Massenschießerei

Chicago: Todesschütze war auffällig in sozialen Medien

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Biden ruft nach Schusswaffenattacke nahe Chicago zur Einheit auf

Biden ruft nach Schusswaffenattacke nahe Chicago zur Einheit auf

US-Präsident Joe Biden hat nach dem tödlichen Schusswaffenangriff nahe Chicago zur Einheit aufgerufen. Man befinde sich in einem "ständigen Kampf um die Seele Amerikas", sagte Biden bei einer Ansprache zum US-Unabhängigkeitstag in Washington.

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Highland Park  Ein 21-Jähriger eröffnete Feuer auf einer Parade in Chicago in den USA und tötete sechs Menschen. Doch was war das Motiv des Schützen?

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Todesschützen, der auf der Parade zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli in Highland Park bei Chicago in ein Blutbad mit sechs Toten und fast 40 Verletzten angerichtet hat, rätseln die Behörden weiter über das Tatmotiv.

Nach vorläufigen Informationen aus Ermittlerkreisen war der 21-jährige Robert E. Crimo III, der anhand von DNA-Fingerabdrücken an einem zurückgelassenen Schnellfeuergewehr als überführt gilt, lange Zeit auf diversen Kanälen und Plattformen sozialer Medien mit Musik und martialischen Videos präsent. Dabei spielten Schusswaffengewalt und rechtsextremistische, antisemitische Symbole eine zentrale Rolle, berichteten US-Medien.

Chicago: Augenzeugen berichten von bis zu 200 Schüssen

Der bis ins Gesicht mehrfach tätowierte Crimo fand unter dem Alias-Namen „Awake the Rapper” zeitweise offenbar Tausende Fans. Inzwischen sind seine Konten gesperrt. Wann Crimo offiziell angeklagt wird, war am Dienstag noch ungewiss. Sein Vater, Robert Crimo, bewarb sich 2019 erfolglos um den Bürgermeister-Posten in Highland Park. Lesen Sie auch: Polizisten erschießen Afroamerikaner – mit 60 Schüssen

FBI und Polizei in der wohlhabenden 30 000-Einwohner zählenden Stadt am Michigan See gehen davon aus, dass Crimo entlang der Route für die „4th of July”-Parade von einem Hausdach aus gezielt Schaulustige am Straßenrand ins Visier nahm. Auf Handy-Videos von Teilnehmern sind binnen Sekunden zwei Mal etwa 30 Schüsse zu hören. Augenzeugen berichteten später von bis zu 200 Schüssen.

„Mir fehlen die Worte, um diese Art von Monster zu beschreiben, das auf der Lauer liegt und auf Familien mit Kindern schießt”, empörte sich der zuständige demokratische Gouverneur des Bundesstaates Illinois, Jay Robert Pritzker.

USA: Schießerei in Chicago ist 311. Massenschießerei-Vorfall seit Jahresbeginn

Wie schon bei früheren Amokläufen reagierte das unmittelbare Umfeld des Tatverdächtigen überrascht. Paul Crimo, ein Onkel, hat „zu keiner Zeit Signale wahrgenommen, dass Bobby zu so einer Tat fähig wäre”, schreibt die Chicago Tribune. Er charakterisiert den extrem schmächtigen (54 kg) jungen Mann als eine „einsame, ruhige Person. Er behält alles für sich.” Crimo soll am Tattag in Frauen-Kleidern unterwegs gewesen sein. Lesen Sie auch: Supreme Court: USA droht "Revolution der Schwarzen Roben"

Zu den Todesopfern gehört der 76-jährige Nicolas Toledo. Der mexikanisch-amerikanische Doppelstaatler hatte seine Familie besucht. Nach einer Operation war Toledo auf eine Gehhilfe angewiesen, um die Parade mit ihren Blas-Kapellen und Motiwagen miterleben zu können. Er starb an einem Kopfschuss.

Die Tragödie von Highland Park war nach Zählung des renommierten „Gun Violence”-Archivs der 311. Massenschießerei-Vorfall (mindestens vier Tote) in Amerika seit Jahresbeginn. Auch interessant: Donald Trump mit Gewaltfantasien? Bundesrichter warnt eindrücklich

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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