Parlament

SPD: Diese zwei Frauen sollen an die Spitze des Bundestags

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Ein Teil der Bundestagsfraktion der SPD. Rechts neben Kanzlerkandidat Olaf Scholz (Mitte) in der vordersten Reihe steht die nominierte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.

Ein Teil der Bundestagsfraktion der SPD. Rechts neben Kanzlerkandidat Olaf Scholz (Mitte) in der vordersten Reihe steht die nominierte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin/Duisburg.  Die SPD hat die Duisburgerin Bärbel Bas für das zweithöchste Amt im Staat vorgeschlagen. Aydan Özoguz aus Hamburg soll Vize werden.

Deutschland soll zum dritten Mal eine Bundestagspräsidentin bekommen: Der geschäftsführende Vorstand der SPD-Fraktion empfiehlt die Abgeordnete Bärbel Bas für das Amt, wie ein Fraktionssprecher am Mittwoch sagte. Die frühere Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz soll demnach für das Amt der Bundestagsvizepräsidentin kandidieren.

Der geschäftsführende Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten billigte die Personalvorschläge von Fraktionschef Rolf Mützenich dem Sprecher zufolge einstimmig. Gewählt wird das neue Bundestagspräsidium in der konstituierenden Sitzung des Parlaments am kommenden Dienstag.

Bärbel Bäs: Eine klassische Bildungsaufsteigerin

Die Nominierung von Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin ist für viele Beobachter der Bundespolitik keine große Überraschung. Die 53-jährige Duisburgerin ist eine klassische Bildungsaufsteigerin. Bas ist mit fünf Geschwistern in Duisburg aufgewachsen. Nach dem Hauptschulabschluss lernte sie Schweißen und Feilen auf einer Berufsfachschule, dann wurde sie Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG).

In der DVG-Krankenkasse absolvierte sie eine weitere Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten. Danach machte sie Fortbildungen zur Krankenkassen-Betriebswirtin und zur Personalmanagement-Ökonomin. Schließlich leitete sie den Personalservice der Betriebskrankenkasse. 2009 wurde Bas in den Bundestag gewählt – per Direktmandat.

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So machte Bas in der SPD Karriere

Gleichermaßen beharrlich verlief ihr Aufstieg in der SPD. 1998 trat sie in die Partei ein. Von 2009 bis 2018 war sie Mitglied im Sprecherkreis der Ruhr-SPD, seit 2010 auch Vorsitzende des Landesparteirats. Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion wurde sie 2013, Fraktionsvize ist Bas seit September 2019. Im Bundestag vertrat sie die SPD zuletzt im Gesundheits-, Petitions- und Vermittlungsausschuss.

Dass Bas ihr Direktmandat im Duisburger Stadtsüden viermal souverän mit deutlich mehr Erststimmen holte, als die SPD-Zweitstimmen bekam, belegt die Beliebtheit und den Respekt, den sie bei den Bürgern genießt. Bas ist den Menschen präsent, sie gilt als nahbar und uneitel – Qualitäten, die Wähler und auch politische Mitbewerber honorieren.

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Nächtelang in Abstimmungsrunden über Gesetzestexte

Bas ist bundesweit vielleicht nicht unbedingt bekannt. Bemerkbar machte sie sich vor allem in der parlamentarischen Arbeit. Allein 15-mal trat sie zu Corona-Themen ans Rednerpult des Bundestags. Als SPD-Gesundheitsfachfrau stand sie aber stets im Schatten ihres Parteifreundes Karl Lauterbach. Auf ihn richteten sich Scheinwerfer und Kameras, der Professor saß in TV-Talkrunden, während sich Bas die Nächte in Abstimmungsrunden über Gesetzestexte um die Ohren schlug.

Es passt zu Bas’ Naturell, dass sie diese Aufgabenteilung ohne Groll und Neid akzeptiert. „Diese Medienpräsenz würde ich bei meiner Arbeit gar nicht schaffen“, sagte sie unlängst unserer Redaktion. Es gebe keine Konkurrenz zu Lauterbach: „Im Gegenteil. Manchmal bin ich ihm sogar dankbar.“

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Anerkennung für harte politische Arbeit

So mag die Nominierung für das Spitzenamt auch eine Anerkennung für ihre harte politische Arbeit in der Pandemie sein. Für die Sozialdemokratin war das in den vergangenen zwölf Monaten keine Selbstverständlichkeit.

Im September 2020 musste Bas den plötzlichen Tod ihres Ehemannes Siegfried Ambrosius verkraften. Nur ein, zwei Sitzungswochen verpasste sie entschuldigt, dann verdrängte sie ihre Trauer durch Arbeit. „Berlin ist eine andere Welt“, sagte sie kurz vor der Wahl, „mir hat die Ablenkung geholfen.“

Özoguz: Ehemalige Beauftragte für Migration

Mit ihrer wohl künftigen Stellvertreterin Aydan Özoguz verbindet Bas, dass beide seit 2009 einen Sitz im Bundestag haben. Die 54-jährige Hamburgerin Özoguz war von 2013 bis 2018 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Sie gehört zudem dem SPD-Präsidium an. Von 2011 bis 2017 war sie Parteivize.

Das Amt des Bundestagspräsidenten oder der Bundestagspräsidentin wird traditionell von der stärksten Fraktion besetzt. Nach der Bundestagswahl ist dies die SPD. Insbesondere sozialdemokratische Frauen, aber auch der Deutsche Frauenrat und die Soziologin Jutta Allmendinger hatten zuletzt gefordert, das Amt weiblich zu besetzen.

Im Gespräch war zuvor auch Fraktionschef Mützenich gewesen. Bisher waren zwei Frauen Bundestagspräsidentinnen: die Sozialdemokratin Annemarie Renger (1972–1976) und die CDU-Politikerin Rita Süssmuth (1988–1998).

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