Pandemie

Corona in Italien: 3G-Pflicht und Bußgeld am Arbeitsplatz

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In Mailand protestieren Impfgegner regelmäßig gegen die strikten Maßnahmen der Draghi-Regierung.

In Mailand protestieren Impfgegner regelmäßig gegen die strikten Maßnahmen der Draghi-Regierung.

Foto: Piero Cruciatti / AFP

Rom.  Italien hat sich zum Ziel gesetzt, 90 Prozent der Bevölkerung gegen Corona zu impfen. Doch gegen die 3G-Pflicht regt sich Widerstand.

Marinella De Angelis unterrichtet Englisch an einem Gymnasium in Rom. Vor Beginn des Unterrichts muss die 43-Jährige ihren Grünen Pass auf dem Smartphone vorweisen. Mit einer App wird die Echtheit des QR-Codes geprüft.

Der „Green Pass“ ist in Italien zum Türöffner für den Alltag geworden. Seit dem 15. Oktober müssen ihn alle Arbeitnehmer vorzeigen. Den Grünen Pass erhalten in Italien Geimpfte, von Covid-19 Genesene oder Personen, die sich einem Schnelltest unterzogen haben. Für Letztere ist der Grüne Pass jedoch nur 48 Stunden lang gültig.

Itlaien hat 3G-Pflicht für den Arbeitsplatz eingeführt

Marinella ist bereits mit zwei Impfdosen immunisiert. „Ich bin mit Astrazeneca geimpft worden, doch bald könnten zwei Impfungen nicht mehr reichen. Die Regierung drängt auf eine Auffrischungsimpfung“, seufzt Marinella. Denn Mario Draghi ist fest entschlossen, die Impfkampagne fortzusetzen und drängt auf eine Auffrischungsimpfung für alle Italiener.

Italien, das erste europäische Land, das von der Pandemie betroffen war, ist auch Europas Impf-Pionierstaat. Als erstes EU-Land hat es de facto eine Impfpflicht eingeführt. Seit über zwei Wochen gilt die Corona-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz.

Damit darf nur noch zur Arbeit erscheinen, wer eine Corona-Impfbestätigung, ein Genesungszertifikat oder einen negativen Corona-Test zeigen kann. Wer ohne Nachweis zur Arbeit kommt, riskiert bis zu 1500 Euro Bußgeld. Wer der Arbeit fernbleibt, weil er das Dokument nicht vorweisen kann, muss mit unbezahlter Freistellung rechnen. Die italienische Regelung ist die strengste dieser Art in Europa.

Ziel der Regierung sind 90 Prozent Geimpfte

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Rom sind inzwischen knapp 82 Prozent der Italiener im Alter von über zwölf Jahren vollständig immunisiert, mehr als 86 Prozent haben zumindest eine Dosis erhalten. Die Regierung setzt sich 90 Prozent Geimpfte zum Ziel. Schätzungen zufolge sind allerdings bis zu drei Millionen Arbeiter noch ungeimpft.

Dieser Tage wurde mit der Booster-Impfung für die über 60-Jährigen sowie für gebrechliche Menschen begonnen. Ab Januar soll jeder, der will, den „dritten Schuss“ erhalten. Der Enthusiasmus der Italiener für den dritten Stich hält sich in Grenzen. Die Zahl der Drittimpfungen ist derzeit geringer als von der Regierung erhofft.

Widerstand in der Bevölkerung gegen 3G-Pflicht

Obendrein machen sich Zweifel über die Corona-Strategie der Regierung Draghi breit. Die 3G-Pflicht für alle Arbeitnehmer hat mehr Widerstand unter der Bevölkerung ausgelöst als von der Regierung erwartet. Seit 15 Wochen blockieren Demonstranten in Mailand beim Kampf gegen die 3G-Pflicht immer wieder das Stadtzentrum.

Auch die Hafenarbeiter in Triest, die zur Blockade des wichtigsten Güterhafens Italiens aufgerufen haben, wollen keine Ruhe geben. Das bekräftigte noch einmal Stefano Puzzer, Sprecher der Hafenarbeiter, bei einer Kundgebung am vergangenen Sonnabend: „Wir protestieren weiter, bis die Regierung die Nachweispflicht in ganz Italien zurücknimmt.“

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