Coronavirus: So gut schützen Masken und Mundschutz wirklich

Berlin.  Seit Mittwoch sind Mundschutze in ganz Deutschland im Nahverkehr und beim Einkaufen Pflicht. Wie gut schützen die Masken vor Corona?

So nähen Sie sich selbst einen Mundschutz

Wegen der Coronakrise bekommt man kaum noch Mundschutz-Masken zu kaufen. Doch mit dieser Anleitung können Sie selbst einen nähen, mit dem Sie Ihre Umgebung schützen können.

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  • Seit Mittwoch, 29. April, gilt in ganz Deutschland eine Maskenpflicht beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen
  • Als letztes Bundesland traten die Regelungen zum Tragen von Mund- und Nasenschutz in Schleswig-Holstein in Kraft
  • Bei der Maskenpflicht beim Einkaufen zog Berlin erst am Mittwoch nach
  • Das Verwaltungsgericht in Mainz hat entschieden, dass in Rheinland-Pfalz die Maskenpflicht beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr rechtmäßig ist (Stand 29. April)
  • Auch das Verwaltungsgericht in Hamburg lehnte am Dienstag einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht ab
  • Viele Menschen nutzen selbstgenähte Masken aus Stoff oder einfache Schals und Tücher, um sich vor dem Coronavirus zu schützen
  • In Jena scheint sich die Mundschutzpflicht bewährt zu haben – dort gibt es seit Wochen keine Neuinfektionen mehr. Jedoch hat eine Schule einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht an Schulen beim Verwaltungsgericht in Gera gestellt (Stand 29. April)
  • Wir erklären, warum viele Masken keinen richtigen Schutz vor dem Coronavirus bieten und worauf es bei der Wahl der richtigen Maske ankommt

Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weltweit immer weiter aus. Auch in Deutschland steigt die Reproduktionszahl weiter an und liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) momentan bei 0,9 (Stand 28. April). Das bedeutet, dass im Mittel zehn infizierte Personen neun weitere anstecken.

Um die Reproduktionszahl weiter zu senken, gilt seit Mittwoch in ganz Deutschland eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen. Denn nach Angaben des RKI kann eine Maske das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern. Auch andere Wissenschaftler kommen zu der Einschätzung. Doch helfen die einfachen Schutzmasken überhaupt? Wir klären die wichtigsten Fragen.

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Mundschutz gegen Coronavirus – hilft das wirklich?

Nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte eine Maske das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern. Eine Maske zu tragen könne auch für Menschen ohne Symptome sinnvoll sein. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht, teilte die Behörde in einer Einschätzung mit. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Die Akademie der Wissenschaft Leopoldina veröffentlichte eine Stellungnahme zur Wirksamkeit von Schutzmasken und spricht sich klar für das Tragen dieser aus. „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen.“ Ein Mund-Nasen-Schutz diene eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz. Lesen Sie hier: Virologe fordert Mundschutz für alle Deutschen.

Regeln zum Husten und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten auch mit Masken weiterhin eingehalten werden, so das RKI. dm warnt vor Masken aus Staubsaugerbeuteln.

Das RKI fügte hinzu, es gebe keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske einen selbst vor einer Ansteckung schützt.

Kaum Neuinfektionen in Jena – wegen strenger Maskenpflicht?

Allerdings könnte die nun geltende Maskenpflicht womöglich doch vor Neuinfektionen schützen – zumindest lässt das der Fall Jena vermuten. Die Stadt hatte als erste Großstadt in Deutschland bereits am 6. April eine Maskenpflicht eingeführt. In Jena gab es in den vergangen Wochen kaum Neuinfektionen mehr.

Neben der Maskenpflicht hatte Jena bereits früh strenge Maßnahmen gegen das Coronavirus eingeführt. Neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unter anderem in Geschäften, Bussen und Straßenbahnen wurde auch das Betreten öffentliche Straßen und Plätze verboten und eine sehr restriktive Quarantäneregelung für Reiserückkehrer eingeführt. Diese Maskenpflicht-Regeln gelten für Kinder.

