Immunsystem

Corona-Schutz: Das muss man zu Antikörpertests wissen

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So funktioniert der digitale Impfnachweis

So funktioniert der digitale Impfnachweis

Der Sommer rückt näher, ebenso der digitale Impfpass. Er soll eine Alternative zum „gelben Nachweisheft“ und schon bald verfügbar sein.

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Berlin  Wie stark ist der eigene Immunschutz nach einer Corona-Infektion oder -Impfung? Antikörpertests können ein wenig Aufschluss geben.

Corona-Genesene und Geimpfte können sich glücklich schätzen: Sie haben einen gewissen Immunschutz gegen den Krankheitserreger entwickelt. Doch inwiefern dieser sie tatsächlich vor einer Ansteckung wirklich schützt, ist noch unklar.

Auch Wissenschaftler beschäftigen sich derzeit mit der Frage, wie stark der Schutz gegen das Virus ist – und wie lange er überhaupt anhält. Einige schätzen beispielsweise, dass schon nach wenigen Monaten nachgeimpft werden muss. Darüber, wie stark das eigene Immunsystem auf eine Infektion mit Sars-Cov-2 reagieren würde, können Antikörpertests Aufschluss geben.

Absolute Gewissheit über den Immunschutz von Corona-Geimpften und -Genesenen bringen die Testungen aber nicht. Können sie sich dennoch lohnen – und wenn ja, für wen? Drei Experten, ein Laborarzt, ein Immunologe und ein Virologe, erklären, was man wissen muss.

Corona-Immunschutz: Welche Antikörpertests gibt es?

Im Wesentlichen gilt es, zwei Varianten zu unterscheiden: Einerseits Tests, die die reine Anwesenheit von Antikörpern messen, andererseits Tests, die quasi deren Funktionalität gegenüber dem Virus prüfen.

Erstere liefern vor allem eine gesicherte Information: Ob man schon eine Corona-Infektion durchgemacht hat oder nicht. Bei Letzteren, den sogenannten Neutralisationstests, wird das Blutserum des Patienten im Labor mit Teilen des Coronavirus in Kontakt gebracht und es wird dann geprüft, wie "gut" das Virus abgehalten wird. Grundsätzlich gilt der Neutralisationstest als präziser. Auch einfache Antikörpertests liefern laut den Experten aber eine gewisse Schutzaussage.

Antikörpertests: Was können sie nicht leisten?

Die Einschränkung der Tests ergibt sich daraus, dass einem kein seriöser Arzt zu sagen vermag, ab welchem Antikörper-Wert aus dem Labor man sicher vor einer Coronavirus-Ansteckung geschützt ist. "Es kann einem noch niemand sagen, ab welchem Wert man wirklich immun ist", sagt Watzl. "Das kann man bei anderen Viren, soweit sind wir beim Coronavirus aber noch nicht." Es bleibt also selbst bei hohen Antikörper-Werten eine Restunsicherheit.

Laborarzt Lorentz erklärt: "Nach einer Infektion sinken Antikörper nach gewisser Zeit, und da besteht die große Frage, ob und bis wann noch Immunität besteht. Das wissen wir nicht. Was wir wissen, ist, dass wir nur wenige Doppelinfektionen kennen. Das heißt, da wird zelluläre Immunität noch da sein, die ist aber schwer messbar."

Was kosten Antikörper-Tests?

Einfache Antikörpertests, bei denen der Hausarzt Blut abnimmt und zur Analyse ins Labor schickt, kosten nach Angaben von Lorentz 17,50 Euro, Neutralisationstests liegen bei 50 bis 60 Euro.

Von Antikörpertests zum Selbermachen raten die Experten aber ab. Zum einen sei die Blutentnahme für Patienten oft schwer. Zum anderen wüssten viele mit dem Ergebnis, das sie dann bekommen, nicht so recht etwas anzufangen. Testkits, bei denen man die selbst entnommene Blutprobe einschickt, schlagen online auch durchaus mit 50 bis 70 Euro zu Buche.

Welche Arten von Antikörpern gibt es überhaupt?

Vor allem drei Arten sind interessant. Sogenannte IgA- und IgM-Antikörper sind sozusagen die schnellen Eingreiftruppen gegen das Virus. Diese bilden sich rasch, doch ihr Spiegel im Blut sinkt nach der durchgemachten Infektion auch weitaus schneller als jene der dritten Gruppe: die sogenannten IgG-Antikörper.

IgG-Antikörper werden von "Gedächtniszellen" gebildet, die teils lange im Körper bleiben können. Sie haben sich "gemerkt", dass das Sars-CoV-2-Virus ein Feind ist. "Wer diese Gedächtniszellen noch hat, der kann schnell viele neue Antikörper produzieren, wenn es nötig ist", erklärt Immunologe Watzl. Das ist auch der Grund, warum Genese bei Impfstoffen, bei denen zwei Impfungen vorgesehen sind, nur eine Spritze bekommen.

Corona-Infektion: Wann ist es sinnvoll, einen Antikörper-Test durchzuführen?

