Coronavirus: Wann öffnen Kitas und Schulen? Alle Infos

Berlin.  Wann startet der Regelbetrieb in Schulen und Kitas wieder? Wer hat Anspruch auf erweiterte Notbetreuung? Die wichtigsten Antworten.

Coronavirus-Irrtümer im Faktencheck

Im Internet kursieren viele Theorien in Bezug auf das Coronavirus. Im Faktencheck können Sie ihr Wissen testen.

Beschreibung anzeigen
  • Rund 15 Millionen Kinder und Jugendliche sind von Schließungen der Kitas und Schulen betroffen
  • Schule und Kitas geschlossen: Das gilt in den einzelnen Bundesländern
  • Notbetreuung und eingeschränkter Regelbetrieb: Wir erklären, was das konkret bedeutet
  • Forderung nach schnellerer Kita- und Schulöffnung: Das ist der Stand der aktuellen Diskussion
  • Finden die Abiturprüfungen statt?

Noch immer können in Deutschland Millionen Kinder nicht wie gewohnt morgens in die Schule oder in die Kita – trotz eingeschränktem Regelbetrieb oder erweiterter Notbetreuung. Seit Wochen werden sie zu Hause betreut und lernen – im besten Fall – gemeinsam mit den Eltern. Die beispiellosen Schul- und Kitaschließung zur Eindämmungen des Coronavirus seit Mitte März haben das Familienleben auf den Kopf gestellt.

Für viele Berufstätige ist die Corona-Krise eine organisatorische – und nervliche – Extremsituation. Millionen von Eltern in Deutschland plagen die Sorgen: Wie bekomme ich den Alltag geregelt, wenn ich meine Kinder komplett selbst betreuen muss? Habe ich Anspruch auf Notbetreuung? Und was bedeutet eingeschränkter Regelbetrieb genau? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann dürfen Kinder wieder in die Kitas? Die Aussichten in den Bundesländern:

  • Baden-Württemberg: In den Kitas gilt ein eingeschränkter Regelbetrieb. Seit dem 18. Mai sollen die Kitas für bis zu 50 Prozent der Kinder geöffnet sein
  • Bayern: Die Hälfte der Kita-Kinder soll bis Pfingsten wieder in den Kitas sein. Nach den Pfingstferien Mitte Juni sollen die Kinder zurück in die Kitas dürfen, die im Schuljahr 2021/22 schulpflichtig werden.
  • Berlin: Bis zum Sommer soll jedes Kita-Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten
  • Brandenburg: Bei Kitas soll ein eingeschränkter Regelbetrieb anlaufen. Das heißt, alle Brandenburger Kita-Kinder sollen ab 25. Mai bis zu den Sommerferien Ende Juni wieder in die Kita gehen können – zumindest tageweise
  • Bremen: Ab 1. Juni werden alle Vorschulkinder wieder in Kitas kommen
  • Hamburg: Kitas gehen seit dem 18. Mai schrittweise in den Regelbetrieb über
  • Hessen: Kitas sollen Anfang Juni allmählich in den eingeschränkten Normalbetrieb übergehen
  • Mecklenburg-Vorpommern: Am 25. Mai soll ein eingeschränkter Einstieg in die Kita-Regelbetreuung erfolgen. Dann sollen Kitas wieder allen Kindern offen stehen
  • Niedersachsen: Die Notbetreuung in den Kitas wird sukzessive ausgeweitet, die Rückkehr zum Regelbetrieb ist für den 1. August geplant
  • Nordrhein-Westfalen: Ab dem 8. Juni startet ein eingeschränkter Regelbetrieb für alle Kinder in Kitas und bei Tageseltern
  • Rheinland-Pfalz: Die Kitas werden bis spätestens zu den Sommerferien für alle geöffnet. Die Sommerferien in Rheinland-Pfalz beginnen am 6. Juli
  • Saarland: In Kitas soll es spätestens bis zu den Sommerferien „wieder einen möglichst regulären Betrieb geben“. Die Sommerferien im Saarland beginnen am 6. Juli
  • Sachsen: Sachsens Kitas haben seit dem 18. Mai im eingeschränkten Regelbetrieb für alle Kinder geöffnet
  • Sachsen-Anhalt: Ab 2. Juni sollen Kitas zu einem regulären Betrieb zurückkehren
  • Schleswig-Holstein: Vom 1. Juni an soll in den Kitas ein eingeschränkter Regelbetrieb gelten
  • Thüringen: Die Kommunen konnten selbst entscheiden, ob sie in den Kindergärten einen eingeschränkten Regelbetrieb anbieten. Bis spätestens 15. Juni soll dieser in allen Kitas starten

