Corona-Podcast

Christian Drosten erklärt: Was Impfgegner wissen sollten

Lesedauer: 5 Minuten
Experten: Corona-Pandemie "hätte verhindert werden können"

Experten: Corona-Pandemie "hätte verhindert werden können"

Eine von der WHO eingesetzte Experten-Kommission ist sich sicher: Die Coronavirus-Pandemie hätte verhindert werden können. Doch viele Staaten und die WHO hätten zu spät reagiert, und viele Politiker hätten ihre Augen vor wissenschaftlichen Erkenntnissen verschlossen, monieren die Experten.

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Berlin.  Im "Coronavirus-Update" ging es um gute Nachrichten zur Pandemie. Für Impfskeptische hatte Virologe Drosten eine Überlegung dabei.

  • In der jüngsten Ausgabe seines NDR-Corona-Podcasts sprach Christian Drosten über die Impfungen
  • Dabei ging es vor allem um die Frage, ob Geimpfte das Coronavirus noch weitergeben können und was das für die Maßnahmen bedeutet
  • Zudem richtete Drosten einen zuversichtlichen Blick Richtung Sommer

Die Nachrichten über zur Corona-Pandemie werden besser. Etwa jede und jeder Dritte ist inzwischen mindestens einmal gegen das Virus geimpft, die Inzidenz sinkt weiter. Am Dienstag lag sie laut den Zahlen des Robert Koch-Instituts bundesweit bei 115 – in der Vorwoche betrug der Wert noch 119.

Auch im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" mit dem Virologen und Leiter der Virologie der Berliner Charité, Christian Drosten, spiegelte sich die langsam besser werdende Krisen-Lage am Dienstag wider. Unter dem Titel "Impfmission possible" verbreitete Folge 88 der beliebten Sendung am Dienstag überwiegend gute Nachrichten aus der Welt der Wissenschaft – hatte für impfskeptische Menschen allerdings auch eine wichtige Überlegung dabei.

Drosten zu Erstimpfungen: Erheblicher Effekt in allen Altergruppen

Drosten und die NDR-Wissenschaftsredakteurin Korinna Hennig diskutierten etwa eine Studie aus Großbritannien, die einer drängenden Frage nachgeht: Wie wahrscheinlich geben auch vollständig Geimpfte das Virus noch weiter?

Corona Langzeitperspektive: Impfung und Antikörper schützen nicht ewig
Corona Langzeitperspektive: Impfung und Antikörper schützen nicht ewig

Die Untersuchung betrachtet die Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech/Pfizer und "macht Hoffnung", wie Hennig es ausdrückte. Drosten – hörbar begeistert von den Ergebnissen der Studie – stimmte dem zu und führte aus, diese habe vor allem den Effekt der Erstimpfung auf die Verbreitung des Coronavirus im Blick.

Je nach Art der Auswertung der Daten beträgt die Reduktion der Weitergabe des Virus um bis zu 49 Prozent, referierte Drosten. "In anderen Worten: Eine Impfung halbiert die Weiterübertragung im Haushalt", sagte Drosten.

"Wenn wir also schon die gesamte Bevölkerung mit einer ersten Impfung versorgt hätten, würden wir ganz von selbst halbieren", erklärte der Virologe mit Blick auf den R-Wert (der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt). Zusammen mit den aktuellen Maßnahmen käme man damit auf einen R-Wert von 0,5 "und die Pandemie wäre vorbei".

Dieser "erhebliche Effekt" gelte für alle Altersgruppen und relativ unabhängig davon, ob jemand Astrazeneca oder das Biontech-Vakzin verabreicht bekommen hat.

Spahn: Lieber impfen lassen als Covid durchmachen
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Allerdings: Würden bei einer Halbierung der Übertragung alle Maßnahmen beendet, würde die Verbreitung wieder exponentiell ansteigen. "Ohne weitere Maßnahmen" werde es auch in Zukunft nicht möglich sein, die Ausbreitung des Virus weiter einzuschränken. Welche Maßnahmen das sein könnten, blieb im Podcast offen. Lesen Sie hier: Corona-Pandemie – So gefährlich sind die Mutationen

Herdenimmunität ab 80 Prozent Geimpften oder Immunen

An anderer Stelle redeten Drosten und Hennig über die Aussichten auf den Sommer 2021. Der, so hatte es der Virologe am Montag eingeschätzt, "kann ganz gut werden in Deutschland". Die NDR-Redakteurin wollte dazu wissen, was die höhere Übertragbarkeit der Variante B.1.1.7 in diesem Zusammenhang für die Herdenimmuniät bedeute, also jenen Prozentsatz an Geimpften oder Immunen in der Bevölkerung, ab dem sich das Virus nicht mehr exponentiell verbreiten kann.

Biontech-Impfstoff muss wohl nicht an Mutanten angepasst werden
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Drosten schätzte diese Schwelle für die britische Variante bei ungefähr 80 Prozent, betonte aber den modellhaften Charakter dieser Zahl. Es sei etwas müßig, sich an so einer Zahl festzuhalten, auch, weil es weiterhin Maßnahmen gegen die Verbreitung gegeben werde.

Drosten: "Jeder wird immun"

Der Virologe brachte dazu eine weitere Sichtweise ins Spiel, die vor allem für Menschen interessant sein dürfte, die den Wert einer Impfung anzweifeln. Aus Patientensicht sei die Herdenimmunität "ziemlich irrelevant", begann der Virologe. Denn: "Jeder wird immun werden."

Der Wert werde in etwa eineinhalb Jahren 100 Prozent betragen und zwar "unweigerlich". Das werde "entweder durch die Impfung oder durch die natürliche Infektion" geschehen. Das Virus werde "nicht weggehen", so Drosten. Wer sich gegen eine Impfung entscheide, "wird sich infizieren". Das könnte Sie interessieren: Corona-Zahlen: Sind wir bereits über den Berg?

In dem Maß, wie die Maßnahmen zurückgefahren werden, werde das Virus in der Bevölkerung zirkulieren, erklärte Drosten: "Im Rachen von Leuten, die geimpft sind, oder von Kindern unter 12". Es treffe dann immer auch auf Menschen, die nicht immunisiert sind. Für diese gelten dann "die jetzigen Risikoprofile" – inklusive des Risikos einer notwendigen intensivmedizinischen Behandlung.

"Wir werden auch im nächsten Winter noch Leute auf der Intensivstation haben mit einem schweren Covid-19-Verlauf." Das sei keine politische oder ethische Frage. "Diejenigen, die sich aktiv gegen eine Impfung entscheiden, müssen wissen, dass sie sich damit auch aktiv für die natürliche Infektion entscheiden", stellte Drosten "ohne jede Wertung" klar. (pcl)

Das waren die letzten Folgen des "Coronavirus-Update"

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