Kreuzimpfungen

Biontech oder Moderna: Welcher Booster-Impfstoff ist besser?

| Lesedauer: 8 Minuten
Biontech-Gründer erwartet jährliche Corona-Auffrischungsimpfungen

Biontech-Gründer erwartet jährliche Corona-Auffrischungsimpfungen

Biontech-Chef Ugur Sahin hält es für wahrscheinlich, dass in Zukunft jährliche Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus geben könnte. Er erwarte, dass der Schutz der nun begonnenen Drittimpfungen länger anhalten werde als der Schutz nach der Doppelimpfung, sagte er er "Bild am Sonntag".

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Berlin  Bei den Booster-Impfungen kommen in Deutschland die Vakzine von Biontech und Moderna zum Einsatz. Doch wer erhält welchen Impfstoff?

  • Für die Booster-Impfungen werden in Deutschland die Vakzine von Biontech und Moderna verwendet
  • Viele Menschen setzen auf Biontech – dabei ist Moderna laut Experten genauso gut
  • Nicht immer kann man sich aussuchen, welchen Impfstoff man erhält

Das Bundesgesundheitsministerium hat mit der Ankündigung, beim Corona-Impfstoff von Biontech "Höchstbestellmengen" einzuführen, damit eingelagerte Moderna-Dosen vor dem Verfall verimpft werden, viel Kritik auf sich gezogen. Die Arztpraxen befürchten das nächste Durcheinander sowie Verzögerungen bei den Booster-Impfungen, die gerade Fahrt aufgenommen haben.

Wie das Bundesgesundheitsministerium erklärt, wird die Auffrischungsimpfung sowohl für Jugendliche als auch für Ältere und Risikogruppen sechs Monate nach der ersten Impfserie empfohlen. Eine dritte Impfung mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer zeigt nach Angaben der beiden Unternehmen eine Wirksamkeit von über 95 Prozent. Probleme oder unbekannte Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden. Lesen Sie hier, wie in Deutschland nun geimpft wird.

Booster-Impfungen: Nur mRNA-Vakzine kommen zum Einsatz

Bundesweit wird ausschließlich mit mRNA-Impfstoffen geboostert. Diese Entscheidung wurde auf Grundlage der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit der bislang zugelassenen Impfstoffe bei breiter Anwendung sowie deren Verfügbarkeit getroffen. Auch in Deutschland vertritt man die Ansicht, dass eine Kreuzimpfung von Vektor- und mRNA-Impfstoffen zu einer deutlich höheren Antikörperbildung beiträgt.

Was das Boostern bei einer abgeschlossenen Grundimmunisierung mit mRNA-Impfstoffen betrifft, geht man bundesweit allerdings einen anderen Weg.

Booster-Impfungen: Kreuzimpfung oder gleiches Vakzin?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warf vor Kurzem die Frage auf, welche Kombination von Impfstoffen die beste Wirkung hat. "Die Booster-Impfung muss jetzt Tempo gewinnen. Was wirkt am besten? Wechseln wirkt am besten! Moderna für Biontech-Geimpfte, Biontech für Moderna-Geimpfte, und Moderna für J&J-Geimpfte", schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Um deutlich zu machen, welche Vakzine möglicherweise miteinander kombiniert werden sollten, fügte Lauterbach eine Tabelle des US-amerikanischen mRNA-Biochemikers Rob Swanda an. Die Tabelle zeigt, dass eine Kreuzimpfung dazu führen könnte, dass sehr viel mehr Antikörper gebildet werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hat dagegen eine eigene Impfstrategie veröffentlicht, die etwas von der Empfehlung des US-Wissenschaftlers abweicht.

Grundimmunisierung mit Biontech oder Moderna: Welches Vakzin als Booster?

Denn anders als vom US-Biochemiker empfohlen, setzen deutsche Experten bei Auffrischungsimpfungen im Falle von mRNA-Grundimmunisierten eigentlich auf denselben Wirkstoff. Statt auch bei Biontech oder Moderna auf eine Kreuzimpfung mit dem jeweils anderen Impfstoff zu setzen, empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hier, möglichst den ursprünglichen Impfstoff auch ein drittes Mal zu verabreichen.

"Für die Auffrischungsimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff verwendet werden, der bei der Grundimmunisierung verwendet wurde", heißt es auf der Internetseite des BMG. "Ist dieser nicht verfügbar, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden." Tatsächlich könnte das Biontech-Vakzin nun aufgrund der angeordneten Höchstbestellmengen häufiger nicht verfügbar sein – in diesem Fall würden Ärzte und Impfzentren dann stattdessen Moderna verimpfen.

Corona: Stiko gibt generelle Empfehlung für Booster-Impfung

Inzwischen gibt es auch eine grundsätzliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut für eine Auffrischungsimpfung. Nach jetzigem Wissensstand lasse die Wirksamkeit der Corona-Schutzimpfung etwa ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung nach - gerade bei älteren Menschen, berichtete das Gesundheitsministerium. Dennoch sei weiterhin "ein vergleichsweise guter Impfschutz" vorhanden.

