3. Liga: Fortsetzung wird auf Rücken der Spieler ausgetragen

Essen.  Nun ist es definitiv: Die 3. Liga wird am 30. Mai fortgesetzt. Gegen die Vernunft, zumindest aus gesundheitlicher Sicht. Ein Kommentar.

Bereitmachen für die Saison-Fortsetzung: In der 3. Liga wird ab dem 30. Mai wieder gespielt.

Bereitmachen für die Saison-Fortsetzung: In der 3. Liga wird ab dem 30. Mai wieder gespielt.

Foto: Firo

Der DFB hat gesprochen. Am 30. Mai geht die 3. Liga wieder los. Elf Spieltage plus die Relegation werden bis in den Juli im Hauruck-Verfahren durchgepeitscht. Nur Englische Wochen. Da könnte man vermuten, die Klubs bekommen Zeit, sich auf dieses Programm im Sommer vorzubereiten.

Klarer Fall von Denkste.

Eine Woche vor Beginn wurde der Starttermin beschlossen. Und das, nachdem sich im Vorfeld schon alle an die Gurgel gegangen waren. Die halbe Liga wollte den Abbruch – zumeist Vereine im obersten oder untersten Bereich der Tabelle. Es lebe der Solidargedanke. Die andere Hälfte wollte die sportliche Entscheidung. Weil man bei einem Abbruch nicht profitiert hätte. Auch hier steckt sicher Kalkül hinter der Entscheidung – speziell bei den Teams ab Platz vier.

Die Coronavirus-Pandemie lässt keine einheitliche Zustimmung zu

Und eins vorweg: Eine Situation wie diese durch die Coronavirus-Pandemie ist neu. Eine faire Lösung, bei der alle den Daumen heben, wird es nicht geben. Das muss man den Entscheidungsträgern zugestehen. Aber wie das Schauspiel der 3. Liga abgelaufen ist, das ist einfach unwürdig.

Denn: Man hat das Gefühl, die Zukunft der Liga wurde gegen die Gesundheit der Spieler abgewogen. Das Urteil ist eindeutig. Die Gesundheit kommt ja vermutlich wieder, die Liga bei einem Verfall eher nicht. Wie in der Bundesliga stand die Zukunft der Liga auf dem Spiel.

Die scheint aber nur in Ansätzen gesichert, denn die Vereine müssen ja trotzdem ohne Zuschauereinnahmen planen. Es wird nur Geisterspiele geben, der eine oder andere Klub wird trotzdem womöglich in Kürze SOS funken. Ganz zu schweigen von den Spielern.

Was passiert, wenn es weitere Coronafälle gibt?

Die haben eine Vorbereitungszeit von teilweise zwei Wochen. Eine Nachfrage in Jena oder Halle würde sich lohnen. Aktuell wird dort noch in Kleinstgruppen trainiert – neun Tage vor dem Wiederbeginn. Und mehr als 70 Tage nach dem letzten Spiel. Wie soll das gehen? Hier werden Verletzungen in Serie in Kauf genommen. Die Alternativen sind nicht so vorhanden wie in den beiden Ligen darüber, wo es teilweise Kadergrößen von 30 plus gibt.

Und was sogar etwas untergeht: Was passiert, wenn es noch einen Coronafall gibt? Kaiserslautern pausiert gerade, weil es dort Verdachtsfälle gibt. Das ganze Konstrukt des DFB ist wackeliger als die vielen Brücken in NRW, die dringend saniert werden müssen. Am Ende ist es doch so: Der Ball muss rollen, koste es was es wolle. Die kommenden Wochen werden auf dem Rücken der Spieler ausgetragen, die ohne vernünftige Vorbereitung in einen Akkordbetrieb geschmissen werden.

In der 3. Liga kocht jeder Klub sein eigenes Süppchen

Die 3. Liga ist bisher bekannt durch eine unheimliche sportliche Dichte. Aber in den kommenden Monaten wird man sich nur an die Liga erinnern, in der jeder versucht hat, sein eigenes Süppchen zu kochen, und dass der DFB eine ganz schlechte Figur abgegeben hat. Die ersten Klagen sind bereits angekündigt, so vom Halleschen FC, auch vom derzeit abgeschlagenen Schlusslicht aus Jena. Denn die dürfen bis in den Juni gar nicht richtig trainieren. Eine Aufholjagd des Traditionsvereins muss also schon mal niemand befürchten. Wenigstens in einem Fall herrscht Klarheit. Immerhin.

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