Urlaub auf Sylt wieder möglich - Das sind die Bedingungen

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Sylt-Urlaub: Was das Modellprojekt bedeutet

Sylt-Urlaub: Was das Modellprojekt bedeutet

Unter wissenschaftlicher Begleitung soll ab Mai wieder Urlaub auf der Insel Sylt möglich sein. Ein Modellprojekt sieht Öffnungen bei Restaurants, Geschäften, Pensionen und Hotels vor.

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Berlin  Der Tourismus auf Sylt ist wieder angelaufen. Die Insel ist Teil eines Modellprojekts. So soll Urlaub in Pandemie-Zeiten funktionieren.

  • Im Lockdown sehnen sich viele Menschen in Deutschland nach Urlaub
  • Für Sylt gibt es jetzt gute Nachrichten: Im Rahmen eines Modellprojekts darf die Insel seit diesem Samstag vorsichtig für Touristen öffnen
  • Das sind die Bedingungen für einen Urlaub in Deutschlands Norden

Endlos lange Sandstrände, malerische Dünen und traditionelle Reetdachhäuser: Sylt zählt zu den beliebtesten innerdeutschen Urlaubszielen. Im Zuge der Corona-Pandemie brach auch auf der nordfriesischen Insel der Tourismus ein. Doch nun, nach rund sechs Monaten Pause, sind am Samstagmorgen die ersten Urlauber auf Sylt angekommen. Denn die Insel darf im Rahmen eines Modellprojekts in die Sommersaison starten - und vorsichtig öffnen.

Die ersten Autozüge brachten am frühen Morgen zunächst nur wenige Fahrzeuge auf die Insel. "Wir rechnen in den kommenden Tagen mit einem erhöhten Reisendenaufkommen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB).

Schleswig-Holstein hat neben dem Kreis Nordfriesland mit Sylt noch drei weitere Regionen bestimmt, die trotz Corona den Tourismus wieder anlaufen lassen dürfen: Dazu zählen die Schleiregion mit Eckernförde, Büsum und die innere Lübecker Bucht.

Corona-Urlaub auf Sylt ab Mai möglich: Das sind die Bedingungen

Die ersten Projekte sind bereits am 19. April angelaufen. Auf Sylt ging es am 1. Mai los. Doch Schleswig-Holstein – das Bundesland mit der niedrigsten Sieben-Tage-Inzidenz – verlangt den Touristen viel ab. Urlaub in einer Modellregion heißt: Testen, testen, testen. Gäste müssen bei Ankunft einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Während des Urlaubs müssen sie sich alle zwei Tage erneut kontrollieren lassen. Wer im Innenraum eines Restaurants essen oder trinken möchte, muss einen Negativtest vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist. Es ist ein Experiment unter freiem Himmel. Das Land zwischen den Meeren sucht Antworten auf die Frage, unter welchen Bedingungen die Deutschen trotz anhaltender Pandemie einen sicheren Urlaub verbringen können.

Sylt: Wie viel Normalität dürfen Urlauber erwarten?

Wie viel Normalität dürfen die Urlauber überhaupt erwarten? Sylt hat 20.000 Einwohner und rund 62.000 Gästebetten. Raphael Ipsen, Sylt-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, sagt: „Wir gehen von einer maximal 50-prozentigen Auslastung aus.“ Denn es werden „definitiv“ nicht alle Betriebe beim Modellprojekt mitmachen.

„Einige sagen, dass sie es nicht schaffen, bis zum 1. Mai alles vorzubereiten“, so Ipsen. „Die Küche muss bestückt werden, alles muss gereinigt werden – da ist schon einiges zu tun.“ Unter den Touristen gebe es ebenfalls Vorbehalte – unter anderem wegen der ständigen Tests.

Der Dehoga-Chef glaubt, viele Gäste hätten noch gar nicht mitbekommen, dass reguläre Ferien wie früher auf Sylt sowie Föhr und Amrum, die ebenfalls zur Modellregion Nordfriesland zählen, im Mai 2021 nicht möglich sind. „Das ist Urlaub nach dem Motto: Lass uns mal gucken, dass wir das sicher hinbekommen.“ Immerhin wird Sylt nicht noch teurer. „Die Vermieter freuen sich, dass wieder geöffnet werden kann, und haben so kurzfristig keine signifikanten Preiserhöhungen vorgenommen“, hat die Ferienhaussuchmaschine Home to go ermittelt.

Tourismus trotz Corona: Modellprojekt in Sachsen
Tourismus trotz Corona: Modellprojekt in Sachsen

Modellregion Eckernförde: Corona-Inzidenz sinkt

Ein Blick Richtung Ostsee lässt die Sylter hoffen. Im Hafenstädtchen Eckernförde spazieren bereits seit anderthalb Wochen gut gelaunte Urlauber durch die kleine Fußgängerzone, auf den Restaurantterrassen sitzen sie bei Bier und Wein in der Frühlingssonne, während in den Touristenunterkünften die Telefone im Minutentakt klingeln.

620 Ferienhäuser und -wohnungen, 22 Hotels und 30 Campingplätze rund um Eckernförde sind geöffnet – und der Ansturm ist so enorm, dass die Zeltplätze bereits ausgelastet sind. Eckernförde ist wie Nordfriesland eine Modellregion. Zumindest dort funktioniert das Konzept – die Inzidenz ist seit der touristischen Öffnung trotz Tausender Urlauber aus ganz Deutschland sogar gesunken.

Corona: Urlaub als Modellprojekt

Auf das Tourismus-Modellprojekt beworben hatten sich insgesamt zwölf Regionen. "Die von uns ausgewählten Bewerber haben allesamt gute und ambitionierte Konzepte vorgelegt, mit denen sich nach unserer Überzeugung beweisen lässt, dass ein sicherer Tourismus trotz Pandemie möglich ist", teilte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) mit. Das von Sylt eingereichte Konzept wurde besonders gelobt: Es sei anspruchsvoll und umfassend.

Für den Startschuss des Tourismus in den Regionen gab es konkrete Voraussetzungen: Die Sieben-Tage-Inzidenz muss stabil unter 100 liegen. Zudem sind die Öffnungen an wissenschaftliche Begleitung und die Zustimmung der zuständigen Gesundheitsämter gekoppelt. Weitere Auflagen sind nicht ausgeschlossen.

Sollte es zu einer Überlastung des Gesundheitswesens kommen, ist ein Abbruch der Projekte jederzeit durch das Veto des örtlichen Gesundheitsamts möglich, erklärte Buchholz. Die Modelle laufen zunächst für vier Wochen. Die Möglichkeit auf eine Verlängerung ist aber gegeben.

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Eine erhöhte Test-Kapazität sei Bestandteil der Konzepte, heißt es auf der Webseite des Landes. Nach Angaben von Buchholz dürfen nicht automatisch alle touristischen Betriebe in den ausgewählten Regionen öffnen. Wer mitmachen möchte, muss sich innerhalb des Projekts akkreditieren.

Sylt: Nicht alle Einwohner wollen Touristen willkommen heißen

Dass Sylt bald als Modellregion wieder Urlauberinnen und Urlauber begrüßt, gefällt nicht allen: Ein Inselbewohner hat eine Unterschriftenaktion für einen Einwohnerantrag gestartet, um den Versuch doch noch abzuwenden - und so zu verhindern, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf der Insel mit der wachsenden Mobilität wieder steigt.

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In dem Antrag wird die Problematik hervorgehoben, dass die Inzidenz am Heimatort der Gäste für das Projekt unerheblich ist: Dies sei kontraproduktiv für das Brechen der dritten Corona-Welle. "Auch kann wohl nicht ausgeschlossen werden, dass Sylt Ausgangspunkt zur Verbreitung von noch nicht dominanten Mutationen wird", heißt es weiter. "Es fehlen Mechanismen zum Schutz der Bevölkerung."

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