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Trotz hoher Zinsen: Wie man beim Hausbau Geld sparen kann

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Hochhaus aus Holz: Ökologisches Bauen in Schweden

Hochhaus aus Holz- Ökologisches Bauen in Schweden

Mit seinen 20 Stockwerken und einer Höhe von 75 Metern ist das Sara-Kulturhaus in Skellefteå eines der höchsten Holzhäuser der Welt. Im waldreichen Schweden findet der ökologische Baustoff immer mehr Beachtung.

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Berlin.  Der Immobilientraum droht angesichts steigender Bauzinsen und Materialpreise für viele zu platzen. Wo man beim Hausbau sparen kann.

Für viele Menschen droht in diesen Tagen und Wochen der Traum von der eigenen Immobilie zu platzen. Zunächst schossen aufgrund der durcheinandergewirbelten Lieferketten im Zuge der Corona-Pandemie die Preise für Baumaterialien in die Höhe. So kosteten im vergangenen Jahr Holz und Stahl so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1949, errechnete das Statistische Bundesamt. Dachlatten legten um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2020 zu, Betonstahl verteuerte sich um 53 Prozent. Dachziegeln wurden nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) allein in den ersten vier Monaten des Jahres um bis zu 40 Prozent teurer.

Zu den gestiegenen Materialpreisen kommt nun auch noch die teurer werdende Finanzierung hinzu. Seit Jahresbeginn haben sich die Bauzinsen verdreifacht. Muss man also seine Bauträume begraben? Nicht unbedingt, denn auch beim Hausbau lässt sich einiges an Geld sparen. Unsere Redaktion gibt Tipps.

Sparen beim Hausbau: Die Planung überdenken

„Um beim Hausbau Geld zu sparen, lohnt es sich, den Grundriss kritisch anzuschauen“, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB). „Brauche ich wirklich den Platz, den ich ursprünglich wollte? Brauche ich ein Kinder- und ein Gästezimmer oder kann ich perspektivisch das Kinder- zum Gästezimmer umbauen“, zählt Pakleppa auf. Auch könne man sich überlegen, ob das Haus wirklich einen Balkon benötige, wenn es bereits einen Garten mit Terrasse gebe.

Architekt und Diplomingenieur Christoph Schild gibt ein praktisches Beispiel: „Allein der Einbau eines Gäste-WCs mit Dusche kostet rund 15.000 Euro“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB). Er empfiehlt, vom Aufbau von Tiny Houses zu lernen – und das Augenmerk auf Multinutzung zu richten. Viel Geld lasse sich auch bei der Außenfläche sparen, wenn man den Boden beispielsweise binde anstelle ihn zu pflastern.

Spartipps beim Hausbau: Auf einen Keller verzichten

Ein großer Kostenpunkt ist der Keller. BDB-Präsident Schild hält ihn für „absolut verzichtbar“. Denn die Kosten summieren sich: Aushub, Verdichtung, das Abfahren der Erde sowie Strom- und Wasseranschlüsse und bei Bedarf Heizkörper und Fenster würden dafür sorgen, dass der Quadratmeter Keller zwischen 700 und 2000 Euro kosten könne. Bei einem mittelteuren 80-Quadratmeter-Keller würde man dann schnell bei 80.000 Euro liegen. Stauraumfläche lasse sich auch anders integrieren, etwa in einer Gartenhütte.

Auch wer einen Ort sucht, um etwa eine durchaus sperrige Holzpellet-Heizung unterzubringen, kann sich nach kostengünstigeren Alternativen, etwa einer größeren Garage, umsehen, meint Günter Neunert von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Kosten und Nutzen beim Dach kalkulieren

Beim Dach lassen sich Kosten sparen. Ein Satteldach ist beispielsweise günstiger als ein Zeltdach, ein Zeltdach wiederum günstiger als ein Pultdach. Ein weiterer Punkt: „Beim Dach lassen sich bei der Wärmedämmung Kosten sparen, wenn nicht die gesamte Dachschräge, sondern nur der begehbare Bereich gedämmt wird“, sagt Verbraucherschützer Neunert.

ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa empfiehlt, bei knappen finanziellen Mitteln den Dachausbau lieber in die Zukunft zu verschieben. Laut BDB-Chef Schild könne man sich überlegen, auf Gauben zu verzichten. Bei der Planung eines Dachs solle man zudem auf die Ausrichtung achten, um optimale Bedingungen für den Bau einer Photovoltaikanlage zu schaffen.

