Telekom-Mitarbeiter ergaunern 40 Millionen Payback-Punkte

Berlin  Kundenbetreuer der Deutschen Telekom haben sich mehr als 40 Millionen Payback-Punkte erschlichen. 2008 gab es einen ähnlichen Fall.

Statt sie ihren Kunden für einen Vertragsabschluss gut zu schreiben, luden Mitarbeiter der Telekom Payback-Punkte auf ihre eigenen Karten.

Statt sie ihren Kunden für einen Vertragsabschluss gut zu schreiben, luden Mitarbeiter der Telekom Payback-Punkte auf ihre eigenen Karten.

Foto: Oliver Berg / dpa

Für viele ist es an der Supermarktkasse zwischen Waren einpacken und bezahlen selbstverständlich: die Payback-Karte scannen lassen, um Punkte zu sammeln. Für Letztere gibt es Prämien, zusätzlich bietet Payback Rabatte bei vielen Firmen. Das freut viele Deutsche – 28 Millionen inzwischen. Und einige nutzen das System, um sich zu bereichern – mit reichlich krimineller Energie, wie jetzt die Deutsche Telekom erfahren musste.

Bei Payback können Kunden nicht nur mit dem normalen Einkauf Punkte sammeln, sondern auch mit bestimmten Gutscheinen, die das Unternehmen im Auftrag der angeschlossenen Partner versendet. Bei der Telekom zum Beispiel gab es etwa für den Abschluss eines Vertrages bei Vorlage des Gutscheins Punkte extra. Die Unternehmen versprechen sich davon mehr Kundenbindung und vor allem, dass der eine oder andere wegen der Gutscheine den Weg ins Geschäft findet – zum Beispiel zur Telekom.

„Das System lädt dazu ein. Ich habe mich einladen lassen“

Nun hat nicht jeder, der einen Vertrag bei der Telekom abschließt, einen Coupon von Payback dabei. Das nutzten die Telekom-Mitarbeiter für ihren Betrug aus, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Der Kunde bekam seinen Vertrag, in das entsprechende Feld für die Gutscheinnummer, die identisch ist mit der Kartennummer, trugen die Mitarbeiter einfach ihre Payback-Kartennummer ein. Die Punkte wurden dann nicht dem Kunden, sondern ihnen gutgeschrieben. Über den Fall hatte zuerst die „Bild“ berichtet.

Sebastian R. ist einer der Telekom-Mitarbeiter. „Das System lädt dazu ein“, sagt er. Und er habe sich einladen lassen. Ein Grund für die große Verbreitung von Payback-Karten ist die einfache Anmeldung, die auch mit Fantasienamen möglich ist. Kontrolliert wird nicht. R. legte also mehrere Karten unter erfundenen Namen und mit eigens angemeldeten E-Mail-Adressen an. Punkte mitnehmen, dann das Payback-Konto wieder auflösen und den Gegenwert aufs eigene Konto überweisen lassen. Einfach. Das Vorgehen sei weitverbreitet gewesen, sagt R.

Automatische Kontrolle griff offenbar nicht

In manchen Telekom-Läden waren die Kollegen offenbar sogar angehalten, wie beschrieben zu verfahren, sagt der Telekom-Sprecher. 2014 und 2015 sicherten sich Kundenbetreuer mit ihrer Masche insgesamt 40 Millionen Punkte, die sie sich auszahlen ließen oder in Prämien umwandelten – ein Schaden von 400.000 Euro.

Die automatische Kontrolle bei Payback hat die Betrügereien jedenfalls nicht entdeckt. Dabei versichert das Unternehmen aus München, dass das System außerordentliche Punktebewegungen erkennt, sobald mehrere gleiche Coupons auf ein Punktekonto gebucht werden. Missbrauch könnten die Partner bei ihren Mitarbeitern natürlich nie ausschließen, heißt es bei Payback.

Praktisch täglich neue Blanko-Karten vom Drogeriemarkt

Aufgedeckt wurde der Betrug, weil die Mitarbeiterin eines Drogeriemarktes sich wunderte, dass eine Kollegin vom nahen Telekom-Laden praktisch täglich neue Blankokarten holte. Die Drogeriemitarbeiterin wandte sich an Payback. Die Telekom schaltete dann die Staatsanwaltschaft ein. Insgesamt rund 120 Mitarbeiter haben betrogen, verteilt über ganz Deutschland und weitgehend unabhängig voneinander.

Die Telekom hat ihnen fristlos gekündigt, wie der Sprecher sagte. Von einigen fordert das Unternehmen Schadenersatz. Auch R. arbeitet nicht mehr für die Telekom. Er hält die Zahlen allerdings für zu gering. „Da muss es eine hohe Dunkelziffer geben. Das war weitverbreitet.“ Die Coupons für die Telekom tragen inzwischen eine Seriennummer, für jede Payback-Karte kann nur noch einer eingelöst werden. Auch sonst soll genauer hingesehen werden.

2008 gab es einen Betrugsfall bei Real

Payback und Telekom weisen darauf hin, dass kein Kunde geschädigt wurde: Wer einen Coupon vorgelegt habe, habe auch seine Punkte bekommen, sagt der Telekom-Sprecher. Es ist nicht der erste Betrugsfall bei Payback. 2008 hatten Mitarbeiter der Supermarktkette Real eigene Payback-Karten genutzt, um die Punkte für Einkäufe der Kunden einzustreichen. Über die Schadenshöhe ist nichts bekannt.

Payback mit Sitz in München wurde 2000 gegründet. Das Unternehmen gehört über Loyalty Partner zur American-Express-Gruppe aus New York. Loyalty Partner betreut über andere Tochterfirmen auch die Bonusprogramme der Deutschen Bahn (Bahnbonus) und der Lufthansa (Miles & More).

Größter Payback-Konkurrent ist Deutschlandcard

Die Deutsche Telekom ist einer der großen Partner von Payback. Ebenfalls dabei sind zum Beispiel die Tankstellenkette Aral, die Warenhäuser von Kaufhof, die Rewe-Supermärkte und Onlinehändler – insgesamt mehr als 650 Partner. Im vergangenen Jahr sammelten die Payback-Kunden Punkte im Wert von rund 338 Millionen Euro, wie eine Sprecherin sagt. 95 Prozent davon wurden wieder eingelöst, etwa als Sachprämie, zum Beispiel Zeitschriftenabos, Küchengeräte oder Koffer.

Größter Konkurrent ist seit 2008 die Deutschlandcard mit Sitz in München. Sie gehört zum Medienhaus Bertelsmann. Mehr als 20 Millionen Deutsche besitzen eine entsprechende Karte. Partner sind unter anderem die Lebensmittelkette Edeka mit Marktkauf und Netto, die Tankstellen von Esso sowie mehr als 350 Onlinegeschäfte. Zahlreiche Firmen versuchen, eigene Kundenkarten zu etablieren, etwa die Baumärkte der Tengelmann-Tochter Obi.