Königshaus

Ist der spanische Ex-König Juan Carlos schon in der Karibik?

Madrid.  Ex-König Juan Carlos soll Spanien verlassen und in die Dominikanische Republik geflogen sein. Es besteht der Vorwurf der Geldwäsche.

Korruptionsverdacht: Ex-König Juan Carlos verlässt Spanien

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere spanische König Juan Carlos hat das Land verlassen. Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte im Juni ein Ermittlungsverfahren gegen Juan Carlos eingeleitet.

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  • Der frühere König Juan Carlos I. soll laut Medienberichten Spanien heimlich verlassen haben
  • Der 82-Jährige ist Medienberichten zufolge in die Dominikanische Republik geflogen
  • Am Montag war die amtliche Ankündigung bekannt geworden, dass Juan Carlos künftig in einem anderen Land leben will
  • Hintergrund ist der Korruptionsverdacht gegen den Ex-König

Der Abstieg des ehemals so beliebten spanischen Königs erreicht eine neue Dimension: Der von einem Skandal um angebliche Schmiergeldzahlungen bedrängte Ex-Monarch Juan Carlos hat offenbar heimlich seine Heimat verlassen.

Unter Berufung aufs Königshaus berichteten der öffentlich-rechtliche Sender RTVE und andere Medien, dass Juan Carlos bereits am Wochenende aus Spanien ausgereist sei – also bevor der Brief des 82-Jährigen an seinen Sohn und Nachfolger Felipe VI. (52) am Montag bekannt wurde, in dem er seine Absicht mitteilte.

Die monarchistische Zeitung „ABC“ will unterdessen erfahren haben, dass der alte König am Montagmorgen von der portugiesischen Stadt Porto in die Dominikanische Republik geflogen ist. In dem Karibikstaat besitzt Juan Carlos’ kubanischer Millionärsfreund Pepe Fanjul, ein steinreicher Zuckerfabrikant, einen luxuriösen Hotelkomplex namens Casa de Campo.

Juan Carlos verlässt Spanien: Ermittlungen gegen Ex-König

Mit seiner Entscheidung wolle er dazu beitragen, die Ausübung des Amtes seines Sohnes als Staatschef zu erleichtern, „angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen“, schreibt Juan Carlos darin in deutlicher Anspielung auf aktuell laufende Untersuchungen der Justiz.

Am 8. Juni hatte das Oberste Gericht in Madrid Ermittlungen gegen Juan Carlos eingeleitet. Sie stehen im Zusammenhang mit einem Skandal um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium.

Immer neue Dokumente, die den Medien zugespielt werden, untermauern zudem den Verdacht, dass er jahrzehntelang Millionen auf Schweizer Geheimkonten versteckte. Die Zeitung „El País“ kommentiert: „Juan Carlos hat akzeptiert, dass er sich zurückziehen muss, um die Monarchie vor den Untersuchungen seiner Konten in Finanzparadiesen zu schützen.“

Laut Anwalt stehe das Ex-Staatsoberhaupt weiterhin der Justiz zur Verfügung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichtshofs in Madrid demnächst vorschlägt, Juan Carlos auf die Anklagebank zu setzen.

Juan Carlos hatte wegen zahlreicher Affären 2014 abgedankt

Juan Carlos hatte im Juni 2014 nach 39 Jahren auf dem Thron abgedankt. Es war ein nicht ganz freiwilliger Abschied: Nach zahlreichen Affären und wachsenden gesundheitlichen Problemen war der Druck immer größer geworden. Das Ende seiner Amtszeit als königlicher Staatschef leitete eine luxuriöse Elefantenjagd im afrikanischen Botswana im Jahr 2012 ein. Dort brach sich Juan Carlos bei einem Stolperunfall nicht nur die Hüfte, sondern war auch noch mit einer Frau unterwegs, die nicht seine Ehefrau, Königin Sofía (81), war.

Die geheimnisvolle blonde Begleiterin, die von Spaniens Medien als „innige Freundin“ beschrieben wurde, entpuppte sich als die 30 Jahre jüngere Deutsche Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Es war eine Luxusaffäre, die auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise ans Licht kam, also zu einer Zeit, als Millionen Familien in Spanien den Gürtel immer enger schnallen mussten. Die Empörung über den König war groß. Juan Carlos musste öffentlich Abbitte leisten: „Es tut mir sehr leid. Das wird nicht mehr vorkommen.“

König Felipe hat mit seinem Vater Juan Carlos gebrochen

All die Affären und Skandale belasten auch das Verhältnis zu seinem rechtschaffenen Sohn. Dass die Beziehung zerrüttet ist, gilt in Spanien als offenes Geheimnis. Im März brach Felipe öffentlich mit ihm und strich ihm das königliche Altersgehalt von 200.000 Euro im Jahr. Dabei sind Juan Carlos’ Verdienste unbestritten. Spaniens ehemaliger Rechtsdiktator Francisco Franco hatte ihn schon 1969 zum Nachfolger als Staatschef bestimmt. Als er 1975 nach Francos Tod das höchste Staatsamt übernahm, nutzte er die Chance – und führte Spanien in die Demokratie.

In welchem Land Juan Carlos in Zukunft leben will, ist unbekannt. In seinem Brief betont er, die Entscheidung habe er „mit tiefen Gefühlen, aber mit großer Ruhe“ getroffen.

Gattin Sofía wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige hatte bereits vor einigen Tagen ihren Sommerurlaub auf Mallorca begonnen. Auf der Mittelmeerinsel werden König Felipe, Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofía (13) am Freitag erwartet. Die „Familia real“ wird wieder in ihrer Sommerresidenz unterkommen, dem Marivent-Palast bei Palma. (mit dpa)

Spanische Königsfamilie – Mehr zum Thema

Nicht nur an Juan Carlos, auch an Spaniens König Felipe gab es zuletzt viel Kritik. Spanische Königsfamilie: Flitterwochen-Skandal am Hof. Im letzten Jahr hatte sich Juan Carlos aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Lesen Sie auch: Proteste gegen das Königshaus: Spaniens Monarchie wankt. (les/dpa)

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