Corona: Sorglosigkeit sorgte für Anstieg der Zahlen

Madrid.  Auf den Kanarischen Inseln steigen nach einer Partynacht die Corona-Zahlen. Die Corona-Fälle steigen weiter – das kann Folgen haben.

Spanisches Festland und Balearen werden Corona-Risikogebiet

Das gesamte spanische Festland sowie die Balearen mit den Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza werden von der Bundesregierung als Corona-Risikogebiet eingestuft. Ausgenommen bleiben die Kanarischen Inseln.

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  • Nachdem es lange Zeit ruhig blieb, stieg die Zahl der Corona-Fälle zuletzt an – die deutsche Regierung hat die Inseln jetzt zum Risikogebiet erklärt
  • Der Grund für den Anstieg führen Politiker auf das Verhalten einiger weniger Partybesucher zurück
  • Demnach habe eine Partynacht mit Superspreadern dafür gesorgt, dass die Kanaren jetzt zum Risikogebiet erklärt werden könnten

Eine lange Partynacht sorgte für eine neue Corona-Welle auf den Kanarischen Inseln, die nun als Corona-Risikogebiet vom RKI eingeordnet worden sind. Das Unheil begann an einem lauen Sommerabend im August, als eine Gruppe junger Leute durch die Diskotheken der spanischen Urlaubsinsel Gran Canaria zog. Lesen Sie dazu: Regierung erklärt die Kanaren zum Corona-Risikogebiet.

Nach steigendem Alkoholkonsum waren alle Vorsichtsmaßnahmen in der Vergnügungszone der Inselhauptstadt Las Palmas vergessen: Masken fielen, Flaschen machten die Runde, es wurde Körper an Körper getanzt.

Kanaren: Steigende Zahlen auf Teneriffa, Gran Canaria und Co.

Die Zechtour in der ersten Augusthälfte hatte fatale Folgen: Die nächtliche Fiesta wurde zur Viren-Schleuder auf der Insel, die bis dahin noch sehr gut durch diesen Corona-Sommer gekommen war. Die Partyteilnehmer verwandelten sich in „Superspreader“ – in Personen, welche mit dem Virus viele andere Menschen ansteckten. Seitdem explodieren die Corona-Erkrankungen auf Gran Canaria, eine der beliebtesten spanischen Ferieninseln deutschsprachiger Urlauber.

Kanaren: Eine Partynacht sorgte für den Corona-Ausbruch

Auf dem Eiland im Atlantik leben 850.000 Menschen, die sich bis dahin relativ sicher vor dem Virus Sars-CoV-2 fühlten. Im letzten Jahr kamen 3,6 Millionen ausländische Urlauber auf Gran Canaria – jeder Vierte kam aus Deutschland. Die „Alemanes“ stellen traditionell das größte Touristenkontingent. Sie lieben diese Insel, weil dort auch im Winter frühlingshafte Temperaturen herrschen.

Doch plötzlich ist Gran Canaria zum Corona-Brennpunkt geworden. Den örtlichen Gesundheitsbehörden zufolge kletterte die wöchentliche Fallhäufigkeit pro 100.000 Einwohner zuletzt auf nahezu 150. Das ist das Dreifache des Schwellenwertes von 50, ab dem Berlin und andere europäische Regierungen Reisewarnungen aussprechen. Lesen Sie hier: Nach der Reisewarnung – wie geht es jetzt auf den Kanaren weiter?

Corona-Risikowert auf den Kanarischen Inseln steigt

Für die gesamten Kanarischen Inseln stieg dieser Risikowert mittlerweile auf 96. Zum Vergleich: In Deutschland lag diese Zahl Anfang der Woche bei etwas über neun – also zehn Mal niedriger.

Anfang August registrierte Gran Canaria nicht einmal 30 aktive Fälle, nun sind es bereits 3000 Infizierte. Die nach Teneriffa zweitgrößte Kanareninsel vereint derzeit mehr als zwei Drittel aller neuen Infektionen auf dem Archipel, zu dem auch die beliebten Urlaubsinseln Fuerteventura und Lanzarote gehören.

Krisentreffen zwischen Regierungschef und Reiseveranstalter Tui

Auf einem Krisentreffen zwischen Insel-Regierungschef Ángel Víctor Torres und dem größten europäischen Reiseveranstalter Tui war die Stimmung am Montag entsprechend gedämpft. Torres stimmte die Urlaubsbranche auf eine Reisewarnung der deutschen Regierung ein, die „absehbar“ sei.

Auch in der Tui-Delegation, die von Vorstand Sebastian Ebel angeführt wurde, ging man bereits seit einigen Tagen davon aus, dass die Kanaren nun ebenfalls auf der schwarzen Liste Berlins der Risikogebiete landen werden.

