn nichts passiert, nachlässiger gehandelt wird.“

Noch im April erklärte der ehemalige Universitätsprofessor im Interview, dass das Virus ihn überrasche (wir berichteten). Das ist weiterhin der Fall. Mit Blick auf neue Erkenntnisse vergleiche er es nicht mehr mit Influenza-Viren. Denn das Coronavirus greife verschiedene Organsysteme an; nicht nur die Atemwege, sondern auch Hirn, Herz, Niere und Leber, wie inzwischen festgestellt worden sei. „Das gibt es bei vielen Viren, aber nicht so ausgeprägt“, erklärt Eiffert, der auch darauf hinweist, dass Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, danach weiter mit Erschöpfungszuständen zu kämpfen haben.

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Und ob Menschen, die die Krankheit durchgemacht haben, ohne Re-Infektion bleiben, ist ungeklärt: „Es gibt noch keine wissenschaftliche Publikation zum Thema Zweitinfektion oder Kenntnisse über Patienten, die eine zweite Infektion hatten“, so der Bakteriologe. Häufiger als bei anderen Viren zeige sich, dass Covid-19-Antikörper sich im Körper wieder verringern.

Entscheidend sei ein wirksamer Impfstoff, um die Pandemie zu stoppen. Derzeit seien etwa 20 Impfstoffe in der Prüfung am Patienten. Ein Jahr, so die Einschätzung von Eiffert, wird es noch dauern, bis eine Impfung einsetzbar ist: „Ich setze auf den Impfstoff, selbst wenn der nur ein Jahr wirksam ist, sonst bekommen wir das Virus nicht in den Griff.“

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