Hubschrauber der Bundeswehr stürzt ab – Soldatin stirbt

Aerzen  Eine Soldatin ist beim Absturz eines Hubschraubers der Bundeswehr in Niedersachsen gestorben. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar.

Nahe des Waldstücks war der Bundeswehrhubschrauber abgestürzt.

Nahe des Waldstücks war der Bundeswehrhubschrauber abgestürzt.

Foto: LEON KUEGELER / Reuters

Schon wieder ein Unglück: Nur eine Woche nach der Kollision von zwei Kampfjets des Typs Eurofighter haben die Soldaten der Bundeswehr abermals einen schweren Unfall mit Todesfolge zu beklagen. Am Montag stürzte ein Hubschrauber bei Aerzen in Niedersachsen in ein Kornfeld am Waldrand der kleinen Ortschaft Dehm­kerbrock ab.

Das bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin. Es handelt sich um einen Schulungshubschrauber.

Ein Soldat hat das Unglück überlebt, eine Soldation starb – insgesamt waren zwei Menschen an Bord. Die Bundeswehr hatte sich zunächst nicht zu Schicksal und Identität der Insassen geäußert, schon zum Schutz der Verwandten; die Nachricht sollten sie nicht aus den Medien erfahren.

Verteidigungsministerin flog zum Unglücksort

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eilte am späten Nachmittag zum Unglücksort im Süden Niedersachsens. „Unsere Gedanken, unser Mitgefühl, unsere Trauer ist heute mit den Angehörigen der Familie, den Freunden und den Kameradinnen und Kameraden der Soldatin“, sagte sie in der Nähe der Unglücksstelle und bestätigte damit erste Medienberichte, wonach es sich bei der Toten um eine Soldatin handelt.


Beide Soldaten seien erfahren und ausgebildet auf diesem Hubschraubertypus, sagte die Ministerin. Auch sie betonte: „Die Absturzursache ist bisher vollkommen unklar.“

Es war eine Maschine der Heeresflieger. 30 Kilometer von der Absturzstelle entfernt bilden sie in Bückeburg ihre Piloten aus. Hier, an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen, sind sie auch häufig mit dem Tiger, mit dem NH90 oder auch mit dem zweimotorigen Mehrzweck-Helikopter EC 135 der Firma Eurocopter, der gestrigen Unglücksmaschine, zu Übungsflügen unterwegs.

Hubschrauber-Absturz in Dehmkerbrock: Brände ausgebrochen

Der Hubschrauber stürzte laut Polizei um 13.55 Uhr in der Nähe eines Waldgebiets ab. Er soll voll ausgebrannt sein. Ein Sprecher der Gemeinde Aerzen sagte, dort seien Brände ausgebrochen. Die Feuerwehr sei im Einsatz.

Die Rettungsdienste eilten herbei und sperrten das Gebiet weiträumig ab. Ein Rettungshubschrauber der Bundeswehr landete am Unglücksort und setzte ein Notarztteam ab. Ein weiterer Bundeswehr-Hubschrauber kreiste zeitweise über der Absturzstelle.

Einheiten der Feuerwehren aus den nahe gelegenen Landkreisen Hameln-Pyrmont und Hildesheim sowie der Stadt Hildesheim wurden alarmiert. Die Spezialisten mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken bauten einen Dekontaminationsplatz auf. Das ist Routine. Bei einem Brand können gesundheitsschädliche Fasern, zum Beispiel von Karbon, freigesetzt werden. Die Bevölkerung wurde gebeten, die Absturzstelle zu meiden. Es bestehe Gesundheitsgefahr, warnte die Bundeswehr.

War es ein technischer Fehler?

Gewöhnlich wird der EC 135 zur Luftrettung und zu Überwachungsflügen eingesetzt. Die abgestürzte Maschine war ein Schulungshubschrauber. Nach unbestätigten Informationen wurde kurz vor dem Absturz der Tiefflug geübt. Die genaue Unglücksursache ist allerdings unbekannt. War es technisches Versagen, war es ein menschlicher Fehler? Für die Unfalluntersuchung ist – wie immer – der „General Flugsicherheit“ zuständig.

Diese Google-Karte zeigt den ungefähren Absturzort des Hubschraubers.

Bückeburg ist ein internationales Ausbildungszentrum, das unter dem Kommando von Brigadegeneral Ulrich Ott steht. Die Heeresflieger unterhalten dort den Flugplatz Achum und haben noch weitere drei Außenlandeplätze, unter anderem einen bei Aerzen, in dessen Nähe die Unglücksmaschine abgestürzt ist.

Außerdem nutzen die Heeresflieger den französischen Militärflugplatz Le Cannet des Maures, wo die Piloten im Tiger ausgebildet werden. Das ist der Kampfhubschrauber, der für UN-Einsätze in Mali geflogen wird, wo es erst im Juli 2017 zu einem tödlichen Absturz kam, damals aufgrund eines Herstellerfehlers.

Bittere Ironie des Schicksals: Just gestern hat in Mecklenburg-Vorpommern das Luftgeschwader 73 „Steinhoff“ den vermeintlich regulären Betrieb wieder aufgenommen, zwei Starts am Tag – eine gute Woche, nachdem am 24. Juni zwei Eurofighter bei einer Kampfübung kollidiert und abgestürzt waren. Ein Pilot hatte sich damals retten können, einer war verstorben. Beide Piloten hatten den Schleudersitz betätigt.

Der Betrieb konnte so schnell wieder aufgenommen werden, weil man nicht von einem technischen Defekt ausgeht, wie der Kommodore des Geschwaders, Gero von Fritschen, am Montag der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Bei einem technischen Defekt würden sich die Untersuchungen und Vorsichtsmaßnahmen länger hinziehen, eben bis zur zweifelsfreien und endgültigen Klärung der Ursache.

Seit Jahren macht die Bundeswehr Schlagzeilen mit Pannen und defekten Geräten – bei jedem Unfall stellt sich geradezu reflexartig die Materialfrage. Auch die Engpässe bei der Pilotenausbildung waren immer wieder ein Thema in der Truppe, insbesondere bei Hubschraubern.

Erst Anfang des Jahres hat der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) in seinem Bericht beklagt, dass Hubschrauber immer noch „Mangelware“ seien. Die Anzahl der tatsächlich einsatzbereiten Maschinen bewege sich seit Jahren „auf einem sehr niedrigen Niveau“.

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