Lesen Sie hier: Das sind die Corona-Regeln in den Bundesländern

Wann beginnt der Unterricht in den Schulen? Diese Regeln gelten in den Bundesländern:

  • Baden-Württemberg: Viele Schüler gehen bereits wieder zur Schule. Mitte Juni sollen dann alle Schüler zumindest zeitweise wieder Präsenzunterricht erhalten
  • Bayern: Einige Jahrgänge sind wieder an den Schulen, erst nach den Pfingstferien Mitte Juni sollen alle Schüler zumindest tageweise in die Schule gehen
  • Berlin: Bis Ende Mai sollen alle Schüler mit verringerter Stundenzahl in die Schulen gehen
  • Brandenburg: Allen Schülern wird vor den Sommerferien, der Schulbesuch und die Teilnahme am Präsenzunterricht mindestens tage- oder wochenweise ermöglicht
  • Bremen: An Grundschulen werden alle Klassen schrittweise zurückgeholt. An den weiterführenden Schulen sind einige Klassen bereits zurück, weitere Klassen folgen am 25. Mai
  • Hamburg: Ab dem 25. Mai sollen alle Schüler wenigstens einmal pro Woche Unterricht in der Schule bekommen
  • Hessen: Der Unterricht an den Schulen hat bereits schrittweise begonnen
  • Mecklenburg-Vorpommern: Die Schüler kehren bereits schrittweise in die Schulen zurück
  • Niedersachsen: Schüler kehren nach und nach zurück, vom 15. Juni an haben alle Jahrgänge wieder Unterricht in den Schulen
  • Nordrhein-Westfalen: Schüler kehren schrittweise zurück. Ab Ende Mai sollen alle Schüler tageweise Präsenzunterricht erhalten
  • Rheinland-Pfalz: Der Unterricht hat stufenweise wieder begonnen, alle Schüler sollen bis Mitte Juni wieder zur Schule gehen
  • Saarland: Wie in den Kitas soll es auch in den Schulen spätestens bis zu den Sommerferien „wieder einen möglichst regulären Betrieb geben“. Die Sommerferien im Saarland beginnen am 6. Juli
  • Sachsen: Sachsens Grundschulen können im eingeschränkten Regelbetrieb für alle Kinder öffnen. Schüler an weiterführenden Schulen sollen zumindest teilweise wieder an den Schulen unterrichtet werden
  • Sachsen-Anhalt: Ab 2. Juni sollen Schulen zu einem regulären Betrieb zurückkehren
  • Schleswig-Holstein: Ab dem 25. Mai soll für weitere Jahrgänge wieder die Schule beginnen. Das gilt für die Klassen 1 bis 3 an den Grundschulen sowie die Jahrgänge 8, 9 und 10 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien
  • Thüringen: In den Schulen sollen spätestens nach Pfingsten wieder alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen können

Was bedeutet erweiterte Notbetreuung in Kitas und Schulen?

Die Kommunen in den deutschen Bundesländern haben für Schulen und Kitas eine Notbetreuung organisiert. Sie sollte die Betreuung für Kinder sicherstellen, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu zählen etwa Anstellungen in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, bei Polizei, Justiz oder Feuerwehr.

Nach und nach haben die Bundesländer den Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert. So wurden beispielsweise weitere Berufsgruppen hinzugenommen, der Notbetreuungsanspruch auf Kinder von Alleinerziehenden erweitert oder bei drohender Kindeswohlgefährdung.

