Kassiererin ringt um Fassung: „Manche husten zum Spaß“

Osterode.  Die Einkaufsmärkte sind bemüht, die extreme Nachfrage zu befriedigen. Die Mitarbeiter haben es dabei teilweise mit rücksichtslosen Personen zu tun.

Eine Plexiglasscheibe ist im Kassenbereich eines Supermarktes montiert, sie soll das Personal vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Der Einzelhandel ist durch die Coronavirus-Pandemie derzeit stark gefordert und trifft vielerorts Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung.

Eine Plexiglasscheibe ist im Kassenbereich eines Supermarktes montiert, sie soll das Personal vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Der Einzelhandel ist durch die Coronavirus-Pandemie derzeit stark gefordert und trifft vielerorts Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung.

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Hamsterkäufe in Supermärkten sind derzeit ein beherrschendes Thema: Viele Menschen habe offensichtlich das Bedürfnis, sich mit einem Jahresvorrat an Toilettenpapier und Konserven einzudecken. Einige Supermärkte und Discounter in Deutschland sahen sich deshalb bereits veranlasst, Mengenbeschränkungen für bestimmte Artikel einzuführen. Im Altkreis Osterode ist die Situation in den Einkaufsmärkten dagegen noch entspannt, was die Verfügbarkeit der meisten Waren des täglichen Bedarfs angeht. Gleichwohl sind auch hier die Mitarbeiter der Märkte permanent damit beschäftigt, die leergekauften Regale wieder aufzufüllen – eine zweifellos kräftezehrende Tätigkeit.

„Es kommt mir vor wie bei der Grenzöffnung 1989 – nur diesmal mit Bananen“, sagt Dirk Gomolluch, Leiter eines Einkaufsmarktes in Osterode, halb im Scherz, halb ernst gemeint. Damals war die Nachfrage ähnlich extrem, nur waren die Südfrüchte der Renner und oft ausverkauft – im Gegensatz zu heute. Auch in seinem Markt werden an diesem Freitagvormittag schon wieder die Regale neu befüllt. „Hamsterkäufe gibt es reichlich“, weiß er aus eigener Erfahrung. Hefe etwa sei derzeit ein extrem gefragtes Produkt und ständig ausverkauft. Offenbar wollen viele Menschen Brot backen. Gomolluch erzählt von einem Kunden, der ihn nach Milchreis fragte – der Mann nahm dann statt einer Packung den ganzen Karton mit. Solches Verhalten führe wiederum bei anderen Kunden zu Frust, die zum wiederholten Mal vergeblich kommen, um ein bestimmtes Produkt zu kaufen, das aber gerade wieder einmal aus ist.

Den Unmut einiger Kunden und auch das rücksichtlose Verhalten mancher Zeitgenossen bekommen besonders die Mitarbeiter an den Kassen direkt zu spüren – die zudem aufgrund ihrer vielen Kontakte zwangsläufig einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. „Einige sind sehr gereizt“, berichtet eine Supermarkt-Kassiererin, die um Anonymität bittet. „Ich verstehe auch nicht, warum die Leute nicht kapieren, allein einkaufen zu gehen.“ Einige würden die Besorgungen nach wie vor quasi als Familienausflug mit Kindern gestalten. „Man sollte einmal in der Woche einen Großeinkauf machen. Ich hatte heute schon ein Dutzend Kunden, die nur ein einziges Teil gekauft haben“, schildert sie. Es ist später Vormittag.

„Manche husten zum Spaß“

Besonders krass sind aber Fälle, in denen sich – man kann es nicht anders bezeichnen – asozialen Personen einen schlechten Scherz erlauben und andere erschrecken wollen: „Manche husten zum Spaß“, sagt die Kassierin und ringt dabei sichtlich um Fassung. Sie komme derzeit mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit. Auch auf Facebook kursiert in einer Osteroder Gruppe ein Augenzeugenbericht über einen derartigen Vorfall, den die Redaktion aber nicht nachprüfen kann: Aus einer Gruppe von Teenagern habe sich ein Junge „übers Band gebeugt und der Kassiererin zum Spaß voll ins Gesicht gehustet“. Die meisten Märkte haben inzwischen Plexiglasscheiben zum Schutz der Kassierer angebracht.

Doch es geht auch anders, nämlich gesittet, rücksichtsvoll und mit Respekt: „Die Kunden sind sehr verständnisvoll“, stellt Stefan Wachholz, Verkaufsleiter eines anderen Osteroder Supermarktes fest. „Wir haben hier auch keinen Jugendtourismus“, wie er die Shoppingtouren mancher Teenager nennt. „In Osterode geht es sehr friedlich zu. Manchmal gibt es Diskussionen um den Abstand untereinander“, sagt Wachholz. Aber Beschwerden hätten ihn bislang weder von Kunden, noch von Mitarbeitern erreicht. Er wisse aber auch von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kunden und Sicherheitsdiensten in Märkten anderswo in Deutschland.

In seinem Markt sei bislang weder ein Sicherheitsdienst noch eine Zutrittsbegrenzung erforderlich. Doch bitte man die Kunden, bei Artikeln des täglichen Bedarfs keine übergroßen Menge zu kaufen, aus Rücksicht auf andere. In anderen Märkten in Osterode steht dagegen inzwischen Sicherheitspersonal am Eingang und jeder Kunde muss beim Betreten einen Einkaufswagen mitnehmen – ein Versuch, sowohl für Abstand zwischen den Menschen zu sorgen, als auch die Personenzahl insgesamt etwas zu begrenzen.

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