Die frühzeitig eingeführte Praxis in Jena, auch Rückkehrer aus vom Robert-Koch-Institut nicht als Risikogebiet eingestuften Ländern in Quarantäne zu schicken, habe sich als effektiv erwiesen. „Da gab es Fälle, die hätten anderswo zu Ansteckungen geführt“, sagte der Sprecher der Stadt. Lesen Sie auch: Diese Maskenpflicht-Regeln gibt es in Deutschland

Maskenpflicht: „Jeder Arbeitnehmer sollte die Chance haben, eine Maske zu tragen

Alle Bundesländer haben eine Maskenpflicht eingeführt. Das Tragen von Alltagsmasken ist deutschlandweit im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften, teils auch auf Wochenmärkten verpflichtend. In anderen Ländern, zum Beispiel in Tschechien, darf man mittlerweile nur noch mit Mundschutz auf die Straße gehen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte Atemschutzmasken für alle Arbeitnehmer gefordert. „Jeder Arbeitnehmer sollte, wenn er das möchte, die Chance haben, eine solche Maske zu tragen“, sagte Altmaier bei „Bild Live“. Deutschland müsse sich darauf einstellen, „dass wir sehr viel mehr Masken brauchen werden – nämlich nicht nur die medizinischen Masken für die Ärzte, für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern, in den Altenheimen, in den Pflegeheimen, sondern eben auch im Alltag, in den Betrieben, in den Werkstätten.“

Altmaier sagte zur Begründung: „In Südkorea hat man sehr früh auf das Tragen von Masken gesetzt. Und es hat offenbar funktioniert.“ Wenn man das Beispiel Südkorea auf Deutschland umlege, „dann würden wir etwa für zwei Monate anderthalb Milliarden Masken benötigen“. Das sei zwar „sehr, sehr viel“, doch „ein Land wie Deutschland kann das stemmen“.

• Anleitung So kann man sich in Zeiten des Coronavirus Mundschutz und Atemmasken selbst nähen

Coronavirus: RKI warnt vor zu großem Sicherheitsgefühl bei Maskenträgern

Bereits zuvor hatte das RKI davor gewarnt, dass das Tragen einer Maske auch einen gegenteiligen Effekt haben könnte. „Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnahmen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können“, heißt es auf der Website des RKI.

Ähnlich sieht es Marylyn Addo, Professorin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): „Wenn die Masken nicht richtig angewendet werden, können sie mehr schaden als helfen.“ Denn die Menschen würden sich dann in falscher Sicherheit wiegen und zum Beispiel trotz Sorge um das Coronavirus die Handhygiene vernachlässigen. Anders verhält es sich in den Ausbruchsgebieten, dort sollte man eine Mund-Nase-Schutzmaske im öffentlichen Raum tragen.

Die wichtigste und effektivste Maßnahme seien stattdessen eine gute Händehygiene, korrekte Husten- und Niesetikette und das Einhalten eines Mindestabstands von einem bis zwei Metern von krankheitsverdächtigen Personen.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hieß es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Menschen, die sich möglicherweise angesteckt haben – damit sie das Virus nicht verbreiten. Lesen Sie auch:

Das sagt Coronavirus-Experte Christian Drosten zu Mundschutz und Atemmasken

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der aktuellen Pandemie, hält das Tragen der Masken zumindest nicht für völlig abwegig, sagte er im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Wenn jemand beim Tragen eines solchen Mundschutzes ein gutes Gefühl habe, könne man das ruhig machen, so Drosten.

Schon einfache medizinische Masken reduzierten die Verbreitung von Corona- und Influenzaviren, wie Drosten auf Twitter erklärte.

Er räumte jedoch mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Man denkt immer, man schützt sich selbst mit der Maske, in Wirklichkeit schützt man aber andere.“ Bei feuchter Aussprache etwa könne auch ein einfacher Mundschutz grobe Tröpfchen des Mundschutz-Trägers abhalten. Das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols, das gerade in der Luft stehe, werde aber wahrscheinlich nicht dadurch abgehalten.

