Corona-Impfung

Corona: So will Spanien die Virus-Explosion bremsen

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Mallorca: Sorge um Saisonende

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Das bei den Deutschen beliebte Feriendomizil Mallorca kämpft mit steigenden Corona-Fallzahlen. Viele Reisende treibt die Frage um, ob sie den lang ersehnten Urlaub überhaupt antreten können.

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Madrid.  In Spanien infizieren sich vor allem jüngere Menschen, die noch nicht geimpft sind. Die Krankenhäuser füllen sich nun erneut.

Spaniens Impfkampagne läuft gut. So gut, dass es für die Regierung bisher nicht notwendig war, mit Sanktionen für Impfverweigerer oder mit besonderen Anreizen für Impfwillige nachzuhelfen. „Impfen, Impfen, Impfen“, das sei der beste Weg, um die Pandemie zu besiegen und den Sommer halbwegs genießen zu können, predigt Premier Pedro Sánchez – und kaum jemand widerspricht ihm.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat inzwischen den vollen Schutz. Dieses gute Ergebnis kann aber nicht verhindern, dass Spanien derzeit eine der höchsten Infektionsraten Europas aufweist. Laut Johns Hopkins Universität hatte Spanien zuletzt eine 7-Tage-Inzidenz von 376 Fällen pro 100.000 Einwohner. Nur Zypern, Großbritannien und die Niederlande stehen in Europa noch schlechter da. Die Bundesregierung will Spanien zum Hochinzidenzgebiet erklären.

Spanien: Rund zehn Prozent der Bevölkerung verweigern die Impfung

Natürlich gibt es auch in Spanien Impfskeptiker, aber immer weniger. Keine zehn Prozent der Bevölkerung verweigern derzeit nach offiziellen Angaben die Anti-Covid-Impfung – das hält die Regierung für verkraftbar. Vor einem halben Jahr, zum Start der nationalen Impfkampagne, war die Zahl der Neinsager erheblich größer – wohl auch, weil es noch sehr viel weniger Informationen gab.

Zur großen Impfakzeptanz beigetragen hat vermutlich, dass Spanien seit Beginn der Pandemie eines der am heftigsten von Covid betroffen Länder Europas ist. Über vier Millionen durch Test bestätigte Infektionen und mehr als 80.000 Covid-Tote wurden bisher registriert.

Riesige Impfzentren überall in Spanien - Im Fußballstadion werden 5000 Dosen täglich verabreicht

Nach der Statistik des EU-Zentrums für Krankheitsvorbeugung ECDC gab es in Spanien pro eine Million Einwohner 1710 Todesopfer, deutlich mehr als zum Beispiel in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Sehr viele Spanier haben in ihrem Umfeld einen Menschen durch Covid verloren – das hat offenbar das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Leben rettet.

Überall im Land entstanden riesige Impfzentren. In Madrid zum Beispiel wird unter anderem im Fußballstadion von Atlético de Madrid, dem aktuellen spanischen Meister, geimpft. Rund 5000 Impfdosen werden hier pro Tag verabreicht. Der Andrang ist riesig. Vor dem Stadion, wie auch vor anderen Impfstationen, bilden sich immer wieder lange Schlangen. Deswegen wird in Madrid inzwischen sogar nachts geimpft und auch zu nachtschlafenden Zeiten ist der Andrang riesengroß.

Über die Hälfte der spanischen Bevölkerung hat schon den vollständigen Impfschutz

Landesweit erhalten täglich etwa 600.000 Menschen die Impfung. Rund 52 Prozent der Bevölkerung bekam inzwischen den kompletten Schutz. Das kann sich im europäischen Vergleich sehen lassen – erst recht wenn man bedenkt, dass Spaniens öffentliches Gesundheitssystem nicht den besten Ruf hat, weil es überall an Geld und Personal fehlt.

Jetzt soll die Zahl der täglichen Impfungen im ganzen Land sogar noch weiter erhöht werden, um die gigantische Virus-Explosion im Land zu bremsen. In dieser Welle infizieren sich vor allem jüngere Menschen, die noch nicht geimpft sind. Aber auch immer mehr Personen, die bisher nur eine Impfdosis oder sogar den vollständigen Impfschutz haben, stecken sich an, was den sich ausbreitenden VirusvariantenDelta und Lambda zugeschrieben wird. Die Krankenhäuser füllen sich erneut. Mehr als 7000 Covid-Patienten liegen inzwischen wieder in spanischen Hospitälern.

Spanische Regierung: Impfpflicht kommt nicht in Frage

Nur in der westspanischen Region Galicien hatte man bisher versucht, eine allgemeine Impfpflicht einzuführen ­– allerdings bisher ohne praktische Auswirkungen. Ein entsprechendes Gesetz, das Strafen von bis zu 60.000 Euro für Impfverweigerer vorsah, wurde inzwischen vom spanischen Verfassungsgericht suspendiert, weil die Entscheidung über die Impfpflicht eine Kompetenz der Staatsregierung ist, die jegliche Zwangsmaßnahmen ablehnt.

Spaniens Regierung stellte klar, dass derzeit ein Impfzwang nicht in Frage kommt. „Die Covid-Impfung geschieht auf freiwilliger Basis“, erklärt das Gesundheitsministerium, „so wie es auch mit allen anderen Schutzimpfungen in Spanien der Fall ist.“

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