„Tagesschau“-Kommentar in der Kritik: Zum Fremdschämen

Berlin.  Ein „Tagesschau“-Kommentar zum Auschwitz-Gedenktag in Jerusalem ging absolut daneben. Die Auslassungen sind beschämend und unwürdig.

Steinmeier in Yad Vashem: Das Böse zeigt sich heute in neuem Gewand

In einer historischen Rede in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Deutschen an ihre Verantwortung zum Eintreten gegen Antisemitismus erinnert und vor einem Rückfall in autoritäre Denkmuster gewarnt.

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Politische Kommentare müssen nie gefallen. Sie sollen Denkanstöße geben, man muss sich an ihnen als Zuschauer, Zuhörer oder Leser reiben können. Was die ARD aber nach den Gedenkfeiern in Jerusalem auf dem„Tagesschau“-Portal ablieferte, war schlicht zum Fremdschämen.

Israel und Russland hätten den Gedenktag zur Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz „gekapert“ und vor der offiziellen Veranstaltung eine „erinnerungspolitische Privatparty“ gefeiert. Wie geschichtsvergessen darf man bitte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein?

Wie kann Israel einen Tag „kapern“, an dem sechs Millionen ermordeter Juden gedacht wird? Was soll das für eine „Privatparty“ gewesen sein? Netanjahu und Putin hatten vor der Veranstaltung in Yad Vashem in einer eigenen Feierstunde an die Toten von Leningrad gedacht und die dafür vorgesehene Zeit etwas überzogen.

Tagesschau-Kommentar zur Befreiung von Auschwitz – eine Erinnerung

Zur Erinnerung für die ARD-Kommentatorin: Deutsche Soldaten hatten die russische Stadt im Zweiten Weltkrieg eingekesselt. Ihre gesamte Bevölkerung sollte auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers vernichtet werden.

Rund 800 000 Männer, Frauen und Kinder starben einen grausamen Hungertod. Unter den Toten war auch der Bruder des russischen Präsidenten. Er wurde drei Jahre alt und liegt in einem Massengrab.

„Unwürdig“ – wie es in der ARD hieß – war das Verhalten Putins und Netanjahus in Jerusalem sicher nicht. Unwürdig war dieser Kommentar.

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