Warum sich Alicia von Rittberg gerne auf Intuition verlässt

Berlin.  Bambi-Preisträgerin Alicia von Rittberg spricht im Interview über ihren neuen Film, ihre Intuition und die Suche nach dem Lebenssinn.

Alicia von Rittberg ist ab dem 17. September in „Hello Again – Ein Tag für immer“ zu sehen.

Alicia von Rittberg ist ab dem 17. September in „Hello Again – Ein Tag für immer“ zu sehen.

Foto: Elmar Kremser/SVEN SIMON / imago images/Sven Simon

Sie drehte mit Superstar Brad Pitt, war eines der Serien-Gesichter der „Charité“, doch ihr neuer Film stellt Bambi-Preisträgerin Alicia von Rittberg vor ganz neue Herausforderungen: Ihre Figur in „Hello Again – Ein Tag für immer“ (ab 17. September im Kino) wiederholt unfreiwillig einen entscheidenden Tag in ihrem Leben. Doch noch aufregender ist für die 26-Jährige die Realität: In der ist sie auf einer unendlichen Selbstentdeckungsreise.

Hätten Sie nicht selbst Lust, in die eigene Vergangenheit zurückzukehren und ein paar Stellschrauben zu ändern?

Alicia von Rittberg: Ich glaube nicht, dass etwas unbedingt besser wird, wenn man es noch mal macht. Wenn etwas schief läuft, schließt sich die eine Tür und es öffnet sich die andere. Die Dinge kommen so, wie sie kommen sollen. Man sollte aus bestimmten Situationen lieber lernen, anstatt sie zu verändern.

Aber wäre es nicht zumindest schön, Glücksmomente von früher noch einmal zu erleben?

von Rittberg: Ich habe ein Gegenbeispiel. Als Kind war ich im Musical „König der Löwen“. In einer Szene flogen Darsteller mit unglaublich großen bunten Flügeln herein, und in meiner Erinnerung war das das Fantastischste, was ich je gesehen hatte. Als ich 18 war, wollte ich das noch einmal erleben. Und dann kam mir alles so klein und mickrig vor. In der Vorstellung fühlt sich das ganz gut an, Dinge zu wiederholen, aber im realen Leben ist das vielleicht nicht so wünschenswert.

Aber Sie tun das doch bei Dreharbeiten. Da wiederholen Sie immer wieder Einstellungen.

von Rittberg: Das stimmt, aber selbst da habe ich oft im Nachhinein das Gefühl, dass die erste Einstellung die beste war. Die ist zwar nicht wirklich perfekt, aber man ist noch frisch und intuitiv und nicht so verkopft und technisch. Da passieren Dinge, die nicht so bedacht sind. Ich war nie auf einer Schauspielschule, vielleicht bin ich deshalb jemand, die sich gerne auf die eigene Intuition verlässt.

Der Film dreht sich nicht nur um das Thema der Wiederholung. Welche Fragen und Ideen hat er bei Ihnen sonst noch angestoßen?

von Rittberg: Es gibt diesen Satz von Schopenhauer „Du kannst nicht wollen, was du willst.“ Darüber habe ich lange nachgedacht. Die Botschaft ist: Du musst bestimmte Dinge zulassen, weil sie so sein sollen und du sie nicht ändern kannst. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Denn für mich hat das viel mit Toleranz zu tun, wenn man sich nicht wünscht, alles zu verbessern, sondern bestimmten Dingen freien Lauf lässt.

Ist das denn positiv, wenn man über seine eigenen Wünsche keine Kontrolle hat?

von Rittberg: Ich glaube, man kann sich bestimmte Ziele setzen, und auch darauf hinarbeiten. Aber man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man dabei zu sehr an einer bestimmten Vorstellung festhält. Dann ist man ja nie zufrieden.

Wissen Sie denn, welche Wünsche und Ziele für Sie richtig sind?

von Rittberg: Das ist eine große Frage. Ich würde nicht zu 100 Prozent von mir behaupten, dass ich weiß, was für mich richtig ist und wer ich bin. Ich finde sehr großen Gefallen daran, das für mich herauszufinden und mich auch immer wieder neu zu erfinden.

Wie tun Sie das?

von Rittberg: Ich hatte dieses Jahr eine lange Phase, in der ich nicht gedreht habe, und da habe ich mich mit der Frage konfrontiert: Wer bin ich, wenn ich nicht als Schauspielerin arbeite? Woraus hole ich meinen Sinn, wenn nicht aus der Arbeit? Ich bin jetzt dabei, mich neu zu entdecken und dadurch Ruhe zu finden.

Woraus holen Sie sich Ihren Sinn?

von Rittberg: Es gibt zwei Sachen. Das eine ist, dass du dir eine andere Aufgabe suchst. So habe ich einen Goldschmiedekurs gemacht, woran ich unglaublichen Gefallen gefunden habe. Wenn du da eine Idee hast, hast du schon am nächsten Tag das Resultat in der Hand. Das ist für mich wie Meditation. Auf der anderen Seite habe ich es gerade in der Corona-Zeit als Geschenk empfunden, dass ich endlich die Zeit hatte, mich Freunden und Familie zu widmen. Es geht eben nicht darum, immer noch mehr und etwas anderes zu tun.

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