Uschi Glas: „Man muss auch über sich lachen können“

Berlin.  Im Interview spricht Schauspielerin Uschi Glas über ihren Film „Max und die wilde 7“ – und über Selbstironie und Widerspruchsgeist.

In dem Film „Max und die wilde 7“ spielt Uschi Glas eine überkandidelte Schauspielerin, die nostalgisch an ihre Erfolge denkt.

In dem Film „Max und die wilde 7“ spielt Uschi Glas eine überkandidelte Schauspielerin, die nostalgisch an ihre Erfolge denkt.

Foto: Leonine Filmverleih

Eine leicht überkandidelte Ex-Schauspielerin, die nostalgisch an Ihre Erfolge in Winnetou-Filmen denkt – das ist die Rolle von Uschi Glas in dem Familienfilm „Max und die wilde 7“ (ab 6. August im Kino). Doch die 76-Jährige hat nichts dagegen, sich selbst auf die Schippe zu nehmen – denn sie steht mit beiden Beinen fest in der Realität verankert.

Fällt Ihnen Selbstironie nicht schwer?

Uschi Glas: Für mich ist es ganz wichtig, dass man nicht Witze über andere macht, sondern auch sich selbst mit Gänsefüßchen sieht. Man muss über sich lachen können. Das hat auch ein bisschen mit Demut zu tun: ‚So toll bist du auch nicht, reiß dich ein bisschen zusammen.’ Diese Haltung tut einem ganz gut.

Im Film spielen Sie auf Ihre alte Kinovergangenheit mit der Karl May-Rolle Apanatschi an. Kennen moderne Zuschauer die überhaupt noch?

Glas: Es ist verrückt. Bei meiner Autogrammpost kriege ich immer wieder Fotos, die ich unterschreiben soll. Da ist Edgar Wallace darunter, da ist „Anna Maria“ dabei, und auch „Schätzchen“, aber Apanatschi schlägt alle. Da bekomme ich auch Fotos, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

Was für Fans sind das? Die alte Garde?

Glas: Das sind junge wie ältere Leute. Vielleicht liegt das daran, dass der Film so oft im Fernsehen wiederholt wird. Dann sagen sich die Familien: „Den kann man auf jeden Fall anschauen, denn da ist nichts Gefährliches.“ Aber eigentlich ist es mir selbst ein Rätsel.

Im Zentrum des Films steht ein kleiner Junge, der zu dieser Seniorengang eine Freundschaft aufbaut. Wie sieht es mit Ihrem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aus?

Glas: Ich liebe es, mit jungen Leuten zusammen zu sein. Schon als meine Kinder klein waren, habe ich immer ein volles Haus gehabt. Dann habe ich ja meinen Verein brotZeit e.V., mit dem wir rund 11.000 benachteiligte Kindern an Schulen mit einem Frühstück versorgen. Wir sind in acht Bundesländern in zehn Städten aktiv. Und es sind Seniorinnen, die das Frühstück vorbereiten, was ein großes Glück ist. Die erste und dritte Generation kommen ganz toll miteinander aus. Die Kinder fühlen sich geborgen und packen auch mal ihren Kummer aus. Wenn ich an die Schulen komme und da auch mal vorlese, ist das eine Bereicherung für meine Seele. Dafür stehe ich auch gerne um vier Uhr in der Früh auf, wenn ich eine weite Anreise habe.

Lesen Sie auch: Markenzeichen „Schätzchen“: Uschi Glas feiert ihren 75.

Ihre eigene Jugend in der Nachkriegszeit war aber auch von Entbehrungen geprägt. Hätten Sie sich gewünscht, dass Sie es leichter gehabt hätten?

Glas: Es ist bestimmt hart gewesen, vor allem für meine Eltern. Und ich habe als Kind durchaus Benachteiligungen empfunden. Aber ich würde mir das deshalb nicht anders wünschen. Ich habe eben Gott sei Dank meinen Kopf gehabt, und darin steckte Widerspruchsgeist ohne Ende. Wenn jemand gesagt hat, es geht nicht, habe ich gemeint: ‚Moment mal. Warum ist das so?’ Ich wollte mir nichts vorschreiben lassen. Meine Neugierde und die Haltung, sich nichts vorschreiben zu lassen, waren sehr wichtig.

Mit diesem Widerspruchsgeist passten Sie eigentlich wunderbar in die Zeit der Studentenbewegung, zu deren Ikone Sie dank „Zur Sache Schätzchen“ wurden.

Glas: Na ja, bei den Studenten in München haben halt oft die Eltern die Wohnung bezahlt. Die konnten da natürlich gut diskutieren. Ich dagegen musste immer mein Geld selbst verdienen. Ich musste die ersten Schauspielstunden selbst bezahlen, genauso meine Miete und mein Essen. Meine Eltern meinten: „Wenn du nach München gehst, dann musst du selbst für dich sorgen.“ Das würde ich nicht unbedingt jedem wünschen wollen, aber ich habe es dann hingekriegt. Ich konnte es auch nicht ändern. Ich kann mich aber eben auch nicht beschweren.

Auch interessant: Sabine Postel: Die Schauspielerin über Dreharbeiten in Corona-Zeiten

Die junge Generation von heute hat es ja in vielem einfacher. Ist das ein Problem?

Glas: Ich würde nicht sagen, dass es jungen Leuten schlecht gehen muss, damit etwas Gescheites aus ihnen wird. Wobei wir jetzt ja eine Situation haben, wo sich alle Kinder und Jugendlichen, die noch nie eine Not erlebt haben, einschränken müssen – und das auch lernen müssen. Das war wie ein Donnerschlag, aber immerhin ist es kein Krieg.

Weitere Interviews mit Prominenten

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder