Oscars 2021: Der Filmpreis wird weiblicher und diverser

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Oscars 2021: Preisverleihung in Pandemie-Zeiten

Oscars 2021- Preisverleihung in Pandemie-Zeiten

Wegen der Corona-Pandemie ist bei der 93. Oscar-Gala vieles anders als sonst. Unter anderem wurde sie von Februar auf den 25. April verschoben - und sie soll an mehreren Orten stattfinden. Für einige Nominierte hat die Ausnahmesituation aber vielleicht sogar einen Vorteil.

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Washington.  Am Sonntag werden die Oscars vergeben. Nach zuletzt harter Kritik hat die Academy für 2021 so viele Frauen wie noch nie nominiert.

Wer einmal in der historischen Fahrscheinhalle der Union Station in Los Angeles mit ihren 18 Meter hohen, herzallerliebst bemalten Decken auf den nächsten Zug gewartet hat, kennt die segensreiche Wirkung der kalifornischen Sonne. Sie macht vieles schöner als es ist.

Das Prachtstück im 82 Jahre alten und just für vier Millionen Dollar renovierten Art-dé­co-Hauptbahnhof ist am Sonntag der Hauptdarsteller der ungewöhnlichsten und nach Herkunft und Geschlecht der Akteure vielfältigsten Oscar-Show seit Langem.

Nachdem die Leistungsshow der Traumfabrikanten Hollywoods mal als zu männlich (#OscarsSoMale) oder zu ethnisch einförmig (#OscarsSoWhite) gegeißelt wurden, hat die 9000 wahlberechtigte Mitglieder aufbietende Academy of Motion Picture Arts and Sciences erneut Nachhilfeunterricht beim Zeitgeist genommen.

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Chadwick Boseman könnte posthum den Oscar bekommen

So sind mit Emerald Fennell (für „Promising Young Woman“) und Chloé Zhao (für den Topfavoriten „Nomadland“) zum ersten Mal im Regiefach zwei Frauen nominiert. Würde Zhao (39) – in Peking geboren, in den USA zu Hause – den Zuschlag für ihr beklemmendes Roadmovie mit Frances McDormand („Fargo“) in der Hauptrolle bekommen, wäre sie nach Kathryn Bigelow („The Hurt Locker“) die zweite Oscar-Regie-Frau.

Und überhaupt: 70 nominierte Frauen in den 24 Preiskategorien – auch das hat es noch nie gegeben. Ein ­weiteres Novum: Noch nie tauchten so viele Nicht-weiße (9 von 20) in den vier Schauspielsparten auf. In der Königsklasse könnte der mit 43 an Krebs gestorbene Chadwick Boseman für seine elek­trisierende Trompeter-Rolle in „Ma Rainey’s Black Bottom“ posthum auf den Schild gehoben werden.

Mit Riz Ahmed („Sound of Metal“) hat zum ersten Mal ein Moslem die Nominierung in der Sparte „bester Schauspieler“ bekommen. Noch eine Premiere: Rund 30 Jahre nach „Das Schweigen der Lämmer“ steht Sir Anthony Hopkins erneut im Rampenlicht.

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Mit 83 ist er für seine bezwingende Darstellung eines Demenzkranken („The Father“) der älteste Nominierte in der Oscar-Geschichte für den Preis des „besten Schauspielers“.

Kontinuität zeigt die Academy bei der Würdigung asiatisch geprägter Stoffe. Nachdem im vergangenen Jahr der Südkoreaner Bong Joon-ho mit seiner Klassenkampf-Killer-Komödie „Parasite“ die Auszeichnung für den „besten Film“ einheimste, ­dürfen sich diesmal Regisseur Lee Isaac Chung und Darsteller Steven Yeun für das Kleinod „Mi­nari“ Hoffnungen machen.

Joaquin Phoenix und Halle Berry gehören zu den Laudatoren

Zurück zur Union Station: Die Produzenten des dreistündigen Oscar-Spektakels um Regisseur Steven Soderbergh haben den Verkehrsknotenpunkt, an dem zu Hollywoods „goldenen Zeiten“ die Stars zu den Dreharbeiten einrollten, zur Hauptbühne der 93. Preisverleihung gemacht.

Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Halle Berry und andere werden hier und nicht im zum Statisten degradierten Dolby Theatre die blank polierten Goldjungs übergeben. Der Ort hat zigfach Kinogeschichte geschrieben – ob in „Blade Runner“, „The Dark Knight Rises“, „Pearl Harbor“, „Charlie’s Angels“ oder „To Live and Die in L. A.“.

Die Show wird für den Zuschauer daheim wie ein echter Filmdreh inszeniert. Schauspieler, die wie bestellt, aber nicht abgeholt wirken und sich wie bei den Golden Globes via Video von der heimischen Couch in die Veranstaltung zoomen, sind verboten.

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