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„One Love“-Eklat in Katar: Rewe zieht Konsequenzen

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„One-Love“-Eklat: Deutschland läuft ohne eigene Binde auf

„One-Love“-Eklat: Deutschland läuft ohne eigene Binde auf

Deutschland und weitere europäische Nationen beugen sich dem Druck der Fifa. Die „One-Love“-Binde wird bei der WM nicht getragen.

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Köln/Doha  Nach dem „One Love“-Eklat bei der Fußball-WM in Katar zieht der Einzelhändler Rewe nun Konsequenzen. Und das hat Folgen für den DFB.

Nach der Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in Katar auf die One Love-Kapitänsbinde zu verzichten, zieht nun ein erster Werbepartner des DFB drastische Konsequenzen. Der Kölner Handelsriese Rewe beendet wegen der Fifa-Entscheidung zur „One-Love“-Armbinde ab sofort die Kooperation mit dem DFB. Man werde auf seine Werberechte aus dem bestehenden Vertrag mit dem DFB insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft verzichten, sagte Konzernchef Lionel Souque am Dienstag. Dies sei dem Verband bereits mitgeteilt worden.

Fifa drohte europäischen Verbänden mit massiven Strafen

Am Montag hatte die Fifa den europäischen Verbänden mit massiven sportlichen Sanktionen gedroht, sollten ihre Nationalteams die Armbinde als Zeichen gegen Diskriminierung tragen. Nach Angaben von DFB-Mediendirektor Steffen Simon soll Fifa-Chef Gianni Infantino dem englischen Team am Montag Sanktionen angedroht haben, sollte Kapitän Harry Kane mit der „One Love“-Binde auflaufen. Dieser verzichtete darauf und trug stattdessen eine von der Fifa vorgeschlagene Ersatzbinde. Die anderen europäischen Verbände erklärten daraufhin ebenfalls, auf die "One Love"-Binde verzichten zu wollen.

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Rewe ist nun der erste Konzern, der aus dem Einknicken des DFB drastische Konsequenzen zieht. „Wir stehen ein für Diversität - und auch Fußball ist Diversität“, sagte Konzernchef Lionel Souque. „Die skandalöse Haltung der Fifa ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel.“ Rewe werde auf alle Werberechte aus dem bestehenden Vertrag mit dem DFB insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft verzichten, erklärte Souque weiter.

Deutsche Telekom und Adidas mit mutlosen Erklärungen

Andere Sponsoren des DFB agieren derweil zurückhaltend. „Wir halten nichts von überstürzten Entschlüssen und müssen zunächst die Hintergründe der Entscheidung des DFB verstehen. Deshalb werden wir zeitnah mit dem DFB über die gesamte Thematik sprechen“, sagte etwa ein Sprecher der Deutschen Telekom. Der DFB- und Fifa-Partner Adidas scheut ebenfalls klare Worte und begnügt sich mit einem halbherzigen Aufruf zu mehr Toleranz. "Wir sind davon überzeugt, dass Sport offen für alle sein muss“, sagte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen dem Sportinformationsdienst (sid) mit: „Wir unterstützen unsere Spieler*innen und Teams, wenn sie sich für positiven Wandel einsetzen. Sport bietet wichtigen Themen eine Bühne. Es ist unerlässlich, die Diskussion fortzuführen."

„One Love“-Entscheidung: Fans und Medien empört

Die Rewe-Entscheidung stellt für den DFB einen erheblichen Imageschaden dar. Der Handelskonzern will sogar sein WM-Sammelalbum ab sofort gratis abgeben. Die Kosten dafür trage das Unternehmen, kündigte der Handelsriese an. Die bisherigen Erträge des Albums werde Rewe nach Ablauf der Promotion vollständig spenden. Rewe hatte bereits im Oktober dem DFB mitgeteilt, den langjährigen Partnerschaftsvertrag nicht weiterzuführen - damals noch ohne inhaltliche Verbindung zur Weltmeisterschaft.

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Der DFB hatte sich nach dem Verzicht auf die „One Love“-Binde bemüht, sich für die Entscheidung zu rechtfertigen. „Wir haben die Binde verloren, aber nicht unsere Werte“, sagte Mediendirektor Simon am Montag. Bei Fan-Vertretern, den Medien und großen Teilen der Öffentlichkeit hat das Einknicken des DFB vor der Fifa allerdings eine Welle der Empörung ausgelöst. "Ich glaube, die DFB-Spitze begreift noch gar nicht, was der Rückzieher bedeutet", sagte etwa Fan-Vertreter Dario Minden dem Hessischen Rundfunk. (tok/dpa/afp)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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