Warum „Spiderman“-Star Marisa Tomei Hollywood nicht mag

Berlin.  Die Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei spricht über „The King of Staten Island“ und über Videokonferenzen mit ihrer Familie in New York.

Marisa Tomei auf einem Filmfestival im Februar dieses Jahres in ihrer derzeitigen Wahlheimat Kalifornien.

Marisa Tomei auf einem Filmfestival im Februar dieses Jahres in ihrer derzeitigen Wahlheimat Kalifornien.

Foto: Stefanie Keenan / Getty Images for FIJI Water

Marisa Tomei ist nur ein kleines Rechteck auf dem Computer-Bildschirm. In Zeiten wie diesen gibt es Hollywood-Stars nur über Zoom zu erleben. Die 55-jährige Oscar-Preisträgerin spricht über „The King of Staten Island“ – und darüber, wie sie Videokonferenzen ganz bewusst nutzt, um zumindest ansatzweise ein Gefühl von Zusammenhalt und Nähe zu bekommen.

Normalerweise ist diese Frage eine Floskel, aber in diesen Zeiten hat sie eine andere Bedeutung: Wie geht es Ihnen als New Yorkerin?

Marisa Tomei: Vielen Dank für Ihre Nachfrage und Ihre Anteilnahme. Wir New Yorker sind hart im Nehmen, wobei ich hinzufügen muss: Ich bin seit Anfang des Jahres in Los Angeles. Aber meine Familie lebt in New York, und zwar im Herzen der Stadt. Und ich mache mir wegen ihnen natürlich sehr viele Sorgen.

Sie stehen vermutlich ständig mit Ihren Angehörigen in Kontakt?

Ja, jede Woche machen wir mit der ganzen Familie, Tanten und Cousinen eingeschlossen, eine Zoom-Konferenz, damit wir abchecken, wie es allen geht. Wenn ich sehen kann, wie es ihnen allen geht, geht es mir schon besser. Dadurch fühlen wir alle uns einander näher.

Vermissen Sie das normale Getriebe des Showbusiness? In den USA geht es ja langsam mit den Drehs wieder los...

Die ganzen Premierenfeiern sind nicht so wichtig für mich. Aber ich würde natürlich gerne wieder drehen. Meine Projekte wurden jetzt ständig verschoben. Wobei das Theater meine eigentliche Heimat ist. Meine Eltern haben mich ständig in Vorführungen mitgenommen, weil sie das Theater liebten. So habe ich selbst die Leidenschaft dafür entwickelt. Selbst wenn ich Filme drehe, kehre ich doch immer wieder auf die Bühne zurück – wenn das möglich ist.

Sie sind New Yorkerin, lieben das Theater – fühlen Sie sich dann überhaupt in Los Angeles wohl?

Ich mag LA, aber nicht unbedingt wegen des Filmbusiness. Du musst hier ziemlich viele Hintern küssen, und New Yorker mögen das nicht so sehr. Aber hier ist der Weg in die Natur viel kürzer. Und ich liebe es, in der Natur zu sein und hier Wanderungen zu machen, das hält meine Lebensgeister in Schwung.

Sie spielen eine tragende Rolle in den Spiderman-Filmen. Lieben Sie die großen Spektakel mehr denn kleinere Tragikomödien wie „King of Staten Island“, der jetzt ins Kino kommt?

Für mich macht das keinen großen Unterschied. Zumal ich bei den „Spiderman“-Filmen sowieso keine großen Actionszenen drehe. Meine Figur steckt bedauerlicherweise in ihrem trauten Heim fest. Das heißt, ich drehe da eher intime, persönliche Szenen. Der Regisseur meinte vorher, das würde sich eher wie eine unabhängige Produktion anfühlen, und damit behielt er Recht. Der Unterschied zu einem Film wie „King of Staten Island“ bestand darin, dass dieser auf einer wahren Geschichte beruht und ich die Mutter des Protagonisten spielte. Und ich habe die Frau dann auch kennengelernt.

Und wie war das?

Ich hatte eher ein mulmiges Gefühl. Und sie auch. Als wir uns dann ­gemeinsam mit dem Regisseur trafen, haben wir kaum miteinander gesprochen. Zum Glück hat er dann die Unterhaltung in Gang gebracht.

Sie scheinen fast auf mütterliche Figuren abonniert zu sein – das trifft ja auch auf Ihre „Spiderman“-Rolle zu.

Ich weiß. Ich hoffe, dass ich hier nicht in eine Schublade gepackt werde. Denn ich möchte natürlich das ganze Spektrum weiblicher Rollen spielen können. Aber das Problem ist eigentlich größer. Denn die Leute haben immer noch bestimmte Vorurteile gegenüber Frauen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreichen. Auf einmal legt man sie auf bestimmte Rollen fest – sie bekommen nicht mehr die Chance, ihre ganze Vielseitigkeit zu zeigen. Damit sich das ändert, muss die Gesellschaft ihre Denkschablonen ablegen. Wir brauchen mehr Diversität – in jeder Hinsicht. Aber inzwischen ist in der Gesellschaft etwas auf verschiedensten Ebenen in Bewegung geraten. Und ich bin froh über den Wandel, der sich hier abzeichnet.

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