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Expertin: Hitzewelle nicht der Grund für Ostsee-Quallenblüte

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Schmerzhafte Quallenplage am Mittelmeer

Schmerzhafte Quallenplage am Mittelmeer

Sie können einen Urlaubstag am Meer so richtig verderben: Am Mittelmeer quälen immer häufiger etwa lilafarbene Feuerquallen die Badegäste. Die Berührung ihrer Tentakel ist sehr schmerzhaft.

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Berlin  In den Meeren der beliebtesten Reiseziele der Deutschen tummeln sich zahllose Quallen. Das Massenphänomen ist nicht Hitze-bedingt.

Quallen breiten sich immer mehr aus in den Weltmeeren. Vor allem da, wo die Deutschen im Sommer gern am Strand ausspannen, vermehren sich die Quallenblüten. Vor Triest beherrscht die Lungenqualle die Adria, um Mallorca herum treibt die gefährliche Portugiesische Galeere ihr Unwesen und in der Ostsee verstopfen Tausende von Ohren-Quallen die Küsten. Die Quallen profitieren unter anderem vom Klimawandel. Für das derzeitige Massenphänomen ist die Hitzewelle aber nicht verantwortlich, die eine Expertin erklärte.

Jamileh Javidpour, Professorin der Syddansk Universität (Dänemark) stellte klar, dass die aktuelle Hochsommer-Phase nichts mit den Quallenblüten in der Ostsee zu tun hat. "Aufgrund eines milden Winters in diesem Jahr hatten wir für den Sommer mit einer höheren Quallenproduktion gerechnet", erklärte Javidpour. "Die Menge an Quallen änderte sich also nicht wesentlich, wohl aber ihre Jahreszeit."

Quallen profitieren vom Klimawandel: Darum verschlimmert sich die Plage

Quallen treten in zwei Aggregaten auf: Als Medusa oder als Polyp. Erfährt ein Polyp, am Meeresboden verankert, einen Temperaturschock, spaltet sich ein Stück des Körpers ab und lebt als selbstständige Medusa weiter. Traditionell tritt der Schock im Frühling ein, bis zum Sommer wachsen die Medusen dann zu den Größen an, die für Badeurlauber und -urlauberinnen eine Gefahr darstellen können.

Javidpour, betreibt seit 18 Jahren Quallen-Monitoring in der Kieler Förde. Der dänischen Marinebiologin zufolge könnte eine Hitzewelle zufolge einen neuen Temperaturschock auslösen. Da die Quallen aber zunächst wachsen müssen und dann von der Meeresströmung in alle Windrichtungen zerstreut werden, wird diese Quallenblüte wohl nicht mehr das Problem von Badetouristen.

Überfischung und Temperaturschocks: Nutznießer Feuerqualle

Während die meisten einheimischen Quallenarten ungefährlich sind, warnt Javidpour vor Feuerquallen. Diese können mit dem Nesselgift in ihren Tentakeln nicht nur schmerzhafte Verbrennungen hervorrufen, sondern im Falle einer Allergie bedrohliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System entwickeln. Wer von einer Feuerqualle verletzt wurde, soll sich umgehend an Rettungsschwimmer oder Mediziner wenden. Eine Behandlung mit Frischwasser verschärft die Schmerzen zusätzlich.

Mit 1,6 Grad Celsius Steigerung im Oberflächenbereich gehört die Ostsee in den letzten 30 Jahren zu den sich am schnellsten aufwärmenden Meere. Zwar profitieren die von Temperaturschocks abhängigen Quallen von der Erderwärmung, doch befeuert die Überfischung das Wachstum der Medusen entscheidend. Fische sind die natürlichen Fressfeinde von Quallen, direkt wie indirekt. Größere Fische fressen Quallen, kleinere konkurrieren mit den Medusen um Nahrung. (sk/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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