Erschossener Mann auf A10 soll in Polen Frau getötet haben

Potsdam.  Polizisten haben auf der A10 bei Berlin einen bewaffneten 25-Jährigen erschossen. Der Mann war in Polen zur Fahndung ausgeschrieben.

Polizisten stehen auf der A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf nordöstlich von Berlin auf der Fahrbahn. Zuvor hatten Polizisten dort bei einer Fahrzeugkontrolle einen Mann erschossen.

Polizisten stehen auf der A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf nordöstlich von Berlin auf der Fahrbahn. Zuvor hatten Polizisten dort bei einer Fahrzeugkontrolle einen Mann erschossen.

Foto: Christopher Harms / dpa

Weil er bei einer Verkehrskontrolle durch die Polizei offenbar eine Waffe gezogen hatte, haben Beamte am Mittwochnachmittag auf der A10 bei Berlin einen Mann erschossen. Bei dem getöteten 25-Jährigen handelt es sich nach vorläufigen Erkenntnissen um einen von der polnischen Polizei gesuchten Tatverdächtigen. Die Identifizierung des Mannes sei aber noch nicht vollständig abgeschlossen, so Polizeisprecher Torsten Herbst.

Laut Polizei war der Mann gegen 15.30 Uhr an der Anschlussstelle Hellersdorf auf der A10 nordöstlich von Berlin gestoppt gestoppt worden. Die polnischen Kennzeichen seines Wagens waren wegen eines mutmaßlichen Tötungsdeliktes im Nachbarland zur Fahndung ausgeschrieben. Auch der Mann stand auf der Fahndungsliste, wie sich später herausstellte.

Polizei erschießt Verdächtigen – Mann soll Ukrainerin zuvor erschossen haben

Der Fahrer soll nach Polizeiangaben mit einer Waffe auf die Beamten gezielt und sie auch nach mehrmaligem Auffordern nicht weggelegt haben. Beide Beamte hätten daraufhin mehrfach auf den Mann geschossen und ihn tödlich verletzt. Der Mann feuerte nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse ab.

Polizeisprecher Herbst zufolge setzten die Polizisten ihre Waffen „absolut rechtmäßig“ ein. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) habe die Ermittlungen aufgenommen. Das ist laut Herbst das Standardprozedere, wenn Polizisten ihre Schusswaffe einsetzen und dadurch Menschen verletzten oder töten. Der Vorfall werde wie ein Mord untersucht, die Staatsanwaltschaft ermittle dann zwangsläufig.

Nach Angaben der polnischen Polizei hatte der bewaffnete Mann zuvor gegen 13 Uhr eine Wäscherei in Gorzow in der polnischen Woiwodschaft Lebus betreten, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Frankfurt (Oder). Dort feuerte er einen oder mehrere Schüsse auf eine 26-jährige Ukrainerin ab und tötete sie dadurch. Nach bisherigen Erkenntnissen erschoss der Mann sie wohl aus verschmähter Liebe.

„Es gab wohl einen emotionalen Hintergrund für die Tat“

Vorläufige Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt in Polen hätten ergeben, dass sich Täter und Opfer kannten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Gorzow. „Es gab wohl einen emotionalen Hintergrund für die Tat.“ Nach Informationen der polnischen Boulevard-Zeitung „Super Express“ verliebte sich der Täter in die junge Ukrainerin – diese habe seine Liebe aber nicht erwidert.

Bei der Tatwaffe handele es sich um eine Vorderladerpistole, die sich der Mann in einem Laden besorgt habe. Diese Nachbauten historischer Handfeuerwaffen sind in Polen nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft frei verkäuflich. Ob der Täter aus der Waffe einen oder mehrere Schüsse abgegeben habe, sei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Frau starb durch Kopfschuss

Die Obduktion der Leiche habe gezeigt, dass die Frau durch einen Schuss in den Kopf starb. Die Frage, warum der Mann nach der Tat Richtung Deutschland gefahren sei, sei noch nicht geklärt. Ob der Täter zuvor der Polizei bekannt war, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Wegen der Fahndung habe man alle umliegenden Polizeiwachen informiert, darunter auch die deutsche Seite. Nach Worten eines Polizeisprechers in Potsdam wird in solchen Fällen das gemeinsame Zentrum der deutsch-polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Frankfurt (Oder) informiert, die das Fahndungsersuchen an die deutschen Polizisten weitergibt.

In Brandenburg liefen am Donnerstag noch die Ermittlungen, um die Identität des Mannes zweifelsfrei festzustellen. Kriminaltechniker untersuchten den Tatort den Angaben nach bis etwa 3 Uhr in der Nacht. Die Leiche des Mannes sollte obduziert werden. Sein Wagen wurde beschlagnahmt. Experten waren im Einsatz, um die abgefeuerten Schüsse nachzuvollziehen.

Polizisten werden psychologisch betreut

Die beiden Polizisten wurden bereits am Donnerstag nach ihrer ersten Aussage psychologisch betreut, wie Polizeisprecher Herbst sagte. Demnach sind sie vorerst vom Dienst freigestellt. Wie lange, sei vom Einzelfall abhängig – jeder gehe anders mit solch einem Ereignis um, erklärte Herbst.

Im vergangenen Jahr erschossen Polizisten in Deutschland elf Menschen, wie aus Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht. Für 2017 hatte die Hochschule noch 14 Fälle von tödlichem Schusswaffengebrauch gezählt. (dpa/ba/küp)

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