Besondere Regeln gelten beim Boostern für Personen unter 30. Sie sollten laut der Stiko grundsätzlich den Impfstoff von Biontech erhalten. Bei der Verabreichung der Moderna-Vakzins gebe es bei jüngeren Menschen ein geringes Risiko für eine Herzmuskelentzündung.

Höchstbestellmengen für Biontech: Woher kommt die Idee?

Deutschland hat dem Gesundheitsministerium zufolge 16 Millionen Dosen Moderna auf Lager. Von den Ländern wird demnach momentan aber zu 90 Prozent Biontech bestellt. Die Lager leerten sich. Ab Mitte des ersten Quartals drohen eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen.

"Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, dies mit allen Mitteln zu verhindern", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Länder. Praxen und Impfzentren sollen nun zunächst nur noch bestimmte Mengen Biontech bestellen dürfen, damit Moderna "vermehrt zum Einsatz" kommt. Insgesamt, so betont das Ministerium, sei "genug Impfstoff für alle da".

Warum ist die Kritik daran so scharf?

Ärzte- und Ländervertreter halten es für ein falsches Signal, beim in Deutschland besonders gut angenommenen Impfstoff von Biontech zu drosseln, sie befürchten Verunsicherung. Es drohe eine Verlangsamung des Impftempos, heißt es bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Das Gesundheitsministerium kontingentiere die Bestellmöglichkeiten für den Impfstoff, mit dem die meisten Patienten ihre Grundimmunisierung erhalten hätten und den sie gewohnt seien, sagte KBV-Chef Andreas Gassen.

Geargwöhnt wird, dass Menschen, die bereits Booster-Termine mit Biontech vereinbart haben, zögern könnten, wenn ihnen Moderna angeboten wird. In den Praxen könnte durch viele Nachfragen zudem deutliche Mehrarbeit entstehen.

Warum entscheiden sich so viele in Deutschland für Biontech?

Das dürfte daran liegen, dass der Impfstoff hier entwickelt wurde und durch die vielen Berichte über die Erfolgsstory der Biontech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin ein besonders gutes Image hat. Das Mainzer Ehepaar wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für die Entwicklung ihres Impfstoffs mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Gegen die Delta-Variante schützen beide Vakzine sehr gut, das legen Untersuchungen nahe. Eine US-Studie etwa verglich die Effektivität der Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer. Ihr Ergebnis: Herrscht die Delta-Variante des Virus vor, schützt Modernas Spikevax zu rund 76 Prozent vor einer Infektion. Comirnaty von Biontech kam auf 42 Prozent. Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die Unterschiede noch bestätigt werden müssten.

Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung aus Katar tut dies: Der Schutz vor Infektion wie Hospitalisierung ist bei der Delta-Variante bei Spikevax höher als bei Comirnaty, so ihr Ergebnis. Betrachtet man die Dauer des Schutzes, deuten erste Daten darauf hin, dass Moderna auch hier die Nase vorn haben könnte.

Die Auffrischungsimpfung mit dem Impfstoff von Moderna wird mit der Hälfte der Dosis durchgeführt, die für die Grundimmunisierung verwendet wird.

Kreuzimpfung mit Astrazeneca: Welches Vakzin wird zur Auffrischung verwendet?

Menschen, die für die Grundimmunisierung zwei Dosen des Astrazeneca-Vakzins erhalten haben, können sowohl mit Moderna als auch mit Biontech aufgefrischt werden. Bei einer Kreuzimpfung mit Astrazeneca und einem mRNA-Impfstoff als zweite Dosis dürfte der Beschluss des Bundesgesundheitsministeriums greifen: Handelte es sich bei der zweiten Dosis um Biontech, sollte dieses Vakzin auch zum Boostern verwendet werden. Bei Moderna sollte wiederum erneut dieser Impfstoff als Booster verwendet werden.

Auch im Falle einer (Teil-)Grundimmunisierung mit Astrazeneca wird eine Auffrischung erst nach sechs Monaten empfohlen.

Besonderheit bei Grundimmunisierung mit Johnson & Johnson

Personen, die mit einer einmaligen Dosis des Johnson & Johnson-Vakzins immunisiert wurden, können einen beliebigen mRNA-Impfstoff zur Auffrischung bekommen. Allerdings ist der Impfabstand zur Booster-Impfung stark verkürzt. Eine Auffrischung kann nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in der Regel bereits vier Wochen nach der Grundimmunisierung erfolgen.

Genesene, die jeweils ohnehin nur eine einzige Impfdosis eines anderen Vakzins erhalten haben, müssen sich dagegen sechs Monate bis zur Auffrischung gedulden. (fmg/dpa)

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