Iris Berben wird 70 – Warum der Star das nicht feiern will

Berlin.  Iris Berben über ihren bevorstehenden 70. Geburtstag, ihre beiden neuen Fernsehfilme und den Umgang der Filmbranche mit dem Alter.

Iris Berben wird 70! Ein Geburtstagsinterview

Am 12. August 2020 feiert Iris Berben ihren 70. Geburtstag. ARD und ZDF ehren unsere dreifache GOLDENE KAMERA-Preisträgerin mit zwei besonderen Filmen. Wir sprachen mit ihr über ihre Geburtstagspläne, freie Liebe, Drogenerfahrungen und die Herausforderungen der Schauspielerei.

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Für Iris Berben scheint es der ideale Zeitpunkt, Resümee zu ziehen. Abgesehen von einem runden Geburtstag ist sie in zwei TV-Filmen zu sehen („Nicht tot zu kriegen“, ZDF-Mediathek und, „Mein Altweibersommer“, ARD, am 12. August), deren Protagonistinnen an einem Scheidepunkt ihres Lebens stehen.

Doch die 70-Jährige bewertet diese Situation für sich anders, wenngleich sie den analytischen Blick zurück und voraus nicht scheut.

Die zweite Augustwoche dürfte einen der Höhepunkte Ihrer Laufbahn markieren. Sie sind in zwei für Sie maßgeschneiderten TV-Filmen zu sehen, feiern am 12. Ihren 70. Geburtstag. Was machen Sie in diesen Tagen?

Iris Berben: Ich drehe. Vorher war ich sechs Tage in einem Kölner Hotel in Quarantäne, und jetzt geht es endlich wieder los. Das Ganze ist eine ungewohnte Erfahrung, aber ich denke vor allem daran, wie gerne ich wieder arbeiten möchte.

Wenn Sie sich für den Dreh vom Rest der Welt abschotten müssen, wie können Sie dann Ihre Geburtstagsfeier abhalten?

Berben: Unter diesen Umständen kann ich keine Geburtstagsfeier machen.

Sie opfern sich?

Berben: Das ist ein luxuriöses Opfer. Wir haben ganz andere Probleme, es brennt woanders an allen Ecken. Und es ist schwer, die aktuellen Verhaltensweisen unserer Gesellschaft aufzubürden. Ich habe daher eine ganz pragmatische Entscheidung getroffen. Ich habe in meinem Leben so große wunderbare Feste gefeiert, diesmal dann eben nicht. Ich habe einen Tag frei – und das reicht.

Die beiden TV-Filme handeln von zwei Frauen, die ihr eigenes Leben Revue passieren lassen und ein Fazit ziehen. Das kann eigentlich kein Zufall sein.

Berben: Ich war natürlich an der Entwicklung dieser Figuren beteiligt, die für mich geschrieben wurden, aber ich bin nicht erst jetzt in die Selbst- und Eigenanalyse gegangen. Ich nehme mein Leben immer bewusst war, befinde mich in einer ständigen Entwicklung, die nie abgeschlossen sein wird. Und gerade weil ich viel nachdenke, glaube ich nicht, dass ich in meinem Leben viel anders machen würde. Und ich habe auch keine ‚Bucket List’, die ich abarbeiten möchte.

Sie verspüren also nicht die Sehnsucht, vielleicht einmal komplett aus Ihrem Leben auszubrechen so wie Ihre Figur in „Mein Altweibersommer“?

Berben: Nein, aber ich will grundsätzlich bereit sein, Dinge mit neuen Augen zu sehen. Ich will von mir noch erstaunt werden oder erschrocken sein und nicht genau wissen, warum ich so reagiere.

Die Schauspieler-Sängerin, die Sie in „Nicht tot zu kriegen“ spielen, meint „Es geht darum, zu bleiben“. Wie ist es Ihnen geglückt, in dieser Branche so lange zu bestehen?

Berben: Wenn ich das wüsste. Ich bin keine große Strategin, die alles plant. Was ich mitbringe, ist große Leidenschaft und der Respekt vor diesem Beruf und auch die Bereitschaft zu kämpfen, dass man aufgrund eines gewissen Alters nicht plötzlich aus dieser Branche herauskatapultiert wird. Denn es gibt Geschichten mit älteren Menschen, die es sich lohnt zu erzählen. Allerdings sehe ich gerade wieder bedenkliche Tendenzen. Momentan spricht man in der Branche wieder von Risikogruppen und denkt daran, Beteiligte, die ein gewisses Alter erreicht haben, zu reduzieren. Das sind erschreckende Maßnahmen. Ich habe so gesehen ein solches Glück, dass ich weitermachen und auch Leute, die nicht diese Vorteile genießen, mitziehen kann.

Leben wir nicht in einer Zeit, wo Alterszahlen immer mehr an Bedeutung verlieren?

Berben: Wenn ich mir mein eigenes Alter angucke, wirkt das eigentlich absurd. Meiner Mutter mit 90 Jahren ging es genauso. Denn dieses Alter ist ganz anders, als man sich das in jungen Jahren vorgestellt hat. Es geht dabei nicht darum, sich ewige Jugend vorzugaukeln, aber mein Kopf ist immer jung geblieben. Mir geht es darum, wach zu sein, mitmischen zu können und sich auch einzumischen.

Woher kommt dieser Impuls zum ständigen Infragestellen? Ist der vom Himmel gefallen?

Berben: Wenn es einen Himmel gibt, dann hat es wahrscheinlich ordentlich bei mir geregnet. Ich kann es nicht sagen. Meine Mutter hat ein sehr ungewöhnliches und neugieriges Leben geführt. Sie ist früh ins Ausland gegangen, war immer auf Reisen. Das ist sicher ein Gen, das ich mitbekommen habe.

Und dieser Impuls wird Sie auch in den nächsten 20, 30 Jahren anfeuern?

Berben: Ich weiß natürlich, wie viel Zeit ich im besten Fall noch habe, wenn ich gesund bleibe. Und deshalb erlaube ich mir keine Bequemlichkeit. Ich will mein Leben auskosten bis zum Schluss.

Und danach geht es in die nächste Runde?

Berben: Für mich ist es vorbei. Ich sage diesen Satz so ungern, denn wann immer ich damit zitiert werde, dann werde ich mit Reaktionen überflutet. Sie möchten die Post nicht lesen, die ich bekomme. Ich kriege sämtliche Bibeln in allen Formen, ich kriege Ausdrucke aus allen Bibeln, ich kriege Gebete geschickt. Es ist alles zauberhaft, wie viel Mühe sich die Leute machen, aber es ist der Wahnsinn. Deshalb bin ich sehr vorsichtig, mich in dieser Richtung zu äußern. Ich glaube, dass es Energien in diesem All gibt, aber kein anderes Leben. Doch wenn es anders sein sollte, werde ich mich melden.

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