Corona: Wo sich viele Menschen anstecken – und wo eher nicht

Berlin.  An welchen Orten geschehen die meisten Übertragungen mit Corona? Das RKI hat die Zahlen analysiert – mit überraschenden Ergebnissen.

Steigende Corona-Zahlen: Das muss jetzt geregelt werden

Mit dem Ende der Feriensaison steigen die Corona-Zahlen in Deutschland. In der Politik wird daher über eine Verschärfung der Maßnahmen und den Umgang mit Reisenden diskutiert, die aus Risikogebieten zurückkehren.

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  • Langsam breitet sich das Virus in Deutschland in der Fläche aus, die Zahl der Neuinfektionen steigt
  • Das RKI hat untersucht, an welchen Orten die meisten Übertragungen stattfanden
  • Vor allem in Altenheimen ist das Risiko besonders hoch

Lange schien die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland unter Kontrolle: Schulen wurden wieder geöffnet, selbst Urlaub im Ausland ist wieder möglich. Von Hotspots ist im August kaum noch die Rede. Doch ein anderer Trend bereitet Wissenschaftlern Sorge: Langsam breitet sich das Virus in der Fläche aus. Und die Zahl der Neuinfektionen steigt – am Samstag sogar wieder auf über 2000 innerhalb eines Tages.

In einem aktuellen RKI-Papier heißt es: „Neben einzelnen spektakulären und bundesweit bekannt gewordenen großen Ausbrüchen sind es insbesondere Übertragungen im familiären und häuslichen Umfeld, die nicht unbedingt zu vielen Folgefällen führen und nur wenige Fälle pro Ausbruch aufweisen, aber offensichtlich sehr häufig vorkommen.“ Aktuelle Nachrichten zum Coronavirus im News-Ticker

RKI: Wo die meisten Corona-Infektionen stattfinden

Laut einer Untersuchung des RKI sind Privathaushalte und Altenheime die Orte, an denen die meisten Corona-Übertragungen stattfinden.

  • Allerdings gab es bei einem Ausbruch zu Hause im Schnitt nur jeweils 3,2 Infizierte – die Übertragung fand also wohl nur auf weitere Familienmitglieder statt
  • Die zweitmeisten Corona-Ausbrüche gehen laut Robert Koch-Institut auf Alten- und Pflegeheime zurück. In diesen Einrichtungen steckten sich bei bei einem Ausbruch im Schnitt fast 19 Personen an
  • Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr beim Ausbruch in einem Flüchtlingsheim – im Schnitt wurden 21 Fälle pro Ausbruch erfasst, so viele wie nirgends sonst
  • Auch am Arbeitsplatz kommt es bei einem Ausbruch mit im Schnitt 14 Fällen zu relativ vielen Ansteckungen
  • Schulen spielen der RKI-Studie zufolge – bislang zumindest – keine Rolle bei den Infektionen. Das RKI ordnet ihnen nur 31 Ausbrüche und 150 Infektionen zu. Lesen Sie hier: Aktuelle RKI-Fallzahlen und Corona-Reproduktionsfaktor
  • Auch Restaurants, Hotels oder Büros sind bislang Nebenschauplätze
  • Ausbrüche in der Bahn lassen sich laut RKI nur schwer ermitteln, da die Identität eines Kontaktes kaum nachvollziehbar sei. In Bussen (5,1 Fälle pro Ausbruch) und Flugzeugen (2,7) ist die Zahl tendenziell eher gering

Zusammenfassend bestätigt sich nach Einschätzung des RKI, dass ein „intensiver und längerer persönlicher Kontakt“ ein höheres Ansteckungsrisiko bedeutet. So führe gemeinsames Wohnen häufiger zu einer Ansteckung als etwa ein gemeinsamer Besuch eines Zoos im Freien. Generell, so das RKI, hätten die massiven Maßnahmen (u.a. Kontaktbeschränkung, Mindestabstand, Maskenpflicht) dafür gesorgt, dass eine Übertragung des Coronavirus im öffentlichen Raum seltener vorkomme.

Daher, so empfiehlt es das RKI, sollte ein Fokus fortan darauf liegen, Infektionsketten vor allem zwischen privaten Haushalten zu unterbrechen. Voraussetzung dafür: die Akzeptanz in der Gesellschaft für die sogenannten AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Zudem könne eine „freiwillige Kontaktreduktion“ weitere Ausbrüche verhindern.

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(yah mit dpa)

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