Der Körper bildet die IgG-Antikörper erst einige Tage nach der Infektion. Wenn der Test, wie es die Regel ist, auf diese Art von Antikörpern untersucht, lautet daher die allgemeine Empfehlung, ihn erst mindestens zwei Wochen nach der Infektion vorzunehmen.

Würde der Test etwa auf IgM-Antikörper testen, ist es indes gut möglich, dass er einige Wochen nach der Infektion bereits negativ ausfällt. "Tests auf IgA- und IgM-Antikörper haben sich bei Corona nicht bewährt", sagt Laborarzt Lorentz.

Schützen Antikörper auch gegen Varianten des Coronavirus?

Von den Impfstoffen weiß man, dass der aufgebaute Schutz im Körper gegen unterschiedliche Varianten des Coronavirus unterschiedlich gut wirkt. "In dem Spike-Protein des Virus kann es zu Veränderungen kommen, so dass die nach der Impfung entwickelten Antikörper nicht mehr so gut passen – wodurch die Immunantwort nicht mehr so gut ist auf bestimmte Varianten", erläutert der Virologe Professor Marcus Panning vom Uniklinikum Freiburg.

Aber, ob geimpft oder genesen: "Der Schutz ist vielleicht nicht mehr ganz so gut gegen die Varianten, aber immer noch ganz okay", urteilt Panning. Das bedeutet: Vielleicht erkrankt man, aber in aller Regel nicht schwer. "Impfungen schützen relativ sicher vor einem tödlichen Verlauf. Bei Genesenen geht man auch davon aus", sagt der Experte von der Gesellschaft für Virologie.

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Und was ist, wenn der Antikörpertest negativ ausfällt?

Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass man nicht gegen das Virus geschützt ist. "Wir sehen Menschen, die eine leichte Infektion hatten, wo die Konzentration an Antikörpern relativ schnell abfällt", sagt Virologe Panning. Das bedeutet auch: Deren Antikörpertest wird schnell negativ ausfallen. Dennoch könnte ein Schutz bestehen.

Das liegt daran, dass es neben verschiedenen Arten von Antikörpern einen zweiten Arm der körpereigenen Abwehr gibt: die T-Zellen. Diese stürzen sich nicht auf die Viren, um sie davon abzuhalten, an Körperzellen anzudocken. Sondern sie zerstören vom Virus befallene Körperzellen und spielen so eine wichtige Rolle bei der Immunantwort.

"Es kann sein", sagt Panning, "dass man nach der Infektion eine relativ robuste T-Zellen-Immunität hat, die dafür sorgt, dass man trotz weniger oder gar keiner Antikörper weniger stark oder gar nicht erkrankt." Wer möchte, kann sein Blut im Prinzip auch auf die T-Zellen untersuchen lassen. Verschiedene Labormedizinerinnen und Labormediziner bieten solche T-Zelltests an.

Corona-Maßnahmen: Verschafft einem ein positiver Antikörpertest Erleichterungen?

Wer innerhalb der zurückliegenden sechs Monate eine Corona-Infektion durchgemacht hat, hat jeweils die gleichen Rechte wie vollständig geimpfte Personen. Ein positiver Antikörpertest ist hier aber kein Nachweis. "Bisher kann man nur mit einem positiven PCR-Test den Infektionszeitpunkt nachweisen", sagt Immunologe Watzl. Dieser muss mindestens 28 Tage und darf höchstens sechs Monate alt sein.

Der Grund, warum ein Antikörpertest nicht als Nachweis durchgeht, erscheint einleuchtend: "Es gibt Menschen, die haben nach wenigen Wochen kaum Antikörper, andere haben nach 300 Tagen noch viele – das ist für die Handhabung der Öffnungen zu kompliziert", sagt Watzl.

Das Ergebnis des Antikörpertests ist also vor allem eine Information für einen selbst und sein persönliches Umfeld. Denn der Hintergedanke ist ja oft auch: Kann ich mich nochmals anstecken und damit womöglich auch andere? Darauf sucht man eine Antwort.

Wer sollte einen Antikörpertest überhaupt machen?

Schauen, ob die Spritze wirkt - dieser Impuls ist zwar nachvollziehbar, macht aber selten Sinn. Nach der ersten Impfung sind oft nur wenig Antikörper vorhanden. Deshalb gibt es bei vielen Impfstoffen ja eine zweite Dosis. Lesen Sie auch: Impfschutz bei Biontech, Astrazeneca, Moderna - Wann setzt er ein?

Einen Zweck haben die Tests vor allem für Menschen, die eine Immunschwäche haben oder die Medikamente einnehmen, die die Funktion des Immunsystems mindern (Immunsuppressiva). Sie können überprüfen, wie hoch der Antikörperspiegel nach der zweiten Corona-Impfung ist. Für alle anderen haben die Tests nur eine begrenzte Aussagekraft, sagen Experten.

Laborarzt Lorentz rät: Wer eine Einschätzung zum Immunschutz gegen das Coronavirus haben möchte, sollte lieber einen Neutralisationstest vornehmen lassen. "Beim einfachen Antikörpertest fällt mir keine sinnvolle Indikation ein, wo man es machen sollte – außer man möchte nur wissen, ob man schon eine Infektion durchgemacht hat."

(fmg/dpa)

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