USA

Trumps Nichte packt wieder aus: „Mein Onkel hat keine Seele“

| Lesedauer: 4 Minuten
Schlappe für Trump: US-Kongress darf Steuer-Unterlagen einsehen

Schlappe für Trump: US-Kongress darf Steuer-Unterlagen einsehen

Hat sich Donald Trump durch seine wirtschaftlichen Verwicklungen in seiner Politik beeinflussen lassen? Aufschluss darüber könnten die Steuererklärungen des früheren US-Präsidenten geben. Der US-Kongress darf die Unterlagen nach einer Entscheidung der US-Regierung nun einsehen. of US President Donald Trump talking about his tax returns

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Washington.  Die Nichte von Ex-Präsident Donald Trump erhebt in ihrem neuen Buch schwere Vorwürfe gegen ihren Onkel. Und hat eine düstere Vermutung.

Mary L. Trump sitzt an diesem August-Morgen vor einer kleinen Küchenzeile in ihrer Wohnung in New York am Computer, als ihr Papagei sie unter dem Tisch ins Bein zwickt. Die Katze ist auch kurz im Bild. Pause.

Dann ist die promovierte Psychologin, die vor einem Jahr mit ihrem Erstlingsbuch Millionen Lesern erklärt hat, warum ihr Onkel, Donald Trump (75), der „gefährlichste Mann der Welt“ ist, zum Gespräch mit unserer Redaktion via Skype bereit. Am heutigen Montag erscheint im Heyne-Verlag der Nachfolger: „Das amerikanische Trauma: Die gespaltene Nation – und wie sie Heilung finden kann“.

USA: Nichte vermutet, dass Trump wieder antreten will

Vorab: Das mit der Heilung wird schwierig. Amerika hat ungeklärte Altlasten – von der Vertreibung der Indianer bis zur Sünde der Sklaverei –, und die 56-jährige Tochter des früh gestorbenen Trump-Bruders Fred jr. juckt etwas in der Nase: „Donald wird 2024 wohl wieder antreten.“ Nach dem Wahlsieg Joe Bidens habe sie gedacht, dieses Kapitel sei vorbei.

Aber wegen der „Komplizenschaft“ der Republikaner, die Trumps „Lüge vom Wahlbetrug“ nach Kräften unterstützten, sei sie sich nicht mehr sicher. „Seit die Republikaner in den Bundesstaaten überall Gesetze verabschieden, die Wählerstimmen unterdrücken und eine Mehrheitsentscheidung unterlaufen sollen, weiß er, dass er die Partei in der Tasche hat.“

Wenn die Wahlrechtsverschärfungen gerichtlich Bestand haben, könne es sein, dass die Demokraten Staaten wie Georgia, Arizona und Pennsylvania nicht mehr gewinnen können. „Und wenn wir da nicht gewinnen“, sagt Mary L. Trump, die Demokratin, „gewinnen wir auch das Weiße Haus nicht mehr.“ Nur dort sei ihr Onkel vor Strafverfolgung geschützt. Aber war da nicht was?

Trumps Nichte bezeichnet Ex-Präsident als „Faschisten“

Die laufenden Straf- und Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft in New York machen ihr keinen Mut, dass Justitia noch dazwischen grätscht. „Was da läuft, ist fester Bestandteil seines Lebens. Und er ist bisher immer davongekommen. Warum sollte es diesmal anders sein?“ Sie hat grundsätzliche Zweifel, ob Amerika „den Mumm hat“, einen Ex-Präsidenten ins Gefängnis zu stecken.

Amerika, schreibt sie in ihrem Buch, „wurde auf Grund gebaut, der seinen rechtmäßigen Besitzern, den indigenen Völkern, geraubt wurde. Dieses Land wurde auf den Rücken und mit dem Blut von Millionen schwarzer Männer und Frauen aufgebaut, denen Wohlstand, Gesundheit und Chancengleichheit auch heute noch verwehrt werden.“

Mary L. Trump hält ihren Onkel und die ihm ergebenen Republikaner für „Faschisten“. „Sie predigen die Vorherrschaft der Weißen. Sie wollen unsere Institutionen schleifen, um zu jedem Preis an der Macht zu bleiben. Sie haben wichtige Medien an ihrer Seite, die ihre Propaganda verbreiten.“

Republikaner wollen Demokratie beseitigen, glaubt Mary L. Trump

Mary L. Trump ist skeptisch, ob ein großer Teil der Menschen, die Donald Trump 2020 gewählt haben, von den Demokraten zurückgewonnen werden kann. Obwohl Donald Trump vier Jahre Inkompetenz, Grausamkeit, Kriminalität, Heimtücke, verfassungswidriges Verhalten und Verrat an den Tag gelegt habe, „waren zu viele Menschen empfänglich für seine Fähigkeit, in ihrem Namen gekränkt zu erscheinen“. Dabei sei ihr Onkel jemand, „der da, wo seine Seele sitzen sollte, eine klaffende Wunde hat“.

Die Psychologin ist trotz Bidens Wahlsieg in großer Sorge um den „Traumapatienten“ USA. Denn eine „große Volkspartei“ (die Republikaner) wolle die Demokratie „aus dem Weg räumen, um sich angesichts einer sich verändernden Wählerschaft, deren Interessen diese Partei nur gelegentlich vertritt, die Macht zu sichern“.

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