Warum Elon Musk jetzt Tesla-Kunden persönlich kontaktiert

Washington  Immer Ärger bei Tesla. Jetzt gibt es auch noch Auslieferungsschwierigkeiten – Musk antwortet seinen vergrätzten Kunden persönlich.

Tesla-Chef Elon Musk entschuldigt sich bei seinen Kunden.

Tesla-Chef Elon Musk entschuldigt sich bei seinen Kunden.

Foto: JAMES GLOVER / REUTERS

Megan Gale rieb sich verwundert die Augen, als in der Nacht zum Montag ihr Handy fiepte. Elon Musk persönlich, Tausendsassa und Boss des Elektroauto-Produzenten Tesla, hatte der ehemaligen Massage-Therapeutin aus Utah auf eine Beschwerde geantwortet.

„Sorry, wir sind von der Produktionshölle in die Auslieferungslogistik-Hölle gekommen“, schrieb der 47-Jährige an die seit Wochen vergrätzt auf ihren neuen Tesla der Modellreihe 3 wartende Kundin auf Twitter, „aber dieses Problem ist viel leichter steuerbar. Wir machen rasche Fortschritte. Sollte bald gelöst sein.“

Warum liefert Tesla fertige Model-3-Wagen nicht aus?

Wann, das sagte Musk nicht. Megan Gale hatte zuvor berichtet, sie sei beim Lieferdatum vom 8. auf den 15., dann vom 20. auf den 22. September vertröstet worden. Letztendlich habe Tesla die Übergabe des Wagen „für unbestimmte Zeit“ ganz auf Eis gelegt. Ironie dabei: An den Bahngleisen der Union Pacific Railroad in Salt Lake City, so hat Gale selbst recherchiert, stünden seit Tage 42 nagelneue Tesla-Wagen bereits; darunter auch ihrer.

Was genau den Konzern davon abhält, die im kalifornischen Fremont montierten Mittelklassewagen (Preis um die 35.000 Dollar) zeitig den zum Teil seit drei Jahren wartenden Kunden zur Verfügung zu stellen, ist einstweilen unklar.

Mehr als 400.000 Reservierungen für Teslas Model 3

Musks Gleichstellung „Produktionshölle“/„Auslieferungslogistikhölle“ verheißt allerdings nach Ansicht von Experten der US-Automobilszene nichts Gutes. Der Tesla-Chef hatte den Terminus geprägt, als seine Firma am Fließband vor allem Negativ-Schlagzeilen produzierte. Die versprochene Schallmauer von 5000 schlüsselfertig gebauten Modell-3-Wagen pro Woche erreichte Tesla mit großen Bauchschmerzen erst sechs Monate später als geplant. Um den Engpass zu überwinden, rollte Musk im Werk seinen Schlafsack aus, um persönlich die Abläufe zu kontrollieren und zu beschleunigen.

Mit durchwachsenem Erfolg. Zwar wurden im zweiten Quartal 2018 laut Tesla 53.339 Autos produziert, aber nur 40.740 ausgeliefert. Bei insgesamt über 400.000 Reservierungen für den „Volks-Tesla“ sei diese Bilanz „haarsträubend“, hieß es in US-Medien.

Viele Baustellen bei Tesla

Zumal dies nicht die einzige „Baustelle“ darstellt, auf der Tesla zuletzt mehr Rück- als Fortschritt verzeichnete. Neben der schleppenden Produktion sorgte auch die finanziell vage erscheinende Zukunft des ambitionierten Autobauers für Aufregung. Erst im August sorgte Musk mit der Ankündigung für Turbulenzen, er erwäge Tesla von der Börse zu nehmen und mit Hilfe saudi-arabischer Partner in Privatbesitz zu überführen.

Wenige Tage später, inzwischen hatte die US-Börsenaufsicht wegen möglicher Marktmanipulation erste Untersuchungen angekündigt, legte Musk den Rückwärtsgang ein: Alles bleibt, wie es ist.

Was ist Tesla wert?

Aber nicht mit dem gleichen Spitzen-Personal. Nach nur einem Monat suchte Chef-Buchhalter Dave Morton bereits wieder das Weite. Auch Personalchefin Gaby Toledano will laut Wirtschafts-Agentur Bloomberg nicht mehr.

Ebenfalls nicht förderlich für das Image von Tesla bei Anlegern waren Eskapaden des für erratische Aussetzer bekannten Chefs. So zog Musk vor 14 Tagen bei einem Internet-Podcast vor laufender Kamera einen Joint durch , redetet wirres Zeug und zwang so die Tesla-Aktie in die Knie.

An der Börse hat dies abermals für Nachdenklichkeit gesorgt. Dort ist das Musk-Papier mehr wert als die Aktie des Branchenriesen General Motors. Während GM 2017 aber knapp zehn Millionen Autos verkauft und vor Steuern rund 13 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat, brachte Tesla nur 100.000 Wagen an den Mann und schloss im gleichen Zeitraum mit über zwei Milliarden Dollar Verlust ab.

Musk will davon nichts wissen

„Wie lange kann dieses Missverhältnis noch so bleiben?“, fragen Analysten und verstärken eine bereits seit Wochen diffus zu hörende Sorge: 400.000 Vorbestellungen für den Tesla 3 bedeuten: 400.000 Mal 1000 Dollar. So viel musste jeder Kunde-in-spe anzahlen. In der „New York Times“ äußerten am Montag Fachleute erhebliche Zweifel daran, ob alle Interessierten tatsächlich den Wagen haben wollen; man kann den Vorschuss auch zurückverlangen.

Musk persönlich will davon noch nichts wissen. Der Multi-Unternehmer, der parallel unter anderem die Raketenfirma SpaceX führt, will Montagabend den ersten privaten Touristen vorstellen, der für einen Millionenbetrag eine Passage für eine Mondumrundung gebucht hat. Definitives Reisedatum: noch unbekannt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder