Hartz IV: Großteil der Kinder profitiert nicht vom Zuschuss

Berlin.  Kinder aus bedürftigen Familien sollen vom Bildungs- und Teilhabepaket profitieren: Laut einer Studie kommt das Geld aber kaum an.

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Das Angebot der Bundesregierung nehmen kaum Familien wahr.

Das Angebot der Bundesregierung nehmen kaum Familien wahr.

Foto: Jan Woitas / dpa

Nur wenig Kinder profitieren tatsächlich vom Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung, wie aus einer Untersuchung des Paritätischen Gesamtverbands hervorgeht. Die Daten der Bundesagentur für Arbeit und eine Abfrage bei Jobcentern haben ergeben, dass die Gelder bei den meisten Hartz-IV -Haushalten nach wie vor kaum eingehen.

Hartz IV: Mit Zuschüssen soll bedürftigen Familien geholfen werden

Vor knapp zehn Jahren wurde das Bildungs- und Teilhabepaket von der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Leben gerufen. Mit den staatlichen Zuschüssen will die Bundesregierung Geringverdienern unter die Arme greifen: Mit dem Angebot sollen auch Kindern aus Familien, die Hartz IV, Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, Dinge wie Musikunterricht, Nachhilfe, Sportvereine, Mittagessen, Schulmaterial oder Klassenfahrten ermöglicht werden.

Was in der Theorie sinnvoll klingt, gestaltet sich in der Praxis allerdings schwierig: Die Zuschüsse kommen laut Untersuchung nur bei etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler bis zu 14 Jahren an. Laut der Studie haben sich die niedrigen Vorjahreszahlen auch von Mai 2019 bis April 2020 nicht positiv entwickelt, im Gegenteil: Die Untersuchungsergebnisse verzeichnen sogar einen leichten „Rückgang der Quoten“.

„Das Bildungs- und Teilhabepaket ist und bleibt Murks“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Sozialverbands, Ulrich Schneider und bezeichnete die Ergebnisse zudem als ein „Armutszeugnis.“

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Bundesregierung erhöhte die Zuschüsse im August 2019

Dabei hatte die Bundesregierung erst vergangenes Jahr Veränderungen eingeleitet: Die staatlichen Zuschüsse für den Sport- und Musikunterricht wurden von zehn auf 15 Euro monatlich und für den persönlichen Schulbedarf von 100 auf 150 Euro jährlich erhöht. Außerdem ist der Eigenanteil der Eltern etwa für kostenlose Mittagessen in der Schule oder im Hort weggefallen. Geld für Nachhilfe kann sogar dann beantragt haben, wenn die Versetzung nicht unmittelbar gefährdet ist.

Laut Analyse haben aber auch diese Schritte „augenscheinlich in keiner Weise zu einer Verbesserung beigetragen“ – die Teilnehmerzahlen seien nach wie vor „erschreckend niedrig“. In dem Bericht wird allerdings eine Verbesserung im weiteren Verlauf nicht ausgeschlossen.

Staatliche Zuschüsse – warum wird das Geld nicht angenommen?

Viele Kritiker führen die geringen Teilnehmerzahlen auf das komplizierte Antragsverfahren und den Verwaltungsaufwand für Kommunen, Kindergärten, Schulen oder Vereine zurück: Aufgrund dessen würden Familien diesen Schritt selbst bei Bedarf und Interesse nicht gehen. Möglicherweise seien die Angebote der Bundesregierung der Mehrheit der Familien auch einfach nicht bekannt.

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