Angst vor Unfällen: Kassenärzte wollen E-Scooter-Verbot

Berlin.  Andauernd Verletzte: Kassenärzte sehen in E-Scootern ein reales Gesundheitsrisiko. Der Verbandschef will nun ein komplettes Verbot.

Sind E-Scooter zu gefährlich, als dass sie überhaupt genutzt werden dürfen? Die Kassenärztliche Vereinigung will ein Verbot.

Sind E-Scooter zu gefährlich, als dass sie überhaupt genutzt werden dürfen? Die Kassenärztliche Vereinigung will ein Verbot.

Foto: Christian Charisius / dpa

Für die einen sind sie eine schnelle Fortbewegungsvariante, für die anderen ein riesiges Ärgernis: E-Scooter bestimmen seit wenigen Wochen das Bild in vielen deutschen Großstädten. Einhergehend damit bestimmen sie aber auch die Polizeimeldungen, die Behörden jeden Tag absetzen. Dauerthema: Verletzte Rollerfahrer.

Dass sie ein ernsthaftes Gesundheitsproblem sind, erklärte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Andreas Gassen fordert entsprechend ein Verbot – und zwar ein vollständiges: „Nur das würde helfen, Verletzungen zu vermeiden“, sagte Gassen der Zeitung. „Aus medizinischer Sicht sind sie einfach zu gefährlich, also weg damit.“

In einer Online-Befragung zeigten sich zahlreiche Deutsche nun ängstlich gegenüber den Rollern. Dabei gaben Befragte an, dass sie als Fußgänger vor den E-Scootern mehr Angst hätten als vor Fahrradfahrern oder Autofahrern.

E-Scooter gefährlich? Kassenärzte wollen Komplett-Verbot

Die Blessuren reichen von kleinen Schürfwunden bis zu Todesfällen – er kritisiert die Politik, die E-Scooter überhaupt zugelassen zu haben – „unverantwortlich“ sei dies. „Überall dort, wo diese Fahrzeuge inzwischen rumfahren, haben wir deutlich mehr Verletzte.“

Gerade hatte zum Beispiel eine Hamburger Innenstadt-Klinik alarmierende Zahlen öffentlich gemacht: Seit Einführung der E-Tretroller in Hamburg sind in der Innenstadt-Klinik St. Georg 35 Verletzte nach Unfällen mit diesen Fahrzeugen behandelt worden.

Jeden Tag neue Zwischenfälle – von klein bis lebensbedrohlich

Die Polizei meldet jeden Tag neue Vorfälle in Zusammenhang mit E-Scootern. Drei Beispiele vom Wochenende:

  • Ein 17-Jähriger aus Essen wollte mit einem Kumpel betrunken E-Scooter fahren, das gelang ihm nicht, er fuhr allein. Beamte sprachen ihn an, dass das ohnehin zu zweit verboten sei. Er wurde ausfällig, wehrte sich dann gegen eine Festnahme.
  • In Hannover krachte ein betrunkener 20-Jähriger mit einem E-Scooter gegen einen Laternenmast. Dabei verletzte sich der Mann leicht.
  • Ein Betrunkener soll in Münster versucht haben, seinen Unfall mit einem E-Scooter als Raubüberfall auszugeben. Der 48-Jährige habe die Polizei alarmiert und behauptet, bei einem Überfall verletzt und ausgeraubt worden zu sein. Die Ermittler entdeckten einen E-Scooter mit Blutspuren und die angeblich geraubten Wertsachen des Mannes. Er hatte 2,1 Promille.

Verbotsvorstoß: Nicht nur Zustimmung

Mit seinen Aussagen erntet Gassen nicht nur Zustimmung: „Ein Verbot der E-Tretroller so kurz nach der Einführung zu fordern ist Quatsch“, erklärte Unfallforscher Siegfried Brockmann der „NOZ“. Man müsse mit Kontrollen und Bußgeldern arbeiten. Der Städtetag hatte erst kürzlich mehr Polizeikontrollen gefordert. Die häufigsten Probleme sind:

  • das Befahren von Fußwegen anstatt von Straßen und Radwegen
  • das alkoholisierte Fahren mit den Rollern
  • die Mitnahme einer weiteren Person auf den Scootern

36 Prozent der Deutschen haben Angst vor E-Scootern

Doch nicht nur die Kassenärzte sehen die E-Scooter kritisch. Wie eine Online-Studie der Plattform „ScooterExperten“ zeigt, haben auch viele Deutsche Angst vor den Risiken, die E-Tretroller mit sich bringen. In einer repräsentativen Umfrage der Ratgeberplattform wurden 2000 deutsche Onlinenutzer zu Gefahren und Risiken von E-Scootern befragt.

36 Prozent der Befragten gaben auf die Frage „Vor welchen Fortbewegungsmittel haben Sie als Fußgänger im Straßenverkehr Angst?“ an, die Tretroller als größte Gefahr anzusehen. Dabei stehen laut der Studie vor allem ältere Menschen dem neuen Fortbewegungsmittel kritisch gegenüber. 46 Prozent der Umfrageteilnehmern die 55 Jahre oder älter sind fühlen sich aufgrund der E-Scooter nicht sicher.

Erstaunlich sei vor allem, dass die Befragten Autos und Fahrräder mit einem geringeren Risiko bewerteten. Nur 31 Prozent der Deutschen denken, dass von diesen Verkehrsteilnehmern Gefahr ausgeht. Bei persönlichen Gespräche mit den Umfrageteilnehmern habe sich laut E-Mobilitätsexperten Igor Smeljanski von „ScooterExperten“ gezeigt, dass es vor allem die Angst vor Neuem und Unbekannten ist, die die Skepsis gegenüber den E-Tretrollern auslöst.

Peter Altmaier hatte gerade erste „Freiheit“ für E-Scooter gefordert statt neuer Regeln. Umstritten ist, wie gut die Roller eigentlich für die Umwelt sind. SPD-Umweltexperten erklären, sie seien nicht gut für die CO2-Bilanz. Bundesverkehrminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zum härteren Vorgehen bei Verstößen mit E-Tretrollern aufgerufen und die Städte um Hilfe gebeten.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat sich am Wochenende auch zu einem anderen Thema geäußert – dem Volkssport Praxisbesuch. Weil viele viel zu oft zum Arzt gehen, soll es Gebühren und Strafen geben, findet der Chef. (ses)

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