In den letzten Wochen hatte Torres noch versucht, die Virusgefahr mit einem Appell an die jüngere Generation aufzuhalten, deren ungestüme Partylust für einen Großteil der neuen Ansteckungen verantwortlich gemacht wird. „Auch die Jungen sind nicht unbesiegbar und können im Krankenhaus landen und sterben“, sagte er.

Zu viel Sorglosigkeit könne die touristische Zukunft der Inseln gefährden. Zudem ordnete er die Schließung aller Diskos und Nachtbars an. Auch die Maskenpflicht wurde verschärft. Doch es war zu spät: Die Corona-Welle ließ sich nicht mehr aufhalten.

Die Lage sieht nicht auf allen Inseln schlecht aus

Besonders betroffen sind:

  • Gran Canaria
  • Lanzarote
  • El Hierro stark

Besser ist die Situation auf:

  • Teneriffa
  • Fuerteventura
  • La Palma
  • La Gomera

Auf diesen vier Inseln wurde der Risikowert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner bisher noch nicht überschritten.

La Gomera gehört übrigens zu den Lieblingsinseln Angela Merkels. Die deutsche Bundeskanzlerin machte bereits sechs Mal Wanderurlaub auf dieser Insel. Das letzte Mal war sie Ostern 2018 da.

Tourismus-Hauptsaison soll gerettet werden

TUI-Vorstand Ebel betonte bei seinem Kanarenbesuch, dass die Virus-Ausbrüche vor allem in den größeren Inselstädten registriert werden, „aber nicht in den touristischen Zonen“. So wurden etwa auf Gran Canaria die allermeisten Fälle in der Inselhauptstadt Las Palmas verzeichnet. Ähnlich sieht es auf Lanzarote aus, wo mit Arrecife ebenfalls vor allem die größte Inselstadt betroffen ist.

Reisemanager Ebel wie auch Inselpräsident Torres waren sich einig, dass die Kanaren alles daran setzen müssen, die Fallzahlen wieder deutlich zu senken. Nur so könne die im November beginnende Hauptsaison auf den „Inseln des ewigen Frühlings“ gerettet werden. Während Mallorca vor allem im Sommer besucht wird, sind die Kanaren Europas populärstes Winterziel.

Milliardenverluste in der Tourismusbranche

Doch schon jetzt steht fest, dass die kanarische Tourismusbranche Milliardenverluste einfahren wird. Im vergangenen Jahr waren noch 13,1 Millionen internationale Touristen auf die Vulkaninseln gekommen. Davon stammten 2,6 Millionen aus Deutschland und 4,9 Millionen aus Großbritannien. Im laufenden Jahr wird kaum mehr als ein Drittel des gewohnten Umsatzes erwartet.

Mitte August hatten Berlin und andere europäische Regierungen schon eine Reisewarnung für Mallorca und das gesamte spanische Festland verhängt. Danach hatten noch etliche Touristen von Mallorca nach Gran Canaria umgebucht, in der Hoffnung wenigstens dort einen sorgenfreien Urlaub verbringen zu können.

Auf dem spanischen Festland verschärft sich die Lage weiter

Nun verlieren also auch die Kanaren als letzte spanische Ferienregion ihre Unschuld und werden zur Risikozone. Auch im restlichen Spanien hat sich die Situation weiter verschärft. Derzeit werden landesweit täglich nahezu 7000 neue Erkrankungen registriert. Die siebentägige Fallinzidenz liegt mittlerweile für ganz Spanien bei 101 pro 100.000 Einwohner.

Ende Juli war Großbritannien mit einer Reisewarnung für ganz Spanien mitsamt Quarantänepflicht vorgeprescht. Daraufhin war der britische Tourismus Richtung Kanaren abrupt zum Stillstand gekommen. Nun drohen auch aus Deutschland Massenstornierungen.

Kanarischer Hotelverband klagt über beispiellose Krise

Der kanarische Hotelverband klagt, dass die Branche vor einer beispiellosen Krise stehe. Ein Hotelier warnt: „Wenn der Tourismus stirbt, dann sterben die Inseln.“ Der Feriensektor erwirtschaftet ein Drittel des gesamten Inselwohlstandes und beschäftigt 40 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung. Lesen Sie hier: Spanien Corona-Risikogebiet: Mallorca-Hoteliers droht Aus

In vielen bekannten Urlaubshochburgen, wie etwa im Gebiet Playa de las Americas im Süden Teneriffas, sind bereits ganze Straßenzüge verwaist. Hotels, Restaurants und Geschäfte haben mangels Kunden die Türen verrammelt. Es herrsche, so beschrieb die Lokalzeitung „El Día“ die Lage, „touristische Trostlosigkeit“.

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