Hausbau: Förderung nutzen

Die Neubauförderung versank in diesem Jahr im Chaos, als zu Beginn des Jahres die Förderung von Neubauten des Effizienzhausstandards 55 abrupt gestoppt werden mussten, weil nicht mehr genug Geld zur Verfügung stand. Gefördert wird derzeit nur der Neubau der Effizienzhausklasse 40 mit Nachhaltigkeitsklasse.

Zwar arbeitet das Bundesbauministerium an einem neuen Förderprogramm, allerdings solle man sich lieber nicht darauf verlassen, dass die Förderung in absehbarer Zeit besser werde, sagt Verbraucherschützer Neunert. Immerhin habe die Regierung gerade die Förderung bei den Sanierungen gekürzt.

Gefördert wird der Neubau durch einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW. Bis zu 120.000 Euro können bei der KfW an Kredit aufgenommen werden, bis zu 6.000 Euro erhalten Hausbauer als Tilgungszuschuss. „Die KfW hat ihre Zinskonditionen jüngst um zwei Prozent reduziert. Damit ist eine Finanzierung zu ähnlichen Konditionen wie im Vorjahr möglich“, sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa.

Kostengünstiger ist im Zweifel dennoch der Bau einer geringeren Effizienzhausstufe, etwa des Effizienzhausstandards 50. Auch dieser Standard sei gut, sagt Pakleppa. Wer auf die Eigennutzung setze und nicht auf einen Wertzuwachs aus sei, der könne prüfen, ob der Effizienzhausstandard 50 ausreichend für die eigenen Bedürfnisse ausreichend ist.

Möglichkeiten der Energiegewinnung ergreifen

Solaranlagen und Wärmepumpen sind derzeit in aller Munde. „Es ist sinnvoll, das Gebäude so energieeffizient zu planen, wie es der eigene Geldbeutel zulässt. Was man schon beim Bau in die Gebäudesubstanz steckt, wird sich für das Leben des Hauses auszahlen“, sagt Verbraucherschützer Neunert.

Eine Solaranlage auf dem Dach könne sich bei den hohen Strompreisen schnell rentieren. Auch eine Indach-Photovoltaikanlage könne Kosten sparen, da dann keine zusätzlichen Dachziegeln nötig werden. „Hier sollte man sich vorher aber unbedingt beraten lassen“, sagt Neunert. Architekt und BDB-Präsident Schild rät dazu, eine Flächenheizung einzubauen. „Selbst wer aufgrund der langen Lieferzeiten von Wärmepumpen sich zunächst eine gebrauchte Gastherme als Zwischenlösung einbaut, sollte jederzeit schnell umrüsten können“, sagt er.

Spartipp: Expertenrat einholen

Kosten kann man natürlich auch sparen, wenn man viel in Eigenleistung stemmen kann oder Angebote von Handwerkern oder Baufirmen vergleicht. Aber Vorsicht: Billig ist nicht immer besser. Und Pfusch am Bau kann sehr schnell sehr teuer werden. „Beim Traum der eigenen Immobilie wird das Herz schnell warm. Da ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und mit seinem Architekten genau zu planen, was man sich leisten kann und wo man möglicherweise Sparmöglichkeiten hat“, sagt Pakleppa.

Oftmals ist es aber gar nicht so einfach, einen guten Expertenrat einzuholen. Der Begriff des Energieberaters ist beispielsweise nicht gesetzlich geschützt. Verbraucherschützer Neunert empfiehlt die durch die Deutsche Energie-Agentur (dena) betreute Webseite www.energie-effizienz-experten.de bei der Suche nach Energieberatern.

Nach Alternativen umschauen

Reihen- oder Doppelhäuser sind meist günstiger als alleinstehende Häuser. Wer neu baut, spart sich hierbei eine oder auch zwei Außenwände. Reicht das Geld nicht für den Neubau, kann man sich auch überlegen, alternativ eine Bestandsimmobilie zu erwerben. Allerdings müssen auch hier die Kosten genau kalkuliert werden. „Mit Blick auf die ausgegebenen Klimaziele spart man beim Erwerb alter Bestandsimmobilien nicht unbedingt viel Geld“, warnt BDB-Präsident Christoph Schild. „Denn der Umbau hin zu einer Fußbodenheizung, die Sanierung der Außenfassaden und des Dachs können sehr schnell sehr teuer werden.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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