Die Ausgestaltung der Regeln im Einzelnen obliegt den Bundesländern. Hier finden Sie weitere Informationen:

Was bedeutet „eingeschränkter Regelbetrieb“?

Der eingeschränkte Regelbetrieb ist Phase 3 von 4 des Planes zur Wiedereröffnung der Kitabetreuung, auf den sich die Familienminister- und -ministerinnen von Bund und Ländern geeinigt haben. Im eingeschränkten Regelbetrieb dürfen auch wieder Kinder in die Kitas gehen, die nicht unter die Notbetreuungsregeln fallen. Gleichzeitig dürfen aber nicht alle Kapazitäten der Kitas ausgenutzt werden. Wie genau die Kita-Plätze begrenzt werden, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

In manchen Bundesländern, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Berlin, dürfen zuerst die Vorschulkinder in die Kitas zurückkehren. Andere Bundesländer wie Brandenburg werden alle Kinder zurück in die Kitas lassen. Diese müssen sich jedoch tageweise abwechseln. In Hessen kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dagegen an, dass sich der eingeschränkte Regelbetrieb von Kita zu Kita unterscheiden könnte.

Wann die Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb starten ist ebenfalls von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Als bundesweites Ziel gilt, dass bis zu den Sommerferien jedes Kind mindestens einmal in der Woche wieder eine Kita besuchen kann.

Schnellere Öffnung von Kitas und Schulen: Wie sieht die aktuelle Diskussion aus?

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland dazu aufgerufen, Kindergärten und Schulen trotz der Corona-Pandemie umgehend vollständig zu öffnen.

„Insbesondere bei Kindern unter zehn Jahren sprechen die aktuellen Daten sowohl für eine geringere Infektions- als auch für eine deutlich geringere Ansteckungsrate.“ Im Gegensatz dazu seien die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Schließung gravierend, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Papier.

Politiker äußern sich kontrovers zu diesem Thema. Das sind die Positionen:

  • Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht den Vorschlag der medizinischen Fachverbände skeptisch. Die Kinderärzte meinten es sehr gut, schrieb Lauterbach bei Twitter. Leider sei es aber falsch, dass Kinder eine geringe Bedeutung für die Pandemie hätten. Sie steckten sich und andere pro Kontakt weniger oft an. Da sie aber so viele Kontakte hätten, sei der Gesamtanteil wahrscheinlich hoch.
  • Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kann sich hingegen unter Umständen eine schnellere Komplettöffnung von Kitas und Schulen vorstellen. „Wenn sich wirklich bewahrheiten sollte, dass Kinder eine geringere Infektions- und Ansteckungsrate haben, können wir anders über die Rückkehr zum vollständigen Regelbetrieb diskutieren“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Noch gebe es dazu aber „keine gesicherten Erkenntnisse“, fügte sie hinzu.
  • FDP-Chef Christian Lindner fordert mehr Tempo bei der Öffnung von Schulen und Kitas. „Wenn vier medizinische Fachgesellschaften dazu aufrufen, Kitas und Schulen vollständig zu öffnen, muss die Politik so schnell wie möglich reagieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Corona-Krise dürfe nicht länger auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen werden. Es brauche „schleunigst kluge und mutige Stufenpläne“, wie Schulen und Kindergärten schneller zurück in den Unterricht geführt werden könnten.

Kann ich zu Hause bleiben, wenn die Schule oder Kita meines Kindes geschlossen ist?

