EMA gibt Impfstoff von Astrazeneca für Zulassung frei

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Impfkommission empfiehlt Astrazeneca nur für unter 65-Jährige

Impfkommission empfiehlt Astrazeneca nur für unter 65-Jährige

Die Ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt die Verabreichung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca nur an Menschen zwischen 18 und 65 Jahren.

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Brüssel/Berlin.  Die Europäische Arzneimittelbehörde hat grünes Licht für die Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs gegeben. Die wichtigsten Fakten.

  • Die Europäische Arzneimittelbehörde gibt Vakzin von Astrazeneca für Zulassung frei
  • Bei der Zulassung gibt es keine Beschränkung auf Menschen unter 65 Jahren
  • Derweil setzt sich der Streit zwischen Astrazeneca und der Europäischen Union fort

Auf diese Entscheidung hat Deutschland lange warten müssen: Jetzt kann auch der Corona-Impfstoff des Pharmaunternehmens Astrazeneca bei uns und in der gesamten EU eingesetzt werden. Die EU-Arzneimittelagentur EMA gab am Freitagnachmittag grünes Licht für die Zulassung dieses dritten Vakzins - ohne Einschränkungen für Ältere.

Doch es gibt Ärger, nicht nur wegen der von Astrazeneca angekündigten Lieferkürzung. In Deutschland geht der Impfstreit jetzt erst richtig los. Beim Impfgipfel am Montag dürfte es auch um die zentrale Frage gehen, wer wann welchen Impfstoff bekommt. Das Vakzin von Astrazeneca ist der dritte Impfstoff, der EU-weit eine Zulassung erhalten hat. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was hat die EU entschieden?

Auch Astrazeneca erhält eine begrenzte Marktzulassung für die EU, wie die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Anders als von Experten erwartet hat die Arzneimittelagentur - mit Vertretern aller EU-Staaten - keine Beschränkung auf Jüngere verlangt, das Mindestalter liegt aber bei 18 Jahren. Weil es nur relativ wenig Daten zu klinischen Tests bei Älteren gibt, war diskutiert worden, ob die Zulassung auf Personen unter 65 Jahren begrenzt wird.

Die Behörde betonte aber, es stehe fest, dass der Schutz auch für Ältere gegeben sei; weitere Studien würden erwartet. Allerdings: Für Deutschland hat die Ständige Impfkommission (Stiko) in Berlin schon vorher empfohlen, das Astrazeneca-Mittel wegen der schwachen Datenlage nicht an Menschen über 65 Jahre zu spritzen. Ausliefern will Astrazeneca sein Vakzin ab 7. Februar.

Was sind die Unterschiede zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und anderen Vakzinen?

Bisher sind in der EU die Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Beide sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Bei der mRNA handelt es sich um die Bauanleitung für einen Bestandteil des Corona-Virus. Sie verursacht in körpereigenen Zellen die Produktion eines Virusproteins, gegen das der Körper dann Antikörper entwickelt.

Im Gegensatz dazu setzt das Produkt von Astrazeneca auf eine abgeschwächte Version eines Erkältungsvirus. Dieses enthält genetisches Material des Corona-Erregers, gegen das der Körper nach der Injektion ebenfalls Antikörper produziert.

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Vorteile hat der Astrazeneca-Impfstoff vor allem in Bezug auf die Handhabung: Im Gegensatz zu den bereits zugelassenen Vakzinen muss er nicht tiefgefroren aufbewahrt werden.

Zudem ist er deutlich günstiger als die Mittel der Konkurrenz. Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker hatte die bisher geheim gehaltenen Preise laut Deutscher Presse-Agentur zeitweise auf Twitter veröffentlicht. Demnach kostet eine Dosis des Moderna-Impfstoffs umgerechnet rund 15 Euro, eine von Biontech/Pfizer 12 Euro, eine von Astrazeneca nur 1,78 Euro. Der Tweet wurde später gelöscht.

Ist der Impfstoff von Astrezeneca schlechter als Biontech?

Die Wirksamkeit gegen eine Infektion ist geringer. Die EMA gibt den Schutz auf Grundlage der klinischen Tests mit nur 60 Prozent an. Die Vakzine von Biontech und Moderna kommen auf einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent. Aber: 50 Prozent würde auch reichen, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Als mögliche Nebenwirkungen nannten die EU-Experten Kopf- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Fieber. In Großbritannien und vielen anderen Staaten wird das Vakzin auch bei über 65-Jährigen problemlos eingesetzt. Und: Die Arznei ist vergleichsweise leicht zu handhaben. Es handelt sich um einen Vektorviren-Impfstoff, bei dem ein relativ harmloses Erkältungsvirus genetisch verändert wird.

Worum geht es bei dem Streit zwischen der EU und Astrazeneca?

Das Problem: Astrazeneca kann weniger Impfstoff liefern, als von der Europäischen Union erwartet. Offenbar erhält die EU zunächst nur 31 Millionen Dosen - geplant waren ursprünglich 80 Millionen. Für Streit sorgt dabei besonders, dass Großbritannien und andere Länder außerhalb der EU weiterhin die volle Menge erhalten. Astrazeneca begründet das damit, dass die EU den Liefervertrag drei Monate später abgeschlossen habe als etwa Großbritannien.

Die EU vermutet jedoch, dass eigentlich für die Union vorgesehene Lagerbestände des Impfstoffs in andere Länder exportiert wurden. Laut EU-Kommissionschefin Ursuala von der Leyen hatte das Unternehmen zugesichert, bereits vor Zulassung seines Mittels Impfstoff für die EU auf Lager zu produzieren.

Gestritten wird auch darüber, ob Astrazeneca der Union feste Liefermengen zugesagt hatte. Das Unternehmen bestreitet das, es habe sich lediglich um einen "Best-Effort-Vertrag" gehandelt, in dem man zugesichert habe, so viel Impfstoff wie möglich zu liefern. Die EU-Spitze stellt das anders dar und hat zuletzt auch den mit Astrazeneca geschlossenen Vertrag veröffentlicht, um für Klarheit zu sorgen.

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