Deutsche Bank im Stress: Schuld ist die US-Tochter

Frankfurt/Main  Deutsche Bank USA Corporation fällt als einziges Institut beim Test der amerikanischen Notenbank Fed durch: „Erheblicher Defizite“.

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images

Es läuft nicht so richtig für die Deutsche Bank. In der Nacht zu Freitag hat das größte deutsche Geldhaus wieder einen Dämpfer hinnehmen müssen: Die US-Notenbank Fed bescheinigte der amerikanischen Tochter Deutsche Bank USA im Bankenstresstest „erhebliche Schwächen“.

Das Geldhaus ist das einzige von 34 untersuchten Instituten, das den Test nicht bestanden hat. Keine gute Nachricht für Bankchef Christian Sewing, der seit April versucht, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen und das Unternehmen auf Gewinn zu trimmen.

Erst vor wenigen Tagen hat die US-Bankenaufsicht der Bank im ersten Teil des Stresstests bescheinigt, sie sei auch in einem Stressfall, also etwa bei einer Rezession, mit genügend Eigenkapital ausgestattet.

Defizite bei der Kapitalplanung

Im zweiten Teil aber zweifelt die Notenbank an, ob die Bank das überhaupt richtig einschätzen kann: Denn es gebe „erhebliche und weitreichende Defizite“ bei der Kapitalplanung. Die Fed erkennt außerdem Mängel bei den Verfahren, mit denen das Geldhaus Prognosen erstellt, etwa für den künftigen Geschäftsverlauf – kein schmeichelhaftes Urteil.

Dass die Bank sich da so schwer tut, reiche wohl bis in die Zeit vor der Finanzkrise zurück, vermutet Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research: Sie habe damals viel dazu gekauft, aber offenbar versäumt, dann auch ihre Kontrollsysteme an die Anforderungen der US-Notenbank anzupassen.

DB USA Corporation gelobt Besserung

Man sei auf dem Wege dazu, lässt sich in der Stellungnahme der Deutschen Bank lesen: Die untersuchte Geschäftseinheit „DB USA Corporation“ – die mit 133 Milliarden Dollar für etwa sieben Prozent der Bilanzsumme des gesamten Konzerns steht – habe umfangreich investiert, um ihre Kapitalplanung, ihre Kontrollen und Infrastruktur zu verbessern, und habe schon Fortschritte erzielt, heißt es da.

Und weiter: „Hierauf aufbauend wird sie ihre Anstrengungen fortsetzen und dabei weiterhin konstruktiv mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um ihren eigenen und den Erwartungen der Regulatoren gerecht werden.“

Tochter steht künftig unter US-Aufsicht

Solche Prozesse ließen sich tatsächlich nicht von heute auf morgen verbessern, sagt auch Markus Rießelmann. Allerdings war die Bank auch schon 2015 und 2016 durch den Stresstest gefallen. Die Konsequenz jedenfalls ist: Die amerikanische Tochter muss künftig die amerikanische Aufsicht fragen, ob sie Geld an die Konzernmutter in der Heimat überweisen darf.

Das ist ein Rückschlag für Deutsche-Bank-Chef Sewing. Aber er steht ohnehin vor großen Herausforderungen, um das Institut wieder in die richtige Bahn zu lenken. Er will sich künftig stärker auf Geschäfte in Deutschland und Europa konzentrieren. Inwieweit er nun das Geschäft in den USA noch weiter zurückfährt, ist noch nicht klar. Denn eine gewisse Größe muss es haben, das verlangen auch die Kunden so.

Kosten müssen runter, Profitabilität muss rauf

Vor allem müsse die Profitabilität nach den Verlusten der letzten Jahre verbessert werden, mahnt Philipp Häßler, Analyst des Bankhauses Equinet. Die Kosten müssten runter, fordert Analyst Rießelmann von Independent Research. Sewing hat bereits einen Stellenabbau angekündigt, 7000 der weltweit 97.000 Mitarbeiter müssen gehen. Das trifft vor allem das Investmentbanking in den USA und in London. Kosten dafür 2018: rund 800 Millionen Euro.

Das werde das Ergebnis beeinträchtigen, kündigte der Deutsche-Bank-Chef auf der Hauptversammlung an. Im vergangenen Jahr hatte die Bank einen Verlust von 735 Millionen Euro geschrieben, das dritte Minus in Folge. Kunden und Anleger müssen sich wahrscheinlich bis 2020 gedulden, bis sich das bessert.

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