Erderwärmung

Klimawandel: Diese deutschen Städte werden im Meer versinken

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Diese deutschen Städte könnten im Meer versinken

Diese deutschen Städte könnten im Meer versinken

Überschwemmungsgefahr: der Klimawandel macht sich auch in Deutschland immer stärker bemerkbar. Eine Studie zeigt, welche deutschen Städte vom steigenden Meeresspiegel in Zukunft betroffen sein könnten.

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Berlin  Die Klimakrise lässt den Meeresspiegel steigen. Forscher haben berechnet, welche Orte in den nächsten Jahrhunderten versinken dürften.

  • Der Klimawandel wird dramatische Auswirkungen auf die Erde und die Menschen haben, da sind sich Forscher einig
  • Nur den Zeitpunkt, wann erste Landstriche verschwinden werden, darüber gibt es unterschiedliche Angaben
  • Eine neue Studie zeigt jetzt, welche Städte in Deutschland besonders vom Klimawandel bedroht sind

Bis zur Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatte man oft das Gefühl, dass die wirklich drastischen Folgen des Klimawandels Deutschland erstmal nicht treffen würden. Seit den dramatischen Ereignissen im Juli dürfte klar sein: Das war ein Trugschluss. Eine neue Studie zeigt nun, dass auch der steigende Meeresspiegel Deutschland zu schaffen machen dürfte.

Denn gerade die Küstenregionen im Norden laufen Gefahr, irgendwann einfach überschwemmt zu werden und im Meer zu versinken. Es dürfte zwar noch dauern, bis das Wasser die Nordseeinseln und Städte wie Hamburg und Bremen vom Wasser eingenommen werden. Ganze Straßenzüge und Wohnviertel könnten in den nächsten 200 bis 2000 Jahren verschwinden.

Klimawandel: Selbst Erderwärmung um 1,5 Grad sorgt für Überschwemmungen

Für die Analyse, die im Fachblatt Environmental Research Letters erschienen ist, haben Wissenschaftler der Journalisten- und Wissenschaftsorganisation Climate Central sowie der Princeton-Universität erstmals die endgültigen Folgen des Meeresspiegelanstiegs für alle Kontinente untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Selbst, wenn die Menschheit das 1,5-Grad-Ziel im Kampf gegen die Erderwärmung erreichen sollte, wird der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten weiter ansteigen.

Die meisten wissenschaftlichen Schätzungen zum Anstieg des Meeresspiegels und der damit verbundenen Bedrohung für Küstenstädte reichten bisher nur zum Ende dieses Jahrhunderts. Sie gehen von einem Anstieg zwischen einem halben Meter und weniger als einem Meter bis dahin aus. Danach wird der Meeresspiegels wegen des Klimawandels aber noch deutlich weiter steigen, wie die neue Studie zeigt.

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Deutsche Nordseeküste wird der Anstieg des Meeresspiegels hart treffen

Asien werde es am härtesten treffen, warnen die Forscher. Aber auch Deutschland wird Land an das Wasser verlieren: Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Sankt Peter-Ording und weite Teile Hamburgs werden selbst mit Klimaschutzmaßnahmen, die sich am aktuellen 1,5-Grad-Ziel orientieren, dauerhaft unter Überschwemmungen leiden. Von den Inseln im Wattenmeer ganz zu schweigen: Helgoland, Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog und Langeoog sowie große Gebiete von Föhr und Sylt dürfte das Wasser an sich reißen.

Doch damit nicht genug: Da das 1,5-Grad-Ziel derzeit nicht eingehalten wird und die Welt sich eher auf einem Emissionspfad befindet, durch den sich die Temperatur um rund drei Grad erhöhen wird, dürfte die Eisschmelze an den Polkappen noch sehr viel dramatischere Folgen haben: Würde es beim aktuellen Ausstoß von Treibhausgasen bleiben, würden auf lange Sicht 50 Großstädte mindestens zwei Meter unterhalb des Meeresspiegels liegen und den Großteil ihrer derzeit bewohnten Fläche verlieren, sollten bis dahin nicht Dämme ungekannten Ausmaßes sie schützen, so die Studienautoren.

Die Karte von Climate Central zeigt, welche Gebiete entweder bei 1,5 Grad oder drei Grad Temperaturanstieg von Überflutungen betroffen wären.

Mindestens eine halbe Milliarde Menschen werden Zuhause an das Meer verlieren

Etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung lebten bereits heute in Gebieten, denen in der Zukunft Überschwemmungen drohen könnten, sagte der Hauptautor der Studie und Präsident der Journalisten- und Wissenschaftsorganisation Climate Central, Ben Strauss, der Nachrichtenagentur AFP.

Würde man die Erderwärmung durch Klimaschutzmaßnahmen auf ungefähr zwei Grad Celsius eindämmen (die derzeitige Obergrenze des Pariser Klimaschutzabkommens), so würden selbst dann über eine halbe Milliarde Menschen ihr Zuhause verlieren. Zu den Überschwemmungen kommen auch mögliche Katastrophenfälle durch Unwetter hinzu. Bei einer Erderwärmung um zwei Grad wird der Meeresspiegel laut Berechnungen der Wissenschaftler um fünf Meter steigen – ein Temperaturanstieg um vier Grad würde sogar zehn Meter bedeuten.

Mit eindrucksvollen Simulationen zeigen die Autoren der Studie, was Städten in Deutschland bei unterschiedlichen Klimaszenarien droht. So könnte sich beispielsweise die Böttcherstraße in Bremen verändern:

Und so würden die Fluten Rothenburgsort, einen Stadtteil von Hamburg, einnehmen.

Aufzuhalten ist der Anstieg des Meeresspiegels nicht mehr. Das Phänomen werde wegen der Erwärmung des Wassers und der Eisschmelze unveränderbar über das Jahr 2100 hinaus andauern, machen die Forscher in der Studie klar. Das sei unabhängig davon, wie schnell die Treibhausgasemissionen reduziert werden. Selbst wenn es schon bald zu einer drastischen Reduktion der weltweiten CO2-Verschmutzung käme – für Bremen und die deutsche Nordseeküste wäre es schon zu spät, wie die Berechnungen zeigen.

Tiefliegende Küstenstädte gibt es aber vor allem im bevölkerungsreichen Asien. Neun von ihnen dürfte der Anstieg des Meeresspiegels am härtesten treffen – darunter auch die Staaten, die im weltweiten Vergleich am meisten die Kohlekraft vorantreiben, etwa China, Indien und Indonesien. Würde sich die Erde um zwei Grad erwärmen, befänden sich etwa in Bangladesch und Vietnam bei Flut Landflächen unter Wasser, auf denen heute mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Länder lebt.

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