Müsste aus gesellschaftlichem Druck heraus jeder eine Maske tragen, dann fange die Maßnahme an, sehr viel Sinn zu machen: Dann sei zu erwarten, dass eine Infektionsausbreitung, allerdings nur im Nahbereich, etwas verringert werde, so Drosten.

Diese Virologen haben das Regiment übernommen
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Drosten bekräftigte, dass es keine wissenschaftlichen Daten für die Wirkung einfacher chirurgischer Masken und sogenannter FFP2-Schutzmasken gebe. „Wogegen die normalen Masken schützen, ist vielleicht der häufige Griff an Mund und Nase – also die Schmierinfektion“, so Drosten.

Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien für sogenannte FFP3-Masken einen schützenden Effekt nahelegen wollen, sagt Drosten. „Das waren aber keine normalen Masken, wie man sie in Asien auf der Straße sieht oder bei uns im OP, sondern spezielle Feinpartikelmasken.“ FFP3-Masken schlössen ganz dicht am Gesicht ab und hätten belegbar einen Infektionsschutz für solche Arten von Viren.

Erhöhte Nachfrage nach Mundschutz führt zu Abzocke

Die EU-Kommission hatte zu Beginn der Epidemie in Europa vor Geschäftemachern gewarnt, die überteuerte Mittel gegen das Coronavirus verkaufen. Händler insbesondere auf Online-Plattformen spielten „mit den Ängsten der Verbraucher, die durch den Ausbruch von Covid-19 in der EU ausgelöst wurden“, erklärte Justizkommissar Didier Reynders.

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Atemmasken und Mundschutz: Abzocke auf Amazon und Ebay

Ebay zog daraus Konsequenzen und verbot den Verkauf von Atemschutzmasken, Hand-Desinfizierern und anderen antibakteriellen Reinigungsprodukten auf seiner US-Website. Das Unternehmen begründete den Schritt mit rechtlichen Bedenken und unfairen Preisen in Verbindung mit dem Coronavirus. Das Unternehmen werde alle Angebote außer Bücher, deren Produktbeschreibung in Zusammenhang mit dem Virus steht, im Blick behalten und schnell entfernen.

Auch Amazon war bereits dagegen vorgegangen, dass Verkäufer aus der Angst vor einer Ausbreitung des Virus Profit schlagen. Der Online-Händler ging gegen Anbieter vor, die mit Wucher-Preisen auf die Handelsplattform Amazon-Marketplace drängten. Didier Reynders begrüßte die Reaktionen der Online-Plattformen. Wo Sie sich Mundschutz kaufen können.

Atemschutzmasken in drei Kategorien unterteilt

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat ein umfassendes Papier zum Thema Atemschutzmasken erarbeitet.

In diesem werden auch die verschiedenen FFP-Klassen erklärt, es gibt insgesamt drei – alle sind zumindest wirksamer als die handelsüblichen Standard-Mundschutzmasken. Je höher die Klasse, umso höher die Schutzwirkung. Klassifiziert wird nach der Leckage, also der Durchlässigkeit. Bei FFP1 darf diese maximal 22 Prozent betragen, bei FFP3 nur noch zwei Prozent.

Die Hersteller müssen dabei eine DIN-Norm erfüllen. „FFP-Masken sind Einmalartikel und müssen aus hygienischen Gründen nach der Benutzung korrekt entsorgt werden“, heißt es in dem Merkblatt des Landesamtes.

Das Wichtigste zu Atemschutzmasken in Kürze:

  • Einfache Masken können zumindest gegen Schmierinfektion helfen
  • Empfohlen werden die Masken für Menschen, die sich bereits angesteckt haben
  • Spezielle Feinpartikelmasken bieten einen höheren Schutz, sind aber unbequem und vor allem für medizinisches Personal gedacht

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(bef/dpa/bekö/msb)

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