"Maybrit Illner": Droht in Deutschland der Endlos-Lockdown?

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Welche Talkshows finden trotz Corona statt?

Welche Talkshows finden trotz Corona statt?

Die Unsicherheit ist groß. Das Bedürfnis nach Information ebenso. In Zeiten von Corona hat es jeder schwer. Auch das TV-und Kulturprogramm. Welche Talkshows trotz Corona stattfinden, sehen Sie im Video.

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Berlin.  Bei "Maybrit Illner" ging es um die Corona-Strategie. Mit dabei: Kanzleramtschef Braun, der beim Thema Impfen ins Schwimmen geriet.

Deutschland bleibt bis Mitte Februar im Lockdown. Maybrit Illner nahm das zum Anlass, um ihre Runde am Donnerstagabend über die weitere Strategie diskutieren zu lassen. "Droht der Endlos-Shutdown?", lautete der Titel der Sendung. Diskutiert wurde die Frage von einer bunt gemischten Runde.

"Maybrit Illner": Das wären die Gäste

  • Helge Braun (CDU), Kanzleramtsminister
  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern
  • Christiane Woopen, Medizinetherikerin
  • Melanie Brinkmann, Virologin
  • Sascha Lobo, Kolumnist, Autor

Die No-Covid-Strategie

Melanie Brinkmann kam als Vertreterin des "No-Covid"-Ansatzes die Rolle zu, für die aktuelle Situation zu sprechen – und mehr zu fordern. "Die Inzidenz von 50 ist schwierig“, sagte die Virologin mit Blick auf den Wert, der von der Politik als Ziel vorgegeben wird. Schließlich habe man schon einmal bei ebendieser Inzidenz die Kontrolle verloren.

Stattdessen warb Brinkmann dafür, die Inzidenz gegen Null zu senken – und keine Zeiträume mehr vorzugeben, da dies nur Enttäuschungen erzeuge. Stattdessen solle lieber klar gesagt werden, welche Regeln beim Erreichen des Zielwertes gelockert werden können.

Coronavirus: Die Schnelltest-Strategie

Das klang plausibel, aber auch ziemlich frustrierend. Denn wie lange wird es dauern, bis wir eine Null-Inzidenz erreicht haben? Und was macht es mit der Moral, wenn es kein festes Datum mehr für eine neue Prüfung der Maßnahmen gibt?

Die Medizinethikerin Christiane Woopen bot dazu eine Alternative an. Statt ausschließlich auf eine niedrige Inzidenz zu setzen, sollten massenhaft Schnelltests durchgeführt werden. Diese seien zwar fehleranfällig, doch darum gehe es auch gar nicht: Ziel sei, dass möglichst viele Menschen schnell merken, dass sie erkrankt sind – und sofort zu Hause bleiben. "Diese Strategie wird geblockt, sie kommt in der Politik nicht an", kritisierte die Medizinethikerin.

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Braun: Beim Thema Impfen kommt er ins Schwimmen

Das brachte die Frage auf, ob sich die Politik ausgewogen beraten lässt. Kanzleramtschef Helge Braun bejahte: Die Auswahl der Experten erfolge anhand von objektiven Kriterien, sodass etwa die großen relevanten Institutionen vertreten seien.

Damit hatte Braun recht. Ins Schwimmen geriet der Kanzleramtschef allerdings, als es ums Thema Impfen ging. Warum sind Länder wie Israel, Kanada oder Großbritannien so viel weiter? Bei dieser Frage fiel die Runde nahezu über Braun her. Mit guten Argumenten.

Schwesig und Lobo attackieren Braun

"Ich bin total enttäuscht", stellte beispielsweise Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, klar. Sie stehe zur Strategie, die Fallzahlen niedrig zu halten. Dabei sei der Impfstoff aber der Hoffnungsschimmer gewesen: "Dass andere Länder mehr Impfstoff haben, kann man den Menschen nicht erklären."

Braun versuchte, sich zu verteidigen. Die Knappheit werde schon in sechs bis acht Wochen aufgelöst sein, versprach der CDU-Politiker. Man habe sich nun mal geeinigt, den Impfstoff in der EU gemeinsam zu beschaffen. Dazu habe die EU-Kommission im Sommer großzügig eingekauft – acht Kandidaten, da nicht klar war, welche Impfstoffe gelingen würden. Dass es am Anfang wenig Impfstoff geben würde, sei klar gewesen – und auch nicht anders versprochen worden, erklärte Braun.

"Dieses Selbstlob ist eine Frechheit", platzte es da aus Sascha Lobo heraus. Für den Kolumnisten war klar: Die EU-Kommission agierte aus Spargründen zurückhaltend – und weil sie die zweite Welle unterschätzte. Ähnliches warf Lobo der Bundesregierung vor: Diese habe die Gefahr dramatisch unterschätzt.

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Das Fazit

Am Ende stand der Streit ums Impfen exemplarisch für die gesamte Sendung: Diese Ausgabe von "Maybrit Illner" funktionierte hervorragend, weil das Für und Wider der Corona-Strategie konsequent und durchaus hart diskutiert wurde. Dass das gelang, lag an den Gästen, aber auch an der Gastgeberin, die hartnäckig nachfragte. Es zeigt sich: Auch bald ein Jahr nach Pandemie-Ausbruch können Corona-Talkshows erhellend sein.

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