Das Bundesarbeitsministerium weist darauf hin, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zur Betreuung ihrer Kinder eigentlich nur kurz, also zwei oder drei Tage, ohne Lohneinbußen ihrem Arbeitsplatz fernbleiben können. Voraussetzung ist, dass sie ihre Kinder nicht anderweitig betreuen lassen können, etwa von Partnern, Freunden oder Nachbarn. Nach diesen ersten Tagen müssen die Arbeitgeber rein rechtlich niemanden entlohnen, der oder die wegen der Kindesbetreuung nicht arbeitet.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte zu Beginn der Schul- und Kitaschließungen daher eindringlich an alle Firmenchefinnen und Behördenleiter appelliert, zusammen mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen großzügige, unbürokratische und einvernehmliche Lösungen zu finden: „In dieser Krise müssen alle zusammenstehen.“

Arbeitnehmer bat er, wenn nötig und möglich, Überstunden abzubauen oder kurzfristig Urlaub zu nehmen. Alternativen seien auch das Arbeiten zuhause oder „kreative Arbeitszeitmodelle“. Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) rief zu Solidarität und Eigeninitiative auf. Freunde, Bekannte oder Nachbarn sollten sich unterstützen und aufeinander achten.

Bekomme ich Corona-Lohnfortzahlung, wenn ich keine Betreuung habe?

Eltern können bis zu 67 Prozent ihres Lohns vom Staat erhalten, wenn sie Kinder unter zwölf Jahren während der Pandemie wegen geschlossener Kitas und Schulen zu Hause betreuen müssen und deshalb Einkommensverluste haben. Die Leistung ist aber begrenzt auf 2016 Euro für einen vollen Monat.

Zur weiteren Entlastung von berufstätigen Eltern hat das Kabinett die Verlängerung der Lohnfortzahlung beschlossen. Statt bisher höchstens sechs Wochen je Elternteil soll der Lohnersatz künftig maximal zehn Wochenlang pro Elternteil gezahlt werden. Alleinerziehende haben sogar Anrecht auf maximal 20 Wochen Lohnersatz.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ von den Plänen berichtet. „Das gibt die nötige Sicherheit in ungewisser Lage“, sagte der Minister. „Berufstätige Eltern tragen derzeit eine große Last. Solange Kindergärten und Schulen nicht wieder verlässlich für alle geöffnet sind, brauchen hier viele unsere besondere Unterstützung.“

Sind die Abiturprüfungen in Gefahr?

Die Abiturprüfungen finden statt. Darauf haben sich die Länder auf der Kultusministerkonferenz geeinigt. In den meisten Bundesländern laufen aktuell die schriftlichen Abiturprüfungen oder haben sogar bereits stattgefunden. In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Notfallplan, der vorsieht, dass Schüler, die wegen der Quarantäne-Regelungen die Abiturprüfung nicht schreiben können, die Klausuren an einem zentralen Nachschreibetermin nachholen.

Der Deutsche Hochschulverband fordert einen Noten-Bonus für den Fall, dass das diesjährige Abitur infolge der Corona-Krise schlechter ausfallen sollte als im Durchschnitt der letzten Jahre. „Für den Abiturjahrgang 2020 darf kein Nachteil entstehen“, sagte Verbandspräsident Bernhard Kempen unserer Redaktion.

Was bedeutet häusliche Quarantäne? Mehr erfahren Sie hier.

Wie viele Menschen sind in Deutschland von der Schul- und Kita-Schließung besonders hart betroffen?

Bei mehr als 2,2 Millionen Kindern bis 16 Jahren bundesweit sind beide Eltern oder das alleinerziehende Elternteil in Vollzeit beschäftigt. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor, die die Linke im Bundestag angefragt hatte.

In Westdeutschland sind es rund 1,1 Millionen Kinder bis 16, bei denen beide Eltern vollzeittätig sind, dazu kommen mehr als 410.000 Alleinerziehende in Vollzeit. Bei 4,1 Millionen ist ein Elternteil vollzeit- und eines teilzeitbeschäftigt. Bei den Alleinerziehenden in Westdeutschland sind es knapp 600.000, die in Teilzeit arbeiten.

In Ostdeutschland sind bei rund 570.000 Kindern beide Eltern voll beschäftigt, bei 180.000 ist das beim alleinerziehenden Elternteil der Fall. Ein Elternteil in Voll- und eines Teilzeitbeschäftigung – so ist die Situation bei 640.000 Kindern bis 16 in Ostdeutschland. 160.000 Alleinerziehende sind in Teilzeitbeschäftigung.

(fmg/dpa/afp)

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