Prozess

Zwei Jahre Haft: Youtuber "Drachenlord" muss in den Knast

| Lesedauer: 3 Minuten
Er nennt sich Drachenlord: Der 32-jährige Youtuber lebt in einem fränkischen Dorf – seine Nachbarn leiden unter dem Trubel.

Er nennt sich Drachenlord: Der 32-jährige Youtuber lebt in einem fränkischen Dorf – seine Nachbarn leiden unter dem Trubel.

Foto: Screenshot: Youtube

Nürnberg/Altschauerberg.  Der Youtuber "Drachenlord" ist wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der Youtuber "Drachenlord" muss wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Straftaten für zwei Jahre ins Gefängnis. Die vorsitzende Richterin sah es als erwiesen an, dass der 32-Jährige unter anderem einen Mann mit einer Taschenlampe auf die Stirn geschlagen und verletzt hatte. Einen anderen bewarf er mit einem Backstein. Außerdem hatte er Polizisten beleidigt.

"Dieses Verfahren ist ein trauriges Beispiel dafür, welche Folgen Hass und Mobbing im Internet haben", so die Richterin am Donnerstag in Nürnberg. Aus Sicherheitsgründen hatte das zuständige Amtsgericht Neustadt an der Aisch die Hauptverhandlung in das Strafjustizzentrum in Nürnberg verlegt.

"Drachenlord" will künftig anders im Internet auftreten

Zuvor habe der Youtuber, der mit bürgerlichem Namen Rainer heißt,über seinen Verteidiger eine Erklärung abgeben lassen. Und die hat es aus Sicht seiner Gegner und seiner entnervten Nachbarn in sich. Er habe sein Haus in einem Ortsteil des fränkischen Städtchens Emskirchen verkauft und wegziehen werde. Außerdem plane er, künftig anders im Internet aufzutreten. Wenn der Drachenlord seiner Ankündigung Taten folgen lässt, wäre es das Ende eines polarisierenden Internetphänomens.

Seit Jahren tobt in einem kleinen Dorf westlich von Nürnberg ein bizarrer Streit. Auslöser: ein 32-Jähriger Videoblogger, der regelmäßig Filmchen über sein Leben hochlädt, von denen sich ein Teil der Netzgemeinde provoziert fühlt.

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"Drachenlord" provoziert mit extremen Ansichten

Der Streit ist längst in der realen Welt angekommen. Regelmäßig tauchen die sogenannten Hater vor seinem heruntergekommen wirkenden Haus in dem 40-Einwohner-Ort Altschauerberg auf, um ihn zu ärgern und zu beleidigen.

Der "Drachenlord" postet immer wieder Videos, in denen er extreme Ansichten äußert – einmal bezeichnete er etwa den Holocaust als "nice Sache". Seine Gegner beschimpfen ihn und machen sich über sein Aussehen, sein Gewicht und seine Meinungen lustig.

Bei der bislang größten Demonstration kamen im August 2018 mehrere Hundert Menschen, die nach Angaben der Polizei zum Teil sogar aus europäischen Nachbarländern angereist waren. Der streitbare Youtuber geht keiner Konfrontation aus dem Weg und zeigt Aufnahmen, wie er mit seinen ungebetenen Besuchern streitet.

Jetzt ist die Sache vor Gericht gelandet. Im Prozess geht es um gefährliche Körperverletzung und andere Straftaten.

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"Drachenlord" nahm Mann in den Schwitzkasten

Der 32-Jährige hat die Vorwürfe gegen ihn am Donnerstag in großen Teilen eingeräumt. Es treffe zu, dass er einen Mann vor seinem Haus mit einer Taschenlampe geschlagen und an der Stirn verletzt habe, sagte er im Prozess. Einen anderen habe er in den Schwitzkasten genommen und geschlagen.

Ein Urteil wird für den 28. Oktober erwartet. Es ist bereits das zweite Mal, dass sich der Youtuber wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten muss. Im September 2019 wurde er zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. (joe)

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