So funktioniert Kontaktnachverfolgung mit der "luca"-App

Berlin.  Damit der Lockdown endet, müssen Gesundheitsämter in der Lage sein, Corona-Infektionsketten zu verfolgen. Dabei hilft die "luca"-App.

Lesedauer: 7 Minuten
luca-App: Vereinfacht Kontaktverfolgung

Die App luca kann das, was die Corona-Warn-App nicht kann: Die Cluster-Nachverfolgung ist mit luca möglich. Sie kann mit Hilfe eines QR-Codes den Papierkram im Restaurant ersetzen.

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  • Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern sind weitere Lockerungen beschlossen worden
  • Damit Gastronomie und Veranstaltungen wieder stattfinden können, müssen Gesundheitsämter aber in der Lage sein, Infektionsketten nachzuverfolgen
  • Die "luca"-app ist dafür in aller Munde. Lesen Sie hier, wie sie funktioniert und wo sie schon im Einsatz ist

Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert dürfte in Deutschland gerade eine der meistbeachtesten Zahlen überhaupt sein. Sinkt der Wert endlich langfristig unter 50, könnte auch der Lockdown ein Ende finden. Denn unter einer Inzidenz von 50 können die Gesundheitsämter laut Bundesregierung die Nachverfolgung von Infektionsketten leisten.

Instrumente gibt es dafür viele: Gästelisten, Kontaktformulare oder die Corona-Warn-App. Auch wollen Bund und Länder in Gesundheitsämtern flächendeckend die Software Sormas einführen, um die Nachverfolgung zu verbessern.

All das half aber nichts, als im November und Dezember die Infektionszahlen drastisch anstiegen. Viele Gesundheitsämter stießen an ihre Grenzen. Seit Dezember gibt es mit “luca“ aber auch eine App, die einige Instrumente vereinfacht zusammenfassen, die Gesundheitsämter entlasten und dabei auch noch Datenschutz garantieren soll. In mehreren Gesundheitsämtern Deutschlands ist die “luca“-App bereits im Einsatz. Was steckt dahinter?

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Wie funktioniert die "luca"-App?

Für den privaten Anwender gestaltet sich die Nutzung simpel. Einmal aus App- oder Play-Store heruntergeladen, muss man sich mit Namen und Adresse anmelden. Die Telefonnummer wird per SMS-Code verifiziert. Der Prozess dauert keine Minute. Dann kann der Nutzer sich einen QR-Code erstellen, diesen bei einem öffentlichen oder auch privaten Treffen vorzeigen und sich dadurch einchecken. Die App erstellt dann eine Teilnehmerliste mit den anonymisierten QR-Codes. Lesen Sie auch: Corona-Warn-App: QR-Codes für Tests machen weiter Probleme

Der Gastgeber oder Veranstalter kann aber auch selbst QR-Codes, beispielsweise für einzelne Tische im Restaurant erstellen. Die kann der Besucher dann per “luca“-App scannen und ist ebenfalls auf die Teilnehmerliste eingecheckt. Am Ende checkt man sich dann manuell aus oder erlaubt der “luca“-App über eine Standortbestimmung automatisch zu registrieren, wenn der Ort der Veranstaltung verlassen wurde.

Die App kann dadurch die Besuchszeit des Nutzers mit der von anderen Gästen abgleichen. Wird später bei einem der Gäste eine Corona-Infektion festgestellt, fragt das Gesundheitsamt beim Gastgeber die Daten an und informiert alle in Frage kommenden Gäste wiederum über die App.

Die App ist damit einerseits präziser als die bisherigen Zettel auf Restauranttischen, wo Gäste sich oft auch als Mickey Maus oder Donald Trump eingetragen haben. Sie ist aber auch diskreter, weil keine Listen mit echten Adressen herumliegen.

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Wer kann die Daten einsehen?

Laut den Machern hinter der App werden die Daten dezentral auf "ISO-27001 zertifizierten Servern in Deutschland" verschlüsselt, wie es auf der Website hießt. Damit würden die Betreiber eine wichtige gesetzliche Vorgabe der Datenschutz-Grundverordnung erfüllen. Zudem würde sich der Datensatz, bestehend aus Daten des Gastes, des Gastgebers und des Gesundheitsamts, nur bei letzterem zusammensetzen. Und das auch nur, wenn das Gesundheitsamt die Daten offiziell anfragt. Weder Gastgeber, Gast, Dritte noch die App-Betreiber selbst hätten Zugriff darauf.

Auch könne nur das Gesundheitsamt den QR-Code zur Kontaktverfolgung auslesen. Löscht der Nutzer seinen “luca“-Account, kann das Gesundheitsamt laut Angaben der Betreiber dennoch die Daten einsehen, den Nutzer dann aber nicht mehr im Infektionsfall über die App informieren. Auch interessant: Darum zeigt die Corona-Warn-App weniger Risikokontakte

Bisher sind keine Bedenken an der Sicherheit von Luca aufgetaucht. Die Datenschutzbeauftragten in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben sich die App angesehen und keine Probleme gefunden.

Für welche Geräte gibt es die "luca"-App?

Die App ist sowohl für iOS- als auch Android-Smartphones verfügbar. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, sich einen Schlüsselanhänger mit einem QR-Code zu bestellen. Wer möchte, kann sich auch einen temporären QR-Code über die Website der Betreiber, ebenfalls ohne App, erstellen.

Was kostet die "luca"-App?

Für Betreiber und Nutzer ist die "luca"-App kostenlos. Nur für Gesundheitsämter entstehen bei der Nutzung Kosten.

Wo ist die "luca"-App schon im Einsatz?

Die friesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr, außerdem Husum, der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt und Jena in Thüringen nutzen die “luca“-App bereits. Thüringen will sie bald landesweit anbieten. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wirbt bereits für den breiten Einsatz der App. "Wir brauchen neue Wege im Umgang mit der Pandemie", sagte Laschet. In Bielefeld wird der Einsatz von "luca" bereits geprüft. Rostock lässt sich noch vom Datenschutzbeauftragten des Landes beraten, will die App aber möglichst bald einführen. Laschet war auch derjenige, der sich beim Corona-Gipfel am 3. März für die "luca"-App stark machte. Offenbar fand er Gehör. Auch Kanzlerin Merkel erwähnte die App als Beispiel zur digitalen Nachverfolgung von Kontakten und einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge, wollte Finanzminister Olaf Scholz die App gleich komplett kaufen.

Am Montag soll laut Ansage von Laschet und Bundesgesundheitsministerium darüber entschieden werden, welche App zur Kontaktnachverfolgung bundeseinheitlich genutzt wird. Die "luca"-App kann sich aufgrund der Vorschusslorbeeren mehr als berechtige Hoffnungen machen, ausgewählt zu werden. Olaf Scholz erwartet sogar eine "16 zu null"-Entscheidung der Bundesländer für "luca", wie er in der Talk-Sendung von Markus Lanz bekannt gab. Die ganze Folge "Lanz" zum nachlesen gibt es hier: "Markus Lanz": Wer hat die Corona-Politik "verbockt"?

Die verschlüsselten Daten im “luca“-System können offiziell nur durch zuständige Gesundheitsämter entschlüsselt werden. Die App kann also nur an Orten genutzt werden, an denen die zuständigen Gesundheitsämter mitmachen. Auf der Website kann man mit der Postleitzahl überprüfen, ob die App schon im eigenen Gebiet verfügbar ist.

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Ersetzt “luca“ jetzt die Corona-Warn-App?

Die “luca“-App soll laut den Betreibern die offizielle Corona-Warn-App des Bundes nicht ersetzen, sondern ein zusätzliches Werkzeug sein. Auf der Website heißt es: „luca ist eine Lösung, die ein schnelle, datenschutzkonforme Kontaktdatenverwaltung und Kontaktnachverfolgung für private Treffen und öffentliche Veranstaltungen, für Geschäfte und Gastronomie ermöglicht und dabei die Gesundheitsämter einbindet und deren Arbeit erheblich vereinfacht. Somit sind wir ein guter Zusatz zur Corona-App.“

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Wer hat die “luca“-App erfunden?

Entwickelt wurde die App bereits im Dezember 2020 von den Rappern der Fantastischen Vier gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden und den drei Berliner Entwicklern Philipp Berger, Marcus Trojan und Patrick Hennig vom Jung-Unternehmen Nexenio. Das Start-Up hat nahmhafte Partner wie SAP oder die Bundesdruckerei. Rapper Smudo von den fantastischen Vier machte jüngst mit einem bemerkenswerten Auftritt in der Sendung "Anne Will" noch einmal Werbung für die "luca"-App. Der 52-jährige brachte Kanzleramtschef Helge Braun nämlich ordentlich in Bedrängnis. Braun antwortete auf die Frage, warum die “luca“-Funktionen nicht längst in die Corona-Warn-App integriert seien: „Warum muss denn immer alles der Staat anbieten?“ (jas/bef mit dpa)

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