Regionalverkehr

Für 49 Euro: Wann das Deutschlandticket endlich kommen soll

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Bund und Länder einigen sich auf Finanzierung von Deutschlandticket

Bund und Länder einigen sich auf Finanzierung von Deutschlandticket

Bund und Länder haben die letzten Hürden für die Einführung eines bundesweit gültigen Nahverkehrstickets im kommenden Jahr beiseite geräumt und sich auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. Demnach werden die Kosten zwischen Bund und Länder hälftig aufgeteilt.

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Berlin.  Beim Start des 49-Euro-Tickets geht es schleppend voran. Nun geben die Verkehrsunternehmen einen Einblick, wann es losgehen könnte.

Es ist ein zähes Ringen, dass sich Bund, Länder, Verkehrsverbünde und -unternehmen derzeit liefern. Nachdem man sich auf der Zielgeraden des vergangenen Jahres auf die Finanzierung des sogenannten Deutschlandtickets, das als 49-Euro-Variante der Nachfolger des 9-Euro-Tickets werden soll, einigen konnte, rückt das Startdatum nun in immer weitere Ferne. Erst sollte das Ticket zum Jahresstart 2023 kommen, dann stand der 1. April im Raum. Zuletzt war vom 1. Mai die Rede, ehe Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) am vergangenen Wochenende auch dieses Datum infrage gestellt hatte.

Am Willen der Verkehrsunternehmen wird die Einführung des Deutschland-Tickets zum 1. Mai aber nicht scheitern, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Dienstag verlauten ließ. Vom Erfolg ist sind die Verkehrsunternehmen demnach überzeugt. „Wir erwarten uns einen Fahrgastzuwachs um 5,6 Millionen“, sagt VDV-Präsident Ingo Wortmann. Zusammen mit den bundesweit geschätzten 14 Millionen Zeitkarten würde dann jeder Vierte in Deutschland das neue 49-Euro-Ticket nutzen.

49-Euro-Ticket: Zahlreiche Hürden stehen im Weg

Doch auf dem Weg dahin sind noch einige, teils hohe Hürden zu überwinden, wie der Verband erläutert. Vergleichsweise einfach sollte der Sprung über die des europäische Beihilferechts fallen. Die EU-Kommission muss die staatlichen Beihilfen für die Finanzierung des bundesweit geltenden Abos genehmigen. In dieser Woche soll es zwischen Kommission und Bundesregierung Gespräche geben. Ein Verbot erscheint unwahrscheinlich, da alle Unternehmen aus der EU gleichbehandelt werden.

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Solange es keine Entscheidung der Kommission gibt, geht Vorbereitungszeit verloren. Denn erst wenn die Finanzierung klar ist, kann der Bund das Gesetz über die Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr ändern und so den benötigten Ausgleich von Einnahmeausfällen für die Bus- und Bahnunternehmen verlässlich beschließen. Darauf pocht der VDV. „Wir brauchen eine verlässliche Rechtsgrundlage sonst können wir das Ticket nicht verkaufen“, betont Wortmann.

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Verkehrsunternehmen fordern Kompensation

Die Branche verlangt von Bund und Ländern auch, dass sie sich über dieses Jahr hinaus zu einer Kompensation möglicher Einnahmeausfälle durch das Deutschland-Ticket verpflichten. Zudem soll der Bund den Einheitstarif zentral genehmigen. Denn hier droht durch die föderale Struktur des Nahverkehrs eine zeitliche Verzögerung.

Die Verkehrsverbünde müssen sich den Tarif absegnen lassen. Dafür sind bundesweit hunderte Regierungspräsidien zuständig. Spielen einige davon nicht mit, wird das 49-Euro-Ticket dort nicht eingeführt. Die Gefahr eines Flickenteppichs will der VDV durch eine zentrale Genehmigung des Tarifs durch den Bund ausschließen. Beim 9-Euro-Ticket im vergangenen Sommer wurde dies auch so gehandhabt.

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VDV-Präsident: Ohne Papierticket wird es keinen Start zum 1. Mai geben

Für die Fahrgäste ist ein anderer Streitpunkt zwischen Bund und Branche wichtig. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will ein rein digitales Deutschland-Ticket. Damit würde es keine Abos in Papierform geben, die Kontrolleuren in Bussen und Bahnen vorgezeigt werden können. Doch laut Wortmann verfügen vor allem Ältere oft nicht über ein Smartphone für den digitalen Fahrschein. „Wenn wir ab 1. Mai kein Papierticket ausgeben können, könnten wir nicht allen ein Ticket verkaufen“, warnt er.

Der VDV spricht sich daher für eine Übergangsfrist bis zum Jahresende aus. Ähnlich wie bei der vorläufigen BahnCard wollen die Unternehmen zunächst ein Ticket auf Papier ausgeben, dass nach und nach durch Chipkarten ersetzt werden soll. Auch hier steht eine Einigung noch aus.

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Gegenseitige Schuldzuweisungen für verspäteten Start

Derzeit arbeiten die Verkehrsunternehmen noch an der Ausgestaltung ihrer jeweiligen Tarifstruktur. Denn je nach Region enthalten die aktuellen Zeitkarten noch Extraleistungen. Manche sind übertragbar, bei anderen darf das Fahrrad oder ein Kind kostenlos mitfahren. Das Deutschland-Ticket ist dagegen einfach gestrickt. Es gilt bundesweit nur für den Inhaber. So steht für manche Kunden bei der Einführung eine Rechenaufgabe ins Haus: Lohnt es sich mehr, ihr altes Abo mit Extraleistungen zu behalten oder ist das 49-Euro-Ticket unter dem Strich günstiger.

Die Länder weisen Wissing die Schuld für mögliche Verzögerungen zu. Darin sind sind die Verkehrsminister landauf, landab einig. Der Minister wiederum verweist auf die Zuständigkeit der Länder für den Nahverkehr. In der vergangenen Woche richtete der FDP-Politiker daher einen Appell an die Landesverkehrsminister sowie die Verkehrsverbünde und -unternehmen. „Denken sie an die Menschen, die ungeduldig auf den Start des Deutschlandtickets warten“, hatte Wissing gesagt und auf eine zügige Umsetzung des neuen Angebots gedrungen. Im Rahmen der gegenseitigen Schuldzuweisungen bleibt die Einführung des 49-Euro-Tickets oder zumindest der Starttermin so vorläufig noch offen.

Nach dem 9-Euro-Ticket kehrten viele wieder zum Auto zurück

Die Erfahrungen aus dem dreimonatigen Verkauf eines bundesweit geltenden Fahrscheins für neun Euro monatlich im vergangenen Sommer zeigte, dass der Nahverkehr durch günstige Angebote für neue Zielgruppen attraktiver geworden ist. Fast jeder dritte Neukunde ist laut VDV weiterhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Das waren immerhin 1,8 Millionen Passagiere.

Allerdings sind Autofahrer wieder zum eigenen Wagen zurückgekehrt. Für einen langfristigen Wechsel auf Busse und Bahnen müsse das Angebot verbessert werden, vor allem auf dem Land, schließt Wortmann aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres.

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