Kampf gegen Corona: Braunschweiger Forscher melden Durchbruch

Braunschweig.  HZI-Virologe zeigt im Laborversuch: Antikörper verhindert Infektion durch das Virus. Die Forscher hoffen auf ein Medikament bis Herbst.

Dem Braunschweiger Virologen Prof. Luka Cicin-Sain und seinem Team ist es gelungen, einen Antikörper nachzuweisen, der das neuartige Coronavirus erfolgreich am Eindringen in Zellen hindert (Symbolbild).

Dem Braunschweiger Virologen Prof. Luka Cicin-Sain und seinem Team ist es gelungen, einen Antikörper nachzuweisen, der das neuartige Coronavirus erfolgreich am Eindringen in Zellen hindert (Symbolbild).

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Dem Braunschweiger Virologen Prof. Luka Cicin-Sain und seinem Team ist es gelungen, einen Antikörper nachzuweisen, der das neuartige Coronavirus erfolgreich am Eindringen in Zellen hindert. „In wiederholten Versuchen konnten wir zeigen, dass dieses Ergebnis tragfähig ist“, sagte der Forscher vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) gegenüber unserer Zeitung. „Das ist eindeutig ein Durchbruch, der zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg für die Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19.“

Als Durchbruch würdigte die Leistung auch Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU): „Ich freue mich außerordentlich über diesen großen Erfolg der niedersächsischen Forschungseinrichtungen, der auf bessere Heilungserfolge bei Covid-19 hoffen lässt.“

Erreicht wurde dies gemeinsam vom Braunschweiger Antikörper-Unternehmen Yumab, der Technischen Universität Braunschweig und dem HZI. Yumab, eine Ausgründung von TU-Forschern um Prof. Stefan Dübel, sowie ein Team von TU-Biotechnologen um Prof. Michael Hust haben rund 6000 verschiedene künstlich hergestellte menschlichen Antikörper analysiert. Hierbei haben sie mehr als 750 Antikörper gefunden, die das Coronavirus binden – eine Voraussetzung dafür, den Erreger erfolgreich zu bekämpfen.

Antikörper gegen Corona: Tests auf Wirksamkeit in Braunschweig

Diese ausgewählten Antikörper testet Cicin-Sain derzeit im Hochsicherheitslabor des HZI an Zellkulturen, die dem Virus ausgesetzt werden, auf ihre Wirksamkeit. Ihm zufolge wurden bisher rund 30 Kandidaten getestet. Der Antikörper, der sich nun als erfolgreich erwies, wurde von Yumab entwickelt.

Mit dem Erfolg sei der unverzichtbare erste Schritt für die Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19 getan, ist sich der gebürtige Kroate Cicin-Sain sicher. Anders als bei Impfungen, bei denen Patienten Teile des Erregers verabreicht bekommen, dann selbst Antikörper bilden und eine Immunität aufbauen, ist das Ziel der Braunschweiger ein Arzneimittel, um schwerkranke Corona-Patienten akut zu behandeln. „Das Wirkprinzip, mit dem wir arbeiten, ist die sogenannte Passiv-Immunisierung“, erklärt Stefan Dübel. „Die Antikörper nehmen dem Virus das Potenzial. Und die Wirkung tritt sofort ein.“

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Corona-Forscher: „Mit dem, was wir tun, gehören wir auf jeden Fall zur Weltspitze“

Cicin-Sain, Dübel und Yumab-Hauptgeschäftsführer Thomas Sinnmann betonen das Engagement und die Initiative aller beteiligten Forscher, darunter zahlreiche Doktoranden. „Alle, die derzeit mithelfen, tun es, einfach, weil sie es können“, sagt Dübel. Überstunden und Wochenendarbeit seien dabei in diesen Wochen die Regel. Cicin-Sain sagt: „Vor ein paar Monaten waren wir noch keine Corona-Forscher. Heute sind wir’s. Bei unserer Ausstattung und unserer Kompetenz wäre es verantwortungslos gewesen, wenn wir uns anders entschieden hätten.“

Dass es weltweit weitere Forscher gibt, die auf einem ähnlichen Stand sind, schließt er nicht aus. „Aber diese Gruppe ist sehr klein. Mit dem, was wir tun, gehören wir auf jeden Fall zur Weltspitze.“

Was sind die nächsten Schritte?

Über die nächsten Schritte sagt Schirrmann, die Suche nach dem besten Antikörper-Kandidaten für ein späteres Medikament solle noch bis Mitte Juni fortgesetzt werden. Dann gelte es, den Favoriten „auf Herz und Nieren“ zu prüfen und die Entwicklung für die klinische Praxis vorzubereiten. Hierfür seien die Braunschweiger Forscher bereits im Gespräch mit dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut. Zusammen mit der Bundesbehörde werde geklärt, wie schnell die Entwicklung und Zulassung machbar seien.

„Normalerweise dauert ein solcher Prozess mehrere Jahre. Unsere Vision ist, dass im Herbst die ersten Coronapatienten mit dem Medikament behandelt werden“, so Schirrmann. Der Weg bis dahin sei aufwendig und teuer, sagt Dübel. Bisher gebe es noch keine Zusage für eine